Review
von Leimbacher-Mario
Guy Ritchie geht zum Lachen auf den Schiessstand
Das ist er wohl, der für mich unterschätzteste Film des Jahres. Man soll Kritiken immer gerne mit einer heftigen Aussage anfangen. Na dann, hier gleich ein paar. „Wrath of Man“ ist für mich noch besser als der zurecht viel gefeierte „The Gentlemen“. „Wrath of Man“ ist eher Nolan trifft Refn als Ritchie. „Wrath of Man“ ist einer der besten Actionfilme der letzten Jahre. Und Stathams Rückkehr zu echter Größe, Härte, Erbarmungslosigkeit. „Heat“ trifft „The Transporter“. Absolut megageil! Erzählt wird von einem mysteriösen Neuankömmling in einer Einheit der Geldtruckfahrer, der sich schnell einen Namen und Respekt verschafft. Doch der eisenharte Kerl verfolgt eine ganz eigene Agenda…
„Wrath of Man“ spielt Ligen, eher ganze Planeten über der sonst oft gesehenen Jason Statham-Ware der letzten Jahre. Die Wiedervereinigung der beiden britischen Gangsterfilmgrössen ist ein voller Erfolg. Ich weiß gar nicht, warum dieses Betonbrett nicht öfters genannt wird, wenn es um die besten Filme des Jahres geht. Und das ist keine Übertreibung oder Hype, keine allzu subjektive Meinung und auch nicht die späte Uhrzeit, ich habe kein Geld von Ritchie bekommen und Statham sitzt nicht neben mir mit 'ner Knarre - ich finde „Wrath of Man“ einfach oldschoolig, bleihaltig, blutig und richtig famos! Ritchie tont seine Spielereien und vor allem sein Augenzwinkern massiv zurück. Jeder hat Dreck am Stecken, jeder kann draufgehen, das Script ist tight, man riecht Schweiß und Schießpulver in der Luft, Politik und übertriebene Korrektheit sind außen vor. Action wie damals, Bodycount vom Feinsten. Starker, verschachtelter, aber doch klarer Aufbau. Rache, Wut, Stärke, Kompromisslosigkeit, Konzentration. Überleben des Härteren. Es gibt immer einen noch fetteren Fisch im Meer. Mit Hartnett und dem jungen Eastwood zwei der noch immer/momentan interessantesten „Schönlinge“ Hollywoods in bissigen Nebenrollen. Vor allem Ersteren mal wieder zu sehen ist eine Bereicherung. Eine Bassmassage von Score. Allein die Schaltzentrale der Securityfirma erinnert wohlig an „Robocop“ und alte Zeiten. Letzte halbe Stunde eigentlich reiner Shootout. Stringent und satt. Da können „John Wick“ und Co. einpacken. Das ist British Bulldog Bonfire. Einziger Kritikpunkt: viele Figuren, wenig Zeit sich allen zu widmen. Und daher sind die Charakterisierungen und Motivationen nicht immer allzu detailliert, eher archaisch. Aber auch das passt zu dieser emotionalen Eisenplatte von Film. Nach „The Gentlemen“ und jetzt dieser etwas übersehenen Splittergranate kann man Ritchie wieder ohne Wenn und Aber feiern.
Fazit: „Wrath of Man“ ist die nahezu perfekte Fusion aus hartem DTV-Actioner und verspielten (hier deutlich runtergeschraubten) Guy Ritchie-Eskapaden. Testosteron trifft Hochglanz, Brutalität trifft Style, Kugel trifft Schädel. Der bessere „Den of Thieves“. Ein Männerfilm der alten Schule mit neuen Mitteln. Bockstark!