Manchmal bekommt sogar Renny Harlin halbwegs gebacken, der Hollywood-Lohnarbeiter für große Stunts und dicke Explosionen, der jedoch immer noch den inspiratorischen Funken sucht. Vermutlich hat er ihn in Finnland gelassen.
Sein Werk „Mindhunters“ ist immerhin ein paar Takte besser, als das furchtbar schematische Werk „Exorcist: The Beginning“, allerdings auch nur weil Location und Atmosphäre streckenweise stimmen.
Ein Grüppchen angehender FBI-Profiler macht seinen letzten Trainingseinsatz auf einer latent entlegenen Insel, auf dem sonst CIA, Marines und Terrorgruppen üben. Ein Mörder soll gefunden, analysiert, überführt werden, doch plötzlich wird die Gruppe in echt dezimiert und das Training verwandelt sich in harte Arbeit, irgendwie am Leben zu bleiben.
Klingt nach Agatha Christies „Ten Little Niggers“ und ist es im Grunde auch. Ein Handvoll gegensätzlicher Charaktere, die entsprechende Isolation, einer stirbt nach dem anderen und am Ende bleibt sogar die Schlußpointe den Verfilmungen dieser bösen, kleinen Geschichte verhaftet, selbstverfreilich zugunsten eines Happy-Ends.
Wir wissen ja, Serienkiller ziehen immer und deswegen müssen auch diese düsteren Kellerlocations und zerschossenen Häuser voller Mannequinpuppen für das unruhige Gefühl sorgen, daß die Charaktere beim besten Willen nicht generieren können.
Leider wird das Atmo- und Suspensepotential niemals ausgeschöpft, denn solche subtilen Mittel sind Harlin leider nicht bekannt, dafür gibt es das übliche hausbackene Handfeste mit endlosen gegenseitigen Verdächtigen und hirnigen Theorien, wo man doch weiß, daß das schlußendliche Motiv keinen Bezug zu den eventuell ausgelegten Spuren und Hinweisen besitzen wird.
Ja, und auch hier präsentiert der Killer einen Bombenmotivar für seine Taten am Schluß und führt wie immer jegliche realistische Untersuchungen über solche manischen Killer ad absurdum, aber ein Ende a la „Scream“ paßte wohl einfach besser.
Ferner wäre noch zu vermerken, daß selbst hartgesottene Marines ihre Vorräte an flüssigem Stickstoff nicht einfach so am Schwimmbecken stehen lassen, wenn das Wochenende naht und daß es aus deren Flaschen garantiert nicht zischt und dampft. Christian Slater und Val Kilmer geben übrigens in dieser Standardplotte zwei „extended cameos“ als erstes Opfer und fachlicher Leiter, wobei Kilmer die Chose vermutlich in zwanzig Minuten runtergerissen hat, weil sie nicht mal ordentlich Zeit hatten, von ihm eine brauch- und erkennbare Kunstleiche anzufertigen. Kathryn Morris, der hier der Schriftzug „späterer Überlebender“ deutlich auf die Stirn tätowiert wurde, löscht inzwischen ja fleißig „cold cases“ (kalte Taschen?) auf Kabel 1 und die Besetzungsliste führt übrigens LL Cool J als vermeintlicher Untersuchungsmann des Justizministeriums an, was für ihn immer noch eine Nummer zu groß ist. Immerhin: seine Präsenz rettet so manche Szene.
Als Fazit das, was man immer von Harlin sagen kann: hätte man besser machen können.
Trotzdem weitestgehend schmerzfrei ansehbar und in den Todesszenen schön fabulierfreudig. (5/10)