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Nicht viele Filmemacher würden mit einem vergleichsweise lachhaften Budget von 250.000 Pfund über die Produktion eines Kurzfilms hinauskommen. Oder er würde wahrscheinlich recht amateurhaft aussehen. Der irische Autor und Regiedebütant Damian Mc Carthy weiß die geringen Mittel effektiv einzusetzen, doch sein überambitioniertes Drehbuch dürfte die Gemüter spalten.

Nach einem Unfall leidet Isaac (Jonathan French) unter partiellem Gedächtnisverlust. Der Bekannte Barrett (Ben Caplan) hat einen lukrativen Job für ihn: Einige Tage soll er auf dessen Nichte Olga (Leila Sykes) aufpassen, die in einem heruntergekommen Häuschen auf einer kleinen Insel lebt. Einzige Voraussetzung ist, dass Isaac ein Geschirr mit Kette trägt, wodurch er einige Räume wie das Schlafzimmer von Olga nicht betreten kann. Eine Bedingung, die nicht ohne Folgen bleibt…

Das kammerspielartige Treiben lässt sich ordentlich Zeit, die Atmosphäre des schäbigen Interieurs zu etablieren, denn das Haus mit Löchern in den Wänden und ordentlich Schmier in sämtlichen Ecken bietet allenfalls einen angemessenen Wohnraum für Asseln. Stellt sich natürlich die Frage, warum nicht die psychisch labile Olga an Ketten gebunden ist und was die vermeintliche Aufsicht überhaupt bewirken soll, zumal im Haus augenscheinlich nichts Essbares ist, außer einer Dose Fleisch. Dem Ganzen schwingt recht früh eine bizarre Note mit, sie sich im Verlauf noch intensiviert.

Carthy hantiert weder mit erwähnenswerten jump scares, noch kommen an irgendeiner Stelle CGI zum Einsatz. Stattdessen arbeitet er mit sehr wenigen Requisiten, welche es jedoch zum Teil in sich haben. Besonders ins Auge sticht ein Trommelhase mit ausgesprochen düsterem Blick, der scheinbar auf akustische Signale reagiert. Jason Blum würde von dem eine eigene Filmreihe machen.

Allerdings ereignet sich phasenweise nicht allzu viel bei dem wortkargen Unterfangen, was nicht ausbleibt, wenn einer an eine Kette gebunden ist, während die Nichte nahezu katatonisch auf dem Boden kauert. Hinzu kommt ein zwar recht gut abgestimmter, jedoch auch leicht einschläfernd wirkender Score. Ein wenig Abwechslung liefern im Verlauf einige Rückblenden, deren Wahrheitsgehalt jedoch stets anzuzweifeln ist.

Entsprechend geht das Kammerspiel nicht ohne einige Fragezeichen vonstatten, manch irrationale Verhaltensweise lässt sich selbst mit der Auflösung nicht rechtfertigen und eben jene ist eigentlich auch nur unzureichend ausgefallen. Folgerichtig ist mal wieder die Interpretationsfreude des Publikums gefragt, was hinsichtlich der letzten Einstellungen viel Wohlwollen abverlangt.

Überzeugende Mimen, eine versierte Kamera, die auch einige längere Takes souverän bewerkstelligt und ein sauberer Schnitt stehen einer Geschichte gegenüber, die teils erahnbar, teils in reichlich grotesken Bahnen verläuft und sich dabei deutlich zuviel Zeit lässt.
Debütant Carthy fokussiert sich mit Erfolg auf eine düstere Atmosphäre, die nebulöse Story setzt indes einige Geduld voraus.
Knapp
6 von 10

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