Düstere Zukunftsmusik aus Sicht junger Heranwachsender ist seit einiger Zeit in der Literatur stark angesagt und wie die „Tribute von Panem“ untermauern, kommt der Stoff auch beim Kinopublikum gut an. Normalerweise. Denn aus nicht ganz nachvollziehbaren Motiven erschien der Streifen erst nicht im Kino, bis er aus bekannten Gründen mehrfach verschoben werden musste.
Im Jahre 2257 haben sich kleine Kolonien auf dem erdähnlichen Planeten New World gebildet. Tod (Tom Holland) gilt als jüngster in dem Dorf Prentisstown, in dem einst sämtliche Frauen von den Ureinwohnern getötet wurden. Als Viola (Daisy Ridley) als einzige Überlebende einer Raumkapsel landet, ist die Aufregung groß, doch während der Bürgermeister (Mads Mikkelsen) seine eigenen Pläne verfolgt, treten Tod und Viola die Flucht an…
Ein Kernthema des Stoffes sind hörbare und sichtbare Gedanken der ausschließlich männlichen Bewohner, was zunächst für ein wenig Durcheinander auf akustischer Ebene sorgt. Tod ist früh damit beschäftigt, dem Priester im Wald (David Oyelowo) seine wahren Absichten zu unterschlagen, indem er wie ein Mantra seinen Namen herunter betet. Zur Not kann er auch eine riesige Schlange bei einem verhassten Dorfbewohner entstehen lassen, doch von solchen, leicht horrormäßigen Situationen gibt es nicht allzu viele.
Vielmehr bezieht das Zusammenspiel zwischen Viola und Tod seinen Reiz durch seine offen gelegten Gedanken, denn hey, der Knabe sichtet zum ersten Mal im Leben eine junge Dame, da können die Hormone schon mal verrückt spielen. Regisseur Doug Liman („Edge of Tomorrow“) übertreibt es glücklicherweise nicht, denn rasch könnte so ein Running Gag ins Plumpe abdriften.
Ein Großteil der Handlung besteht schließlich aus der Flucht, die auch mal durch reißende Flüsse gehen kann, während anderswo ein Ureinwohner (also eigentlich ein Alien) auf das Heldenpaar wartet, die menschlichen Feinde stets im Nacken. Etwaige Schauwerte werden sparsam eingesetzt, die Action ist eher spärlich gesät, wodurch dem Streifen zuweilen fast etwas ungewöhnlich Intimes anhaftet.
Mithilfe von sorgsam eingesetzten Farbfiltern erhalten die weitgehend natürlichen Kulissen einen leicht surrealen Touch, der natürlich immer dann verstärkt wird, wenn nicht irdische Lebensformen zutage treten. Auch das Wrack eines Raumschiffes einer früheren Generation weist auf eine länger anhaltende Entwicklung hin, die mitunter deutliche Züge eines klassisch angehauchten Westerns annimmt. Feldarbeit, Bewegung zu Pferde und ungewaschene Männer erinnern nur zu deutlich daran.
Die Spezialeffekte werden angenehm zurückhaltend eingesetzt, außer natürlich der visualisierten Aura der Gedanken in Form dünner, leicht leuchtender Nebelschleier, welche etwas häufiger vorzufinden sind, - schließlich denken Menschen permanent über etwas nach.
Wobei der Figur der Viola das gewisse Etwas fehlt, um auf Dauer interessant zu erscheinen, denn schließlich erfährt man wenig aus ihrer Gedankenwelt und allzu mitteilungsbedürftig gebärdet sich die junge Dame auch nicht. Anderweitig ist es ja die Ausgangslage des Stoffes, dass die Männer ihre innere Welt zwangsläufig offen legen, während Frauen das Privileg genießen, dass man ausschließlich ihren Worten glauben kann.
Der Auftakt der Roman-Trilogie von Robert Ness bereitet durchaus Laune, denn trotz simpler Geschichte ist genügend Abwechslung gegeben, während die charismatischen Mimen die Szenerien angenehm beleben, manchmal sogar etwas zu sehr voll quasseln.
7 von 10