Einer wie George Clooney, der finanziell restlos ausgesorgt hat, kann es sich locker erlauben, für vier Jahre eine Leinwandpause einzulegen und als Regisseur nur wahre Herzensangelegenheiten zu verwirklichen. Jene, die auf der literarischen Vorlage von Lily Brooks-Dalton beruht, entpuppt sich als Dystopie über Einsamkeit, die nicht nur in den Weiten des Alls herrscht.
2049 am nördlichen Polarkreis: Ein nicht näher erläutertes Ereignis hat die Menschheit weitgehend dahingerafft. Astronom Auguste (Clooney) versucht Kontakt mit dem Raumschiff Aether aufzunehmen, deren Besatzung um Sully (Felicity Jones) den Jupitermond K23 erkundete und sich nun auf dem Rückweg zur Erde befindet…
Mal abgesehen von zwei, drei Rückblenden ist die Handlung in zwei parallel ablaufende Handlungsstränge unterteilt. In der Arktis der von einer Krankheit mitgenommene Auguste, der in der Forschungsstation eines Tages das stumme Mädchen Iris findet und das Raumschiff per Funk warnen will und eben jene Station im All, die mit fünf Crewmitgliedern recht überschaubar ausfällt. Da es lange Zeit keine Berührungspunkte gibt, gibt es zwei Welten, die kaum zueinander passen, wodurch sie sich gegenseitig ein wenig ausbremsen.
Leider fallen die Figurenzeichnungen eher schwach aus, was speziell bei den stereotyp gezeichneten Astronauten auffällt, zumal diese in der ersten Hälfte mit Belanglosigkeiten beschäftigt sind, bevor es überhaupt mal Komplikationen gibt. In der Arktis geht es zwar zwischenzeitlich ein wenig prekär zu, als das Nachtlager im Wasser zu versinken droht, doch auch hier fällt der Zugang zu Auguste schwer, der sich nur zwangsläufig um das Mädchen kümmert, im Verlauf aber immerhin so etwas wie Fürsorge entwickelt.
Was hingegen punktet, ist die Atmosphäre der Einsamkeit und Melancholie, was auf beide Schauplätze zutrifft. Die Szenen im Schneesturm wurden in Island gedreht, Eindrücke des Jupitermondes auf La Palma eingefangen und farbtechnisch treffend verändert. Als es zu einer Reparatur ans Außendeck des Raumschiffes geht, dürfte sich Clooney an sein Mitwirken in „Gravity“ erinnert haben, denn da spielt der Aspekt der Schwerelosigkeit eine nicht unerhebliche Rolle, was Kameramann Martin Ruhe stark eingefangen hat.
Trotz kurzer spannender Einlagen kommt der Stoff zu kaum einer Zeit in Fahrt und auch die emotionale Wucht bleibt aus, wie sie für das eher enttäuschende Finale offenbar anberaumt war. Diesbezüglich sind einige Umstände deutlich zu konstruiert ausgefallen.
Clooney, der sich einen langen Rauschebart wachsen ließ und seine Haare selbst krumm und schief rasierte, nimmt man die Erscheinung des Todkranken durchaus ab. Sein Kampf gegen die Krankheit, aber auch gegen eisige Urgewalten vermag phasenweise mehr mitzunehmen als die Probleme der Crew im All, auch wenn sich hier bekannte Namen wie David Oyelowo oder Demián Bichir tummeln. Der Score von Alexandre Desplat ist für sich stehend gut, allerdings passen einige Tracks kaum zum Geschehen.
Was auf optischer Seite grundsolide und oft stimmungsvoll umgesetzt ist, vermag im Erzählerischen nur teilweise zu überzeugen. Eine emotionale Nähe wird nur leidlich aufgebaut und unterm Strich hat „Midnight Sky“ nicht wirklich viel zu vermitteln, wodurch innerhalb der 118 Minuten mit der einen oder anderen Länge zu rechnen ist und Offenbarungen nicht zu erwarten sind.
Knapp
6 von 10