Review
von Leimbacher-Mario
Reynolds Player None
Fast in jedem Film erkennt man heutzutage Versatzstücke anderer Werke. Das ist genauso wie in der Musik - wirklich Neues, Innovatives oder gar Meisterhaftes muss man mit der Lupe suchen. Wie aber selbst ein wildester Potpourri bekannter „Filmmelodien“ zu einem enorm spaßigen Eintopf verschmelzen kann, zeigt „Free Guy“ diese Saison vorzüglich. Von „Truman Show“ bis „GTA: Online“, von „Lego Movie“ bis „Ralph Reicht’s“, von „Black Mirror“ bis „They Live!“, von „Boss Level“ bis „Jumanji“ - die Liste ist lang, alles einigermaßen bekannt, dennoch war ich gebannt und gespannt. Und vor allem mächtig gut unterhalten. Mit seinem aberwitzigen Tempo, etlichen Gamer-Insidern, witzigen Chameos und Ryan Reynolds mit viel Herz und Naivität hat mich „Free Guy“ erstaunlich mühelos überzeugt. Erzählt wird von einem NPC (nicht spielbaren Charakter) in einem populären Onlinevideospiel, der durch eine attraktive Nutzerin feststellen muss, dass seine Welt wesentlich vorbestimmter ist, als er es je dachte und es sich lohnen könnte, für seine Freiheit (und Liebe) zu kämpfen…
„Free Guy“ sieht noch wesentlich teurer und hochwertiger aus, als er ist (erst recht durch ein paar eingebaute Riesenfranchises und köstliche Gastauftritte). Ryan Reynolds „Shtick“ hat sich für mich (zumindest mit diesem Charme und einem guten Script im Rücken) immer noch nicht abgenutzt. In Jodie Comer verknallt man(n) sich leicht und gerne. Die besten „Videospielverfilmungen“ sind immer noch die, die gar keine Videospielverfilmungen sind. Taika Waititi kann auch böse - ist aber auch dabei sehr lustig. Gaming ist mittlerweile wohl einflussreicher auf die Popkultur als die Filmbranche. Sich entwickelnde K.I. muss nicht tödlich und metallisch sein. Mariah Carey geht noch immer. Die Effektschmiede für die „Kingsman“-Abenteuer hat echt was drauf. Es gibt doch noch neue IPs, es müssen nicht immer Franchises sein. „Matrix“ ist mittlerweile meta und sowas von überholt. Loot, Cheat, Teebeuteln, Easter Eggs, Campen, Grind, alles Begriffe, mit denen nicht jeder 100% etwas anfangen können wird - und dennoch wird nahezu jeder mit „Free Guy“ auf seine Kosten kommen und eine gute Zeit haben. Die Gamerschmankerl sind nur Bonus. All das sind Sätze und Thesen, die dieser sympathisch-überdrehte Jetzt-schon-Publikumsliebling eindrucksvoll unterstreicht und auf seine Weise durchzieht. „Free Guy“ hat philosophische Hintergedanken - aber ist vor allem ein Entertainmentfeuerwerk!
Fazit: sind wir nicht alle ein bisschen NPC? „Free Guy“ ist fröhlich, frei, frech und oftmals furios. Und ein echter Contender für den besten Blockbuster des Sommers. Leicht gehaltvolles Gute-Laune-Kino.