Purer Krimi, der eine ganze Weile damit beschäftigt ist, die Verdächtigen für einen Mord aufzuzählen und dann anhand von Gesprächen herauszufiltern, wer von den ausgiebig Vorgestellten es denn nun war.
Die Tat steht natürlich gleich am Anfang; in einem beschaulichen 1200 Einwohnerort in Kane County an den Bergen Utahs wird an einem Hotel eine Leiche gefunden. Die Tote war Gast in dem Hotel; eine junge Frau auf Durchreise, die während ihrer kurzen Anwesenheit aber wohl mehreren Männern den Kopf verdreht hat. Dazu gehört auch der Anwalt David Hewson [ Lex Barker ], der sie zusammen mit seiner neuen Eroberung Beth Dixon [ Anne Bancroft ] gefunden hat. Beth ist Angestellte in dem Hotel, David macht nur vom Psychologen verschriebenen Urlaub vom Stress in Los Angeles.
Der sofort eintreffende Sheriff stellt einen Schnitt durch die Kehle und viele Verstümmelungen fest und auch gleich ein Täterprofil auf: Es muss ein Bekannter gewesen sein, aber ein Wahnsinniger. Er befürchtet eine Wiederholung der grausigen Tat.
Die Fahndung nach Unbekannt wird ausgeschrieben und der Sheriff macht sich an die Ermittlungen.
Diese laufen quer durch das anliegende Hotel, woraus anscheinend die gesamte Stadt zu bestehen scheint und deswegen das Zentrum der Örtlichkeit als auch des Filmes darstellt. Der weitgehend isolierte Schauplatz ist schön gewählt und kommt im kontrastreichen Schwarzweiss auch sehr gut zur Geltung; hinten die sich erhebenden Berge, davor die eher kleine und nach normalen Maßstäben gedrungene Hotelanlage. Einstöckig. Langgezogen. Ein Pool und überall aufgestellte Sonnenschirme sorgen für Urlaubs- und Erholungsstimmung; ansonsten weit und breit nur Landschaft, mal Wald, mal Seen und mal Wüste. Salt Lake City soll in der Nähe sein, aber davon bekommt man nichts mit; sowieso ist die Technik und die allgemeine Gesellschaft noch eher hinterwäldlerisch und bescheiden, selbst für 1957. Nur der Sheriff hat ein Auto, der Rest geht zu Fuss oder nimmt das Pferd. Der Film passt sich dem an und bezieht daraus neben der altmodisch aufgezogenen Geschichte ohne jedes Draufgängertum auch seinen Reiz; halt ein blanker whodunit ohne Aufwärmphase, mit vergleichsweise archaischer Grundhaltung und mit guten Recht davon ausgehend, dass die Mördersuche auch durch blanke Befragungen spannend sein kann.
Allerdings nicht automatisch muss.
Hierbei hat man nämlich auch ein kleines Problem: Die Tote kennt man nicht, hat man nie gesehen und weiss nichts von ihr. Höchstens aus Erzählungen, aber da sind sich alle nur einig, dass sie mannstoll war und ihre Reize einzusetzen wusste; dies kam auch offensichtlich sehr gut bei den Männern an.
Ist man durch die fehlende persönliche Relevanz also weniger über diese Ebene an der Aufklärung interessiert als dann doch nur wegen dem Ratespiel der nun folgenden Andeutungen und Beschuldigungen eingebunden.
Dies eröffnet dann auch die Liste der Verdächtigen, Motive haben sovieso viele und es sind auch beileibe genug Figuren vor Ort:
Der dörfliche Weiberschwarm Frankie Pierce wurde von ihr zugunsten des galanteren, weltmännischen David versetzt.
David hatte eine neue Flamme, und wiederum an Mordabend auch eine Verabredung mit der Toten gehabt. Gleichzeitig, also Eine zuviel.
Der Hotelbesitzer Edmund Parry hatte blanken Hass auf die Frau; hat sie ihn doch an eine tragische vergangene Liebe erinnert, die ihn traumatisch in den Rollstuhl brachte. Allerdings hasst er mit Ausnahme seiner ihn pflegenden Schwester sowieso alle Frauen; ihre Art, die nach seiner Meinung nach falschen leeren Versprechungen, ständige Berechnung und käufliche Romanzen widern ihn an und erinnern ihn penetrant an seine verlorene Liebe, die in seinen Augen genauso war.
Dann gibts noch einen alternden Schauspieler, dessen Tage durch Alkohol und ausbleibenden Erfolg gezählt sind. Sein strohblondes Groupie, dass in der Freizeit Möchtegern – Mannequin ist. Einen ständig besoffenen Indianer, der mit der Tatwaffe im Wald aufgefunden wird und einen neuangekommenen Privatdetektiv, der seine Nase in alles steckt, was nicht ihm gehört und ihn nichts angeht.
Das jetzige Bäumchen – wechsel – dich Spielchen stellt erstmal jeden als potentiellen Mörder ins Licht, alle hätten auch irgendwie Grund und Gelegenheit dazu. Nun folgen viele Szenenwechsel, die das sonst ruhige Tempo etwas aufpeppen und nur dadurch nicht aus dem Ruder laufen, da alle miteinander beruflich oder privat zu tun haben und die Rennerei nur durch den Sheriff und entlang der Hotelanlage erfolgt. Ausserdem ist der an allen Gliedmassen gelähmte Edmund Dreh – und Angelpunkt des Geschehens, da er sich ja nun gar nicht bewegen kann, die Anlaufstation der Hotelgäste ist und auch der mit dem deutlichsten Groll gegen die Tote und Jedermann allumfassend.
Man wühlt sich also durch eine Menge Dialoge, die soweit in Ordnung gehen, ohne irgendwelche Preise zu gewinnen; zumindest kommt man die meiste Zeit schnell auf den Punkt, redet knapp und nicht um den heissen Brei herum. Auch sind die üblichen Verdächtigen trotz der erstmal nicht geringen Anzahl und ihrer grössenteils unbekannten Darsteller – neben Barker, Bancroft und Mamie Van Doren sind in Kleinstrollen aber noch Stuart Whitman und Dan Blocker zu sehen - recht übersichtlich formiert. Nach einer kurzen Anlaufphase hat man sich in der so schon begrenzten 75min Laufzeit auch seine Pappenheimer eingeprägt und kann sich am Quiz beteiligen; manchmal sind markante Stereotypen und das Auslassen von zuviel Charakterisierung eben auch nützlich.
Ausserdem ist so der Gegensatz zwischen den Gestalten im eigenen, abgeschottenen Amerika schnell herausgearbeitet: Dort der Indianer - hier der Kleinstädter. Dort die ihren Bruder umhegende, brünette Hausfrau - hier die blonde Sexbombe. Dort der Anwalt aus Los Angeles, der in jeder Szene seinen gestählten, muskulösen Körper anspannt - hier der Paralysierte, der ohne fremde Hilfe nicht mal einen Luftballon aufblasen kann, geschweige denn kaputtzumachen kriegt. Alle haben ein Geheimnis, doch nur eines ist entscheidend für die Lösung des Falles.
Argwohn und Misstrauen sind dabei grundsätzlich weniger spürbar, irgendwie geht auch keiner von aus, dass der Mörder unter ihnen weilt; es werden keine sichtbaren Schutzmassnahmen oder sonstiges getroffen und auch kaum Anschuldigungen ausgesprochen. Die nächsten Toten treffen zwar ein, aber haben auf den ersten Blick nichts mit dem Ausgangspunkt zu tun. Ausserdem ist für einen Krimi hier ausgesprochen viel Tageslicht und wenig Suspense vorhanden; allein über dem Spiel mit Helligkeit und Schatten kommt also keine geheimnisvolle Atmosphäre zustande. Da kann man die Filmemacher nur zur ihrer Beharrung auf die grobkörnigen Unfarben beglückwunschen; bei knalligen Technicolor wäre die Stimmung und die wenige Bedrohung wahrscheinlich grundsätzlich dahin.
Trashansätze sind übrigens nicht vorhanden, warum der Film diesen Ruf wegbekam ist unklar; dafür sind aber steife Momente eines Melodramas inbegriffen und der gesamte Touch weist überdeutlich auf B – Movie hin.
Leicht schundig und aus der Luft gegriffen ist auch die Auflösung, die dann auch noch im Nachhinein detailliert erzählt werden muss, damit man wenigstens jetzt die Fakten bekommt; zumindest konnte man sich zwischendurch an psychologisch nicht ganz uninteressanten, zweideutigen Gesprächen und dem ewig meckernden Edmund ergötzen.
Letztlich hält man es mit dem Film wie mit den darin passierenden Morden: Das Wichtigste geschieht im Off und wird dem Zuschauer nicht gezeigt, sondern nur die etwaigen Möglichkeiten präsentiert. Die Qualitäten werden auch nur angedeudet, aber eine Umsetzung dessen erfolgt nicht. Aufgrund der Kürze und der gewissen grellen Groschenheft – Mentalität kann man sich das Werk aber durchaus zu Gemüte führen; ohne jetzt aber gross Weiteres erwarten zu können.