Abseits vom scheinbar immer stärker verblassenden American Dream arbeiten Menschen ab einem bestimmten Alter meist bis zur Rente in ihrem festen Job und nur wenige werden diesen als ihren Traumberuf bezeichnen. Dennoch oder gerade deshalb werden sich manche nach Jahrzehnten fragen, ob das schon alles gewesen sein soll, wie Regisseur Andrew Cohn mit seinem Debüt in die Runde wirft. Seine Charakterstudie thematisiert vor allem die verpfuschten Chancen der beiden Hauptfiguren.
Stanley (Richard Jenkins) arbeitet seit 38 Jahren in der Nachtschicht eines kleinen Burgerladens in einem Vorort von Chicago und wird in wenigen Tagen in Rente gehen. Bis dahin soll er seinen Nachfolger Jevon (Shane Paul McGhie) einarbeiten. Einen jungen Vater, der soeben auf Bewährung draußen ist und sich eher treiben lässt, als Dinge verantwortungsvoll anzupacken. Trotz einiger Gegensätze raufen sich die beiden zusammen, doch dann begeht Stanley einen fatalen Fehler…
Cohn bringt zwei scheinbar komplett gegensätzliche Figuren ins Spiel: Alt und jung, weiß und schwarz, pflichtbewusst und lässig, politische Oberflächlichkeit und engagierte Kreativität mit gesellschaftsphilosophischen Anleihen. Als Vorbestrafter hat Jevon kein leichtes Los gezogen, sein kleiner Sohn scheint ihn kaum zu interessieren und auch der neue Job als Bewährungsauflage wird eher zähneknirschend hingenommen. Dennoch hält er die Fäden für die Zukunft in den eigenen Händen, während Stanley erst durch Jevon darauf hingewiesen wird, von seinem Arbeitgeber im Grunde nur ausgebeutet worden zu sein, - eine Erkenntnis, die für Stanley deutlich zu spät kommt.
Die Reibungspunkte zwischen den Männern halten sich in Grenzen, erst als es um eine Rassismusdebatte geht, eckt Stanley mit seiner unbekümmerten Oberflächlichkeit an, zumal diese Haltung im direkten Zusammenhang mit einem Vorfall vor Jahrzehnten steht, welche erst gen Ende etwas näher durchleuchtet wird. Cohn reißt diverse Themen an, geht dabei jedoch zu selten ins Detail. Das Verhältnis zum Bruder oder zur Mutter, welche Stanley mit Renteneintritt in Florida pflegen will, die Bewandtnis mit dem leicht hinkenden Bein sind Punkte, die nie ausformuliert oder hinterfragt werden.
Zwar wird der Streifen als Komödie klassifiziert, doch der Humor bleibt recht zaghaft. Einzig, als Stanley um den Erwerb einer regelrechten Schrottlaube bemüht ist, obgleich er augenscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr hinterm Steuer saß, bereitet den einen oder anderen Schmunzler. Demgegenüber bleiben die Dialoge der Hauptfiguren eher sachlich und nur selten finden sich kleine Spitzfindigkeiten. Diesbezüglich bleibt die Erzählung deutlich zu harmlos.
So ist es im Endeffekt dem Zusammenspiel von Jenkins und McGhie zu verdanken, dass der Streifen Sympathiepunkte sammeln kann. Jenkins performt in jedem Moment glaubhaft und stattet seine leicht schrullige Figur mit vielen Nuancen und kleinen Macken aus, die durchaus Wiedererkennungswert haben. McGhie bringt ebenfalls viel Präsenz ein und drückt einiges mit bestimmten Körperhaltungen in entscheidenden Momenten aus. Der Score unterstreicht indes den leicht melancholischen Grundton mit einigen markanten Passagen.
Schade, dass der Stoff nie so recht in die Tiefe eindringt und obgleich einiger Konflikte stets die Zurückhaltung wählt, wozu auch der Ausgang passt, der einige Aspekte offen lässt. Insgesamt fehlt dem Werk ein gewisser Schwung, eine Leichtigkeit, die den ohnehin schon gut aufgelegten Mimen wahrscheinlich noch besser zu Gesicht gestanden hätte.
Knapp
6 von 10