Review

Wie das Universum - zum Großteil Hohlraum


Satte 100 Mio. Dollar soll „The Midnight Sky“ Netflix gekostet haben - doch egal ob man das zumindest audiovisuell auch merkt: das Ergebnis bleibt maximal selbstgefällig, uninspiriert und ernüchternd. In dem müden Clooney-Vanityprojekt (von ihm selbst grossspurig und nahezu lächerlich als Mischung aus „The Revenant“ und „Gravity“ beschrieben) macht eine weitestgehend ungenau beschriebene Katastrophe die Erde im Jahr 2049 unbewohnbar. Also bricht ein Teil unserer Spezies in Richtung eines womöglich erd-ähnlichen Jupitermondes auf bzw. zieht sich unter die Erde zurück. Doch ein bärtiger und grummeliger Wissenschaftler (Clooney natürlich selbst) bleibt selbstgewählt in einem noch nicht betroffenen Arktisstützpunkt zurück - und wiederentdeckt durch ein ebenfalls zurückgebliebenes kleines Mädchen vielleicht so etwas wie Hoffnung und Freude in einer sterbenden Welt...

„The Midnight Sky“ wäre wohl gerne eine Kreuzung aus „Solaris“ und „Interstellar“, doch er versagt auf sehr vielen seiner (immer nur gestriffenen) Linien. Okay, wie gesagt, optisch ist das hochwertig und scharf, Alexandre Desplats musikalische Kompositionen sind sensibel und hörenswert, Clooney sieht alt und kernig aus wie nie, alles ist grundsolide gespielt. Es gibt eine süße Gesangseinlage, eine süße Jungschauspielerin und eine Szene, in der Blut im Weltraum/in Schwerelosigkeit unangenehm und realistisch dargestellt wird. Doch das sind alles nur Teile der B-Note. Was dagegen schief läuft?! Die satten zwei Stunden sind kaum mit Höhepunkten gefüllt und kommen einem noch länger vor. Überraschungen im letzten Drittel riecht man drei Meilen gegen den Wind. Ehrlich gesagt sogar von Beginn an. Die Ausgangslage hat man schon oft gesehen und ihr wird absolut nichts Neues abgewonnen. Und am Schlimmsten: wenn es dann mal gefühlsmäßig oder philosophisch nach vorne gehen soll, verliert sich Clooney in Phrasen, Oberflächlichkeiten und fast schon peinlichem Nichtssagtum. Jede genannte Alternative, jeder genannte filmische Fixpunkt für Clooney ist da die deutlich bessere Wahl. Selbst wenn man sie schon in- und auswendig kennt.

Fazit: hübsch und leer. Unfassbar leer. „The Midnight Sky“ ist einer der pseudocleversten Blender der jüngeren Filmvergangenheit. Auch nicht allzu emotional. Egal wie sehr er es versucht. Hat mich total kalt gelassen. Außen Tophit, innen verkackt. 

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