Die eigenhändige Sanierung von Landhäusern zum späteren gewinnbringenden Verkauf ist Daniels (Rodolfo Sancho) berufliche Geschäftsgrundlage, und die einsam gelegene Villa, in die er mit seiner Frau Sara (Belén Fabra) und dem kleinen Eric (Lucas Blas) gerade eingezogen ist, hat diesmal alle Ersparnisse verschlungen - umso eifriger wird dort nun renoviert. Doch der 9-jährige Filius hört des Öfteren seltsame Stimmen, die seine Mutter mehr als ihn selbst beunruhigen. Eine hinzugezogene Kinder-Psychologin dringt nicht bis zu dem Kleinen vor und erklärt das Ganze für eine altersbedingte Störung, hervorgerufen möglicherweise durch die vielen Umzüge. Wenig später jedoch findet Daniel seinen Sohn, als er nachts nach ihm sehen will, im angrenzenden Teich ertrunken auf - niemand kann sich einen Reim darauf machen, was zu dieser Tragödie geführt hat. Mutter Sara fährt für einige Tage zu ihren Eltern, Daniel aber bleibt wegen der Arbeiten am Haus vor Ort. Der nüchtern denkende Vater stößt durch Zufall auf eine Handyaufzeichnung, auf der er die Stimme seines Sohnes zu hören glaubt. Damit wendet er sich an einen Spezialisten, den bekannten Buchautor Germán (Ramón Barea), den er für seinen Fall interessieren kann. Schon bald rückt Germán mit seiner Tochter Ruth (Ana Fernández) und diversem technischen Equipment an, um das Haus zu untersuchen. Und tatsächlich lassen sich mit modernster Elektronik bald höchst merkwürdige Phänomene aufzeichnen...
Eine weitere Spukhaus-Geschichte, in der es um ein von Dämonen verfluchtes, einsam gelegenes altes Haus geht, dessen neue Bewohner davon natürlich nichts ahnen - von der Thematik her weiß Gott nichts Besonderes, und dennoch ist Regisseur Ángel Gómez Hernández ein über weite Strecken packender Horror-Thriller gelungen. Denn obgleich sich die spanische Produktion Voces die Zeit nimmt, ihre wenigen Protagonisten in der gut gewählten Location (einem herrlich gelegenen, aber etwas heruntergekommenen Landhaus, das zunächst nicht sonderlich gruselig wirkt) einzuführen, gibt es gleich zu Beginn mit der Szene der desinteressierten Psychologin (die auf der Heimfahrt einen eindeutig auf ihren Besuch zurückzuführenden tödlichen Unfall erleidet) einen deutlichen Hinweis darauf, daß hier etwas nicht stimmt - eine böse Macht, die Menschen dazu zwingt, Dinge zu tun, die sie eigentlich gar nicht tun wollen.
In der Folge passieren noch mehr seltsame Unfälle, und die unvoreingenommene Untersuchung des Jenseits-Spezialisten Germán, der seine Berufung dadurch entdeckte, daß er durch einen rätselhaften Selbstmord schon sehr früh selbst zum Witwer wurde und der die elektronisch aufgezeichneten Phänomene durchaus ernst nimmt (im Gegensatz zu seiner attraktiven Tochter, die ihm dabei zwar sachkundig assistiert, selbst aber nicht im Mindesten an Übersinnliches glaubt) erhöhen Stück für Stück die vorhandene Spannung, die mittels fein säuberlich getrickster Effekte wie toter Füße, Erscheinungen aus dem Jenseits und diverser Trugbilder für eine konstant vorhandene Gänsehaut-Atmosphäre sorgen. Ein besonderer Clou des Drehbuchs ist der Umstand, wie das vorhandene Böse die Protagonisten beeinflußt - die "Sache mit den Fliegen", um es spoilerfrei auszudrücken. Die erfährt der Zuseher schon ganz am Anfang, den Charaktären aber wird sie auch über das Filmende hinaus nie bewußt. Eine so noch nicht gesehene clevere Idee, dieser vermeintliche Riss in der Wand, in den man irgendeinen Spray reinsprüht...
Das mit viel Detailreichtum in der Gestaltung der Visionen der Beteiligten eingefangene Horror-Drama nimmt zum Schluß hin dann immer mehr Tempo auf, als sich die Hinweise auf eine unrühmliche Vergangenheit des Hauses verdichten - hier arbeitet die Regie dann zunehmend mit Jump Scares, derer es jedoch nicht unbedingt bedürft hätte und die noch dazu viel zu dicht aufeinander folgen, um die ohnehin schon vorhandene Spannung noch verstärken zu können. Auch das ein wenig vorhersehbare Ende (mit seiner allerdings fiesen Schlußpointe) hätte ich mir spannender vorstellen können, dennoch bleibt Voces ein tadellos inszenierter Haunted-House-Flick, der vor allem durch seine Atmosphäre zu überzeugen weiß. 7 Punkte.