Review

„Rescue Distance“ der peruanischen Regisseurin Claudia Llosa lässt sich kaum einem Genre eindeutig zuordnen. Am ehesten tendiert der Stoff in Richtung Mystery-Drama, welches aufgrund seiner verschachtelten Form keinesfalls zur reinen Berieselung taugt.

Da ihr Mann beruflich ständig an verschiedenen Orten unterwegs ist, zieht es Amanda mit ihrer kleinen Tochter Nina ins ehemalige Sommerhaus ihrer Eltern, wo sie bald die Nachbarin Carola kennen lernt. Diese hat einen Sohn, David, von dem sie behauptet, er sei nach einer Seelenwanderung nicht mehr ihrer…

Der Titel bezieht sich auf ein unsichtbares Band, welches Eltern gegenüber ihren Kindern entwickeln, nicht nur auf das Räumliche, insbesondere der Aufsicht bezogen. Einige Themen kreisen um Entfremdung und übertriebene Fürsorge, es gibt ein paar übernatürliche Elemente und sogar eine Umweltproblematik wird angerissen, die der deutsche Titel wiederum vorweg nimmt.

In die Handlung hineinzukommen gestaltet sich allerdings recht schwierig, da diese von zwei Voiceover begleitet wird, welche lange Zeit keinen zeitlichen Kontext erhalten. Demnach ergeben sich bruchstückhafte Erzählstränge, einige Zeitsprünge und bestimmte Szenen, die zunächst keinen Sinn zu ergeben scheinen. So wird Amanda gleich zu Anfang in einer Art Dämmerzustand durch den Wald gezogen, während sie mit ihrem Gesprächspartner im Hintergrund über Würmer spricht. Später kommt man noch einmal auf jene Szene zurück.

Überhaupt wiederholen sich einige Vorgänge, jedoch aus leicht veränderter Perspektive, bei denen ein Blick auf Details vonnöten ist, um am Ende ein halbwegs vernünftiges Puzzle anfertigen zu können. Der Weg dorthin ist zwar von einigen hübschen Bildern, teils mit Symbolcharakter umgeben, doch er gestaltet sich aufgrund der vagen Handlung auch recht zäh und anstrengend, zumal Llosa nicht daran gelegen ist, die leicht bedrohliche Stimmung mit Spannungsmomenten weiter anzufeuern.

So dürfte der südamerikanische Genremix folglich nicht jedem zusagen, denn komplett schlüssige Auflösungen bietet der Stoff nicht. „Fever Dream“, ein weiterer, internationaler Titel trifft den Nagel wohl eher auf den Kopf, denn was er nicht ausformuliert, neigt eher in Richtung Traumdeutung und darauf muss man sich erstmal einlassen.
Knapp
6 von 10

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