Eine Gruppe Jugendlicher wird per Bus in eine Art Pfadfindercamp tief in den polnischen Wäldern gekarrt, wo sie, nachdem sie Handies, Laptops etc. abgegeben haben, eine Woche lang ohne dieses technische Spielzeug auskommen müssen. Statt Facebook, Twitter & Co. stehen lange Wanderungen, Lagerfeuer und Gruppenspiele an, was einer Entwöhnungstherapie entsprechen soll. Widerwillig geben die Schüler, alle zwischen etwa 16 und 18 Jahren jung und auf Veranlassung ihrer Eltern dort (manche schon zum wiederholten Male), ihre Mobil-Elektronik ab und harren eher mißmutig der Ansprache des Lagerleiters. Bald werden sie in Gruppen aufgeteilt, und diejenige, der sich der Film widmet, besteht aus 2 Mädels und 3 Burschen, die mit einer erfahrenen Führerin zu einer mehrtägigen Wanderung inkl. Zelten aufbrechen. Dummerweise verlieren sie aber schon in der ersten Nacht einen Teilnehmer, denn in den tiefen Wäldern haust ein degeneriertes Brüderpaar, das sich von Menschen ernährt...
Vom Titel her bezugnehmend auf ein altes Kinder-Einschlaf-lied bietet die polnische Produktion Nobody Sleeps in the Woods Tonight zwar die zu erwartende Hinterwäldler-Slasher-Story, wie man sie schon aus Wrong Turn, The hills have eyes und Konsorten kennt, bietet in ihrem dramaturgischen Aufbau jedoch einige erfrischende Komponenten, die man so zumindest noch nicht gekannt hat. Da wären zum einen die recht ausführlich vorgestellten Charaktäre der 5 Jugendlichen, die zwar für sich genommen ziemlich klischeehaft ausfallen, dafür jedoch in durchaus ungewohnter Reihenfolge ausscheiden: Der Muskelmann Daniel als Stärkster der Gruppe ist in Wirklichkeit ein Weichei, hatte noch nie etwas mit Mädchen und muß sich daher von der Hübschen Aniela erst verführen lassen; der Durchschnittliche ist in Wirklichkeit schwul, hat sein Coming-Out aber noch vor sich und leidet unter dem Desinteresse seiner Mitmenschen, während die Durchschnittliche Zosia meist schweigt, aber am effektivsten handelt, wenn es drauf ankommt. Der Dicke mit Brille Julek schließlich ist ein Tollpatsch wie er im Buche steht, hat zwar auch keine Erfahrung mit Mädchen, dafür aber einen Kanal auf der Tube mit hunderttausenden Abonnenten, wie er sagt. Diese vielleicht schwierigste Rolle von allen füllt er jedoch sehr authentisch aus, mit Rettungsring um die Hüften, wenn er versehentlich auf einen Hirsch pinkelt oder irgendeine Plastikfigur an einem Anhänger wortreich sogleich als Filmhelden identifiziert.
Die beiden Hinterwäldler-Brüder schließlich sind mit zahlreichen Blasen und Geschwüren am ganzen Körper "hervorragend häßlich" gezeichnet und erfreulicherweise auch ausreichend lange zu sehen, sodaß die SFX optisch gut zur Geltung kommen - gleiches gilt für die Gore-Szenen, die ebenfalls nicht verschämt ausgeblendet werden - obgleich man einem abgerissenen Kopf oder einer durchbohrten und herumgewirbelten Person durchaus ansehen mag, daß dies nur Nachbauten bzw. Puppen sind. Die Erklärung, woher die beiden Brüder kommen bzw. warum sie so wurden, fällt dafür so richtig blöd aus: Ein Stein, der eines Tages kometengleich vom Himmel fiel, hat die beiden braven Buben einst verwandelt...
Der ganze Film ist durchzogen von Szenen, die man vordergründig für mehr oder weniger witzig halten könnte, die in Wirklichkeit aber eine beißende Kritik an der polnischen Gesellschaft und politischen Führung darstellen: Da wäre der Priester, der den Schülern eine Ansprache hält und die "teuflischen" Handies mit Weihwasser bespritzt; später stellt er sich als Sadist heraus; weiters haben wir einen unterbeschäftigten und unterbezahlten Dorfpolizisten, der eine Nutte bezahlt, die ihm zuhört, da er sonst niemanden zum Reden hat; zwei polnische Spinner, die in Uniform Hitlers Geburtstag im Wald feiern; weiters kommen die "technikfeindlichen" Aufseher selbst in Edel-Mercedes bzw. teurem Jeep in die Waldsiedlung wie überhaupt dieser vorgebliche Social Media Detox eine Parabel auf die Verbote und Einschränkungen der gegenwärtigen polnischen Regierung darstellt.
Insgesamt also ein eher kurzweiliges Vergnügen, das zwar aufgrund der sattsam bekannten Thematik keine allzu große Spannung mehr zu erzeugen vermag, aufgrund seiner eingestreuten komischen Szenen jedoch für den einen oder anderen Lacher gut ist. 6,51 Punkte.