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Nach seinem Flopfilm „Driven“ kann Renny Harlin seine Fans mit „Mindhunters“ wieder versöhnlich stimmen.
Schon der Beginn ist recht spannend gemacht: Die angehenden Profiler J.D. Preston (Christian Slater) und Sara Moore (Kathryn Morris) folgen der Spur eines Entführers und potentiellen Serienkillers. Sie durchsuchen sein Haus, machen grausige Funde – und werden im Keller von dem Psychopathen überrascht. Doch nachdem Harlin hier sehr viel Spannung aufbaut, muss sich das Ganze natürlich bloß als Übung herausstellen, was die Freude etwas schmälert, aber zum Glück nicht zu sehr.
Die beiden und ihre Kollegen Lucas Harper (Johnny Lee Miller), Rafe Perry (Will Kemp), Vince Sherman (Clifton Collins Jr.), Nicole Willis (Patricia Velasquez) und Bobby Whitman (Eion Bailey) werden von ihrem Ausbilder Jake Harris (Val Kilmer) zu einem letzten Test auf eine Insel gebracht, der ihre Abschlussprüfung sein soll. Mit von der Partie ist auch der Cop Gabe Jensen (LL Cool J), der mit ihnen zusammenarbeiten soll. Damit geht es fix auf die Insel, mit der Harlin einen herrlichen Spielplatz abliefert: Überall Trainingspuppen, mögliche versteckte Fallen usw. – quasi alles, was man für einen Thriller brauchen kann.

Bald findet die Truppe die Nachstellung eines Mordes und soll anfangen im Team ein Profil des Killers zu erstellen. Doch dann kommt es am Tatort zu einem realen Todesfall, als eine Falle einen der angehenden Profiler dahinrafft. Doch es ist zu spät: Sie sind gefangen auf der Insel und jemand versucht die zu dezimieren. Ist einer von ihnen ein Serienkiller?
Auch wenn „Mindhunters“ gelungenes Unterhaltungskino ist, so krankt er doch an ein paar Punkten, die man häufig bei Filmen dieser Art findet. Zum einen wirkt er sehr konstruiert (noch mehr als z.B. „Saw“), wenn es um die inszenierten Unfälle geht. Denn an sich ist es ja unmöglich, das Verhalten anderer Leute dermaßen detailliert abzuschätzen, egal wie klug man ist und wie viel Kontrolle man hat. Zum anderen ist das Motiv für die Morde dermaßen oberflächlich als habe der Drehbuchautor die „Scream“-Dialogzeile, dass Motive unwichtig seien, als oberste Prämisse auf seine Fahne geschrieben.
Doch genug der Kritik, denn es gibt auch viel Positives zu vermerken. So ist die Handlung spannend und steigert ihr Tempo kontinuierlich bis zum Ende hin. Es gibt viele überraschende Wendungen und wie schon bei Harlins „Deep Blue Sea“ ist Starpower kein Garant dafür das Ende des Films zu überleben. So bleibt der Film schön unvorhersehbar und auch die Identität des Täters ist nicht leicht zu erraten, sodass man in diesem komplexen Puzzle bald jeden verdächtigt. Die Charaktere der Profiler hätte man zwar noch mehr vertiefen können, aber trotzdem haben sie immerhin genug Farbe um sich voneinander zu unterscheiden.

Ebenfalls sehr schön ist die Tatsache, dass Renny Harlin sein Gespür für ordentliche Actionszenen nicht verloren hat. Zwar werden dieser nur gut dosiert eingesetzt (immerhin handelt es sich hier um einen Thriller), aber die Inszenierung ist wie von Harlin gewohnt top. Vor allem die Kletterpartie zum Sicherungskasten und der ausgiebige Nahkampf gegen Ende sind echte Highlights, die Harlin schön altmodisch in Szene setzt. Ansonsten gibt es noch ein paar Schusswechsel, Explosion und die fies erdachten Todesfälle, wobei bei diesen fingierten Unfällen etwas zuviel CGI eingesetzt wird. Doch mit derartigen kleinen Leckerbissen peppt Harlin seinen Plot dann hinreichend auf.
Val Kilmer liefert eine seiner besseren Leistungen ab und auch Christian Slater zeigt sich bei seiner Rückkehr aus der Versenkung gut aufgelegt, doch die beste Leistung liefert hier ein mal wieder extrem lässig agierender LL Cool J, der aber auch seine verletzlichen Momente bekommt und nicht wie viele andere Rapper in Filmen mit aufgesetzter, nie gebrochener Coolness nervt. Auch der Rest des kleinen Ensembles spielt überzeugend, wobei ja einige Darsteller ihre Gesichter bei Nebenrollen in größeren Filmen in die Kamera halten durften und dem Zuschauer daher bekannt sein könnten.

„Mindhunters“ ist ein schick in Szene gesetzter und recht spannender Thriller, der sein Genre zwar nicht neu erfindet und teilweise etwas konstruiert wirkt, aber dennoch gut unterhält.

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