Spur des Falken (1968) von Gottfried Kolditz
...1875: Häuptling "Weitspähender Falke" (Gojko Mitic) beobachtet mit einem Begleiter 2 weiße Männer, die in einem Fluss Gold finden. Zwar scheinen sie keine bösen Absichten zu haben, doch "Weitspähender Falke" prophezeit, dass daraufhin immer mehr Goldsucher in die Black Hills - den "heiligen Bergen" - strömen würden. Dem skrupellosen Geschäftsmann und Bodenspekulant Joe Bludgeon (Hannjo Hasse) sind die Indianer ein Dorn im Auge, denn die Landparzellen, die er den kommenden Goldsuchern verkaufen will, sollten möglichst sicher sein. So provoziert er eine Aggression der Indianer, damit die US-Armee diese bekämpft und umsiedelt. Es dauert nicht lange und die Krieger um "Weitspähender Falke" greifen einen Zug mit Goldsuchern und Soldaten an. Für einen entscheidenden Schlag benötigen die Indianer aber noch mehr Schusswaffen. Nun heuert Bludgeon - auch "Snakey Joe" genannt - eine Bande mit 30 Männer an, die ein Indianerdorf überfallen sollen. Und so dreht sich die Spirale der Gewalt immer weiter...
Wem es noch nicht aufgefallen oder bekannt sein sollte - diese Filmbesprechung widmet sich einem "DEFA-Indianerfilm" - also einem Western der ehemaligen DDR.
Und damit herzlich willkommen zum ersten von mehreren "Western From The East", die ich euch hier näherbringen möchte! ;)
Wie kann man sich die Verfilmung zu o.g. Geschichte wohl vorstellen? So ähnlich wie jene von Karl Mays "Winnetou", die ja etwa zeitgleich erschienen sind? Oder ganz üble Kulissenarbeit mit gemaltem Hintergrund, Kunstrasen und 2, 3 Pappnasen in Karnevalskostümen, dazu antikapitalistische Phrasen??? Auf keinen Fall sollte man staubige und düstere Italowestern mit finsteren und ausdrucksstarken Outlaws vor Augen haben und ebenso wenig hochkarätige Klassiker wie mit John Wayne, James Stewart oder Kirk Douglas!
Ich würde mal sagen, dieser Film geht schon in Richtung Winnetou, "fühlt" sich aber aufgrund der Filmmusik stellenweise auch ein wenig wie ein US-Western an. Auf jeden Fall bietet er einige markante (und für mich willkommene) Unterschiede zu den westdeutschen Produktionen. Am besten wäre es jedoch, man würde den Film erst kurz nach dem Vorspann anschauen, ohne vorher zu wissen, wie er heißt und woher er stammt. Dann wäre man ohne Vorbehalte und könnte sich unbeeinflusst auf das Abenteuer einlassen!
So habe ich gespannt und voller Neugier, aber auch mit maximaler Objektivität meine ersten DEFA-Indianerfilm aufgesaugt...
Also erstmal Hut ab - was da an prächtigen und farbenfrohen Bildern geliefert wird, ist ja ganz große klasse! Aufgrund der üppigen Ausstattung an Mensch und Material wurde seinerzeit wohl viel Geld in die Hand genommen!? Dank der exzellenten Bild- und Tonqualität der neuen HD-remasterten Fassung von "Icestorm" kann man diesen Film dann auch richtig schön genießen!
Gedreht wurde anscheinend im Kaukasus, womit man die Black Hills, das Vorgebirge der Rocky Mountains nachempfinden möchte. Schon während des Vorspanns hört man eine stimmungsvolle Filmmusik, die dann im Verlauf des Films recht vielseitig und an die jeweilige Szene angepasst klingt - je nach Handlungsstrang mal etwas Winnetou-, dann wieder eher Amimäßig. Dazu sehr passendes Saloongeklimper, das gute Laune versprüht. Die Atmosphäre bekommt also hierdurch auch eine sehr gelungene Unterstützung! ;)
Ich persönlich habe natürlich auch bei diesem Western gewisse Ansprüche und Schwerpunkte, welche "Spur des Falken" wie folgt überraschend gut bediente:
- kurzweilige Umsetzung mit hohem Unterhaltungswert
- Viel (Blei)Action und mehrere Kampfhandlungen zwischen Rothäuten, Bleichgesichtern und Blauröcken (hier "Langmesser")
- gute Kameraführung, viele schöne Bilder und starke Soundeffekte
- zudem ein paar spektakuläre Szenen und viel Liebe zum Detail!
Zu einem Meilenstein oder echter Genreperle hat's aber leider nicht ganz gereicht, da auch ein paar Schwächen vorhanden sind, die ich nicht verschweigen will. Man muss aber auch sehen, dass dem DEFA-Team einfach die Erfahrungen und wohl auch die Möglichkeiten fehlten, auf die bspw. die Amis schon seit Beginn ihrer US-Western zurückgreifen können - in diesem Fall 65 Jahre!
- So gibt es zunächst ein paar Schönheitsfehler in der an sich guten Ausstattung: Die Uniformen der Soldaten, insbesondere die Hüte und Dienstgradabzeichen. Aber auch bei manchen Schusswaffen habe ich Zweifel. Und das Städtchen "Tanglewood", welches in Potsdam-Babelsberg errichtet wurde, gleicht eher einfachen Bretterbuden, teils ohne Farbanstrich. Im Verlauf des Films kann man sich aber denken, warum hier etwas gespart wurde. ^^
- Dazu kommen die meist nur durchschnittlichen Leistungen der Schauspieler - gilt natürlich nicht für Gojko Mitic. Aber auch Hannjo Hasse spielt den fiesen Schurken wirklich gut und glaubwürdig, zudem sind mir Helmut Schreiber, der hier den indianerfreundlichen "Sam Blake" mimt und Fred Delmare - der heitere Charakter des "Peter Hille" positiv aufgefallen.
- Die Dialoge sind nicht immer hochdeutsch, manchmal hört man einen Hauch eines Dialektes (aber kein breites sächsisch!) ^^
- Obwohl alle relevanten (Kampf-)Handlungen intensiv, bzw. ausgiebig inszeniert wurden, hätte ich beim nächtlichen Überfall und auch beim Gefecht mit der Kavallerie gerne noch 1, 2 Minütchen mehr genossen.
- Trotz der insgesamt guten Kameraarbeit hätte ich zudem gerne noch ein paar Landschaftsaufnahmen mit größeren Bildausschnitten (also mehr Umrandung) oder zusätzliche Kameraschwenks vorgefunden.
Im direkten Vergleich der Charaktere "Winnetou" und "Weitspähender Falke" gefällt mir Letzterer deutlich besser. Obwohl ich die 11 Winnetou-Verfilmungen inkl. Kindheitserinnerungen auch heute noch für absolute Evergreens halte, stört mich an der Hauptfigur immer dieses (zu) friedvolle Wesen und die - sorry - leicht schleimige Redensart. Der Pendant aus Mitteldeutschland ist der entschlossenere, offensivere und aggressivere Charakter. Anders wie man sich in einem "Indianerfilm" vorstellen könnte, hält sich der Film auch nicht zu lange mit dem Leben der amerk. Ureinwohner auf. Nur so viel wie nötig, um eine passende, glaubwürdige und proindianische Stimmung aufzubauen.
Schön und bemerkenswert auch noch einige der vielen Details:
- Realistische Hornsignale der damaligen US-Armee "Charge" (Attacke) und "Assmebly" (Sammeln)
- Nahaufnahme von 2 Geiern
- Ein Pfeil bohrt sich in den Arm eines Mannes und die Wunde fängt an zu "bluten" - dazwischen KEIN Schnitt!
- Liebevoll gestaltetes "Indianerzubehör" wie bspw. der prächtige Federschmuck oder die mit einem Eichhörnchen verzierte Pfeife
- einige nette Stürze
- außerdem eine augenscheinlich echte Nachtszene und nicht nur abgedunkelt!
Neben fehlender Längen, ist dieser Film auch frei von nervigen Romanzen und politischer Meinungslenkung. Er veranschaulicht aber richtigerweise eine kritische Haltung gegenüber dem raffgierigen und teils skrupellosen Verhalten der Weißen (Invasoren) gegenüber den indianischen Ureinwohnern und beinhaltet zudem historisch belegte Fakten.
Alles in allem 8 Punkte - und damit klare Kaufempfehlung! Freut euch also auf viel bunten Westernspaß und Ballerei OHNE Langeweile, Kunstrasen und kommunistische Parolen! ^^
"Weiße Wölfe" (1969) gilt übrigens als Fortsetzung und ist im Jahr 1879 angesiedelt.
Viel Spaß und gute Unterhaltung! ;)