Es schlich sich ein wenig das Gefühl ein, dass Renny Harlin seinen Job verlernt hat. Startete er mit "Born American" und "Nightmare 4" sehr solide, um dann mit "Stirb Langsam 2" und "Cliffhanger" zur Höchstform aufzulaufen. "Tödliche Weihnachten" wurde völlig unberechtigt ein Flop und nach "Deep Blue Sea" ging es mit "Driven" komplett bergab. Dies bereitete den Produzenten Bob und Harvey Weinstein Sorgen. Die rochen nämlich einen Flop, somit musste das Drehbuch umgeschrieben werden, Harlin musste viele Sequenzen verändern, zudem kam der Film knappe zwei Jahre später in die Kinos. Es ist wirklich ein Wunder, dass "Mindhunters" nicht verhunzt wurde. Er stellt eine drastische Steigerung zum unterdurchschnittlichen "Driven" da. Harlin kehrt zurück zu seiner straighten Regieführung. Keine Wackelkamera, sehr spannend, macht ihm eigentlich nur das Drehbuch einen Strich durch die Rechnung. Und zwar ärgert ein wenig das Motiv des unbekannten Täters. Es ist zwar schwer Diesen zu erraten, auch weil man alle fünf Minuten in die Irre geführt wird, trotzdem stört dessen nichtsnutzige Motivation, die dem Zuschauer auch keine Erklärung ist. Doch bis zu dieser kleinen Enttäuschung ist es ein aufregender, actionreicher und unheimlich spannender Weg. Das Grundszenario gewinnt keine Blumentöpfe, ist aber zumindest solide. Es werden sieben angehende Profiler (Eion Bailey, Kathryn Morris, Christian Slater, Patricia Velasquez, Jonny Lee Miller, Will Kemp und Clifton Collins Jr.) auf einer verlassenen Insel ausgesetzt. Dort erwarten sie ihre letzte Prüfung von Ausbilder Jake Harris (Val Kilmer). Als Beobachter ist noch Gabe Jensen (LL Cool J) mit dabei. Und zwar sollen sie ein simuliertes Verbrechen aufklären, um einen Mörder der sich "Puppenspieler" nennt. Leider ist ein echter Killer auf der Insel, der die Truppe mit fiesen Fallen dezimiert.
Somit startet das große Rätselraten und die Gruppe wird durch das 10 Negerlein-Prinzip immer kleiner. Mit Hilfe von Uhren kündigt der Killer den Tod eines Gruppenmitglieds an. Leider weiss Niemand wer der nächste ist. Der Täter muss wirklich ein Profi sein und es verwundert ein wenig, dass seine genau erdachten Fallen immer funktionieren, vor allem zur gewollten Uhrzeit. Ein wenig übertrieben ist das schon, doch Harlin kann dies mit Tempo und Hochspannung übertünchen. Ausserdem ist wirklich jeder verdächtig. Alle haben ein Geheimnis, man bedroht sich gegenseitig und droht sich sogar umzubringen. Der Täter scheint seine Opfer genau zu kennen und baut die Fallen nach deren Schwächen. Zudem gibt er der Gruppe einige Rätsel auf, die es zu lösen gibt. So schnappt ständig eine andere Falle zu, man misstraut sich gegenseitig, bis zu einem furiosen Showdown mit Shootout und Endkampf. Harlins Actionsequenzen fallen sehr hochwertig aus, zudem mit einem ordentlichen Härtegrad. Auch könnte man sich keine bessere Kulisse vorstellen, als eine verlassene Insel mit keinerlei Kontakt zur Aussenwelt. Noch unheimlicher, dass es auf der Insel massig Gebäude gibt, wo man sich verstecken kann und der Täter seinen nächsten Hinterhalt planen kann.
Ein wenig besser könnten aber die Darsteller sein. Mit Val Kilmer, Christian Slater, LL Cool J und Kathryn Morris ist zwar Prominenz mit an Bord, jedoch haben die schon besser agiert. Insgesamt reicht es locker für eine überdurchschnittliche Performance, trotzdem hatte ich mehr erwartet.
Storytechnisch kaum Neues, auch die Darsteller können deutlich mehr, trotzdem entpuppt sich Harlins "Mindhunters" als hochspannender Actionthriller, der von Anfang an fesselt und schnörkellos inszeniert wurde. 7,5 Punkte meinerseits.