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Im ganz normalen Straßenverkehr nerven sie zuweilen tierisch, diese selbst ernannten Radsportler, die gerne mal zu zweit nebeneinander fahrend ein potenzielles Überholmanöver blockieren. Aber: Die guten unter ihnen sind Maschinen, die bei der Tour de France mit Durchschnittsgeschwindigkeiten bis zu 40km/h teils Strecken von 200 Kilometern bewältigen. Dass solche Leistungen nicht selten mit Doping einhergehen, untermauerte 1998 die Festina-Affäre, die dem professionellen Radsport auf lange Zeit einen schlechten Ruf bescherte.

Tour de France 1998: Die ersten drei Etappen finden in Irland statt. Dom (Louis Talpe) ist bereits 38 und seit Jahren als Domestik im Team, um dem jeweiligen Finalsprinter, dem Mannschaftskapitän den Rücken freizuhalten. Systematisches Doping belastet Dom sehr und als er kurzfristig aus dem Team ausgeschlossen wird und erneut eine Chance erhält, setzt Dom alles auf eine Karte…

Erythropoetin, kurz EPO, ein Dopingmittel zur Leistungssteigerung ist leider häufig bei Ausdauersportarten anzutreffen und war lange Zeit nur schwer im Körper der Getesteten nachweisbar. Das Team um Dom wird regelmäßig gespritzt, was für selbigen nicht ohne Konsequenzen bleibt, wenn er nachts mit schwerer Atemnot aufwacht oder von seiner Affäre, der irischen Medizinpraktikantin Lynn (Tara Lee) wachgerüttelt werden muss. Und da man sich mit 38 als Leistungssportler klar auf dem absteigenden Ast befindet, ist sogar ein Stück weit nachvollziehbar, warum Dom zwischen dem Wunsch nach dem ganz normalen bürgerlichen Leben und einem letzten großen Erfolg hin und her gerissen ist.

Hauptdarsteller Louis Talpe nimmt man zu jederzeit den Profisportler ab, denn der Mann muss wie wahnsinnig für die Rolle trainiert haben. Kein Gramm Fett, nur Muskeln und Sehnen und die typischen Oberschenkel eines Radsportlers. Die mimische Zurückhaltung lässt ihn über weite Teile sympathisch erscheinen, obgleich er erst im Zusammenspiel mit Lynn oder im Zwiegespräch mit Masseur Sonny (Iain Glen) emotionale Nuancen zulässt.

Die eigentlichen Rennen lassen ein wenig auf sich warten, doch diese sind recht dynamisch gefilmt, wobei häufig die Vogelperspektive genutzt wird, wie man sie bei Fernsehübertragungen häufiger vorfindet. Ein Unfall in Form einer Massenkarambolage ereignete sich während des Drehs, der aufgrund unfreiwilliger Stunts natürlich sehr echt aussah. Man ließ die Szene drin, zumal dabei niemand ernsthaft verletzt wurde.
Dennoch hält sich die Spannung eher in Grenzen, denn einige Ereignisse gestalten sich schlicht zu absehbar.

Die Mischung aus Sportfilm und Drama, welche vage auf den Ereignissen des Dopingskandals von 1998 beruht, ist keine sonderlich emotionale Reise, noch erhebt sie den moralischen Zeigefinger. Vielmehr veranschaulicht sie den Weg eines langjährigen Radsportlers, der am Scheideweg seiner Karriere steht und dabei einige schwerwiegende Entscheidungen treffen muss. Das offenbart ab und an einige spannende Momente und schürt durchaus Empathie mit der Hauptfigur, doch das große Mitfiebern bleibt insgesamt aus.
Knapp
6 von 10

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