Review

Don't Zuck Now


„Voces“ ein wenig einfallsreicher Netflixschocker von der iberischen Halbinsel über einen kleinen Jungen, der scheinbar mit Geistern und Toten kommunizieren kann, von zukünftigen Toden in seiner Umgebung immer schon weiß, bevor diese eintreten... Und genauso generisch und „schon dutzendfach gesehen“ wie sich diese Inhaltsangabe liest, ist das Endprodukt dann auch. Hochwertig und manchmal auch seicht scary - aber leider nie mehr als (immerhin europäische) Stangenware...

In manchen Bestenlisten von Horrorfans in den Weiten des Webs taucht „Voces“ (meist unter seinem englischen Titel) mittlerweile auf. Daher will ich ihm nicht absprechen, dass er Fans finden kann, dass man ihn sich zumindest als hartgesottener Horrorhead und Allesgucker mal geben kann. Das Label „Gut“ kann und will ich ihm jedoch doch deutlich vorenthalten. Am ehesten erinnerte mich „Voces“ an eine Mischung aus der „Insidious“-Reihe und „The Sixth Sense“, nur mit spanischem Flavour. Wem das reichen mag, der kann einen Blick riskieren. Am besten bei deutlich gesenkten Erwartungen. Wer jedoch einen der besseren Grusler des Jahres 2020 erwartet, wird ziemlich bitter in den Nesseln Platz nehmen. Dafür hat der austauschbare Netflixtitel trotz spanischen Zutaten einfach nicht genug Hummeln im Hintern, genug Schärfe im Blick, genug Feuer im Herzen und genug Asse im Ärmel. Es wirkt eher wie ein zweitklassiger Cocktail aus verlässlichen Horrormotiven, die sich schon längst ausgelaufen und verdünnt haben (sollten). Kratzen an der Tür hier, dunkle Keller dort, Gestalt im Hintergrund jetzt, Auftritt Monsterhand, Alptraum drangehangen, die ein oder andere Gorespitze, ein „böses Ende“ als Sahne obendrauf. Nein. Sorry. Das reicht mir nicht. Und so wird es wahrscheinlich fast jedem gehen, der schon mindestens drei moderne Grusler dieser Art gesehen hat. Und wenn man davon wohl schon dreistellig viele vor den Augen hatte, dann wird man automatisch vielleicht noch ein Stück strenger und grummeliger mit einem solchen Ergebnis. Denn Einfalls- und Mutlosigkeit frustriert. Erst recht weil man sich hier in Europa eigentlich nicht sklavisch an Hollywoodstandards anschmiegen müsste. 

Fazit: wenn die Zuschauer Gähnen tragen... „Voces“ ist ein spanischer „Insidious“ ohne Esprit. Oder Tiefe. Oder auch nur ansatzweise Neues. Eine gemischte, beinahe abgelaufene Jumpscare-Tüte, die jegliche Innovationen und emotionale Verbindungen im Keim erstickt. Sicher nicht total mies - aber weit, weit entfernt von einer Empfehlung. Oder den besten Schockern des Jahres. 

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