Während Hollywood bei einem Budget von 2,5 Millionen Euro für ein Kriegsepos nur müde ablehnen würde, konnte eine Produktion aus Lettland genau dieses realisieren. Basierend auf den Aufzeichnungen des Schriftstellers Aleksandrs Grins beschreibt es Stationen des Ersten Weltkriegs und des anschließenden Lettischen Unabhängigkeitskriegs.
1915: Nachdem feindliche Soldaten seine Mutter erschossen, schließt sich der noch nicht einmal 17jährige Arturs Vanags den russischen Soldaten an. Mit dabei, sein älterer Bruder Edgar und sein Vater, ein erfahrener Feldwebel, der seinem Sohn rasch beibringt, dass der Krieg alles andere als ein Spiel ist…
Das Treiben steigt direkt mit Feuergefechten im Wald ein, wonach es zwei Jahre zurückgeht und die Hauptfigur mit wenigen Szenen eingeführt wird. Arturs Motivation ist nachvollziehbar, denn er verlor seine Mutter und sein Elternhaus. Als er wenig später im Schützengraben einen etwa gleichaltrigen deutschen Soldaten mehr aus Reflex tötet, wird ihm erstmals klar, wie unerbittlich der Krieg abläuft.
Die Handlung folgt einem angenehmen Rhythmus zwischen Gefechten und Ruhepausen, obgleich es kaum gelingt, Nebenfiguren zu etablieren. Mal abgesehen von der Krankenschwester Marta, welcher Arturs nach einer Verletzung ein zweites mal begegnet.
Aber auch die Bindung zu Arturs geht im Verlauf ein wenig verloren, zumal der Übergang zum Unabhängigkeitskrieg beinahe fließend ist und die zeitliche Zuordnung etwas durcheinander gerät. Irgendwann erfolgt ein Zeitsprung von Weihnachten 1916 zu 1919, wo der Lettische Bürgerkrieg bereits im vollen Gange ist, während 1918, also das Ende des Ersten Weltkriegs komplett übergangen wurde.
Die Stärke des Streifens ist klar die Inszenierung der Gefechte. Neben der durchweg souveränen Kamera, gelingt es immer wieder, eine intensive Atmosphäre zu generieren. Sei es im total nebeligen Wald oder beim Verharren im Schützengraben, beim Robben durch verschneite Felder oder beim Anpirschen bei Nacht. Die Ausstattung ist ohne Makel, wodurch ein gewisses Maß an Authentizität gewährleistet ist. Zudem wird das Treiben nie übermäßig brutal, wodurch es gelingt, den Horror des Krieges in angemessene Bilder zu verpacken, ohne übers Ziel hinauszupreschen.
Bis auf eine Sequenz im letzten Akt gibt es angenehmerweise kaum Pathos und trotz eines voluminösen Orchesters gerät der Score zu keiner Zeit effekthascherisch. Darstellerisch kommt man allerdings nicht über zweckdienliches Mittelmaß hinaus, während die Dialoge hier und da ein wenig hölzern anmuten, was jedoch nicht an der passablen Synchro liegt.
Insgesamt ergibt sich ein durchaus sehenswertes Kriegsdrama mit weitgehend sauber inszenierten Gefechten, wobei sich mitreißende Momente und Empathie mit der Hauptfigur in Grenzen halten.
Knapp
7 von 10