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Wenn Blockbusterbrüder „echte“ Filme machen wollen…

Nachdem die Russo-Brüder für Marvel - und das muss einfach jeder neidlos anerkennen - Großes geleistet haben und Massives mit Erfolg zusammengefügt und zum Höhepunkt geführt haben, hielten sie es scheinbar für angebracht (z.B. auch nach deutlicher Kritik von Scorsese) auch „echte“ Filme und nicht nur „Achterbahnfahrten“ zu machen. Und das ausgerechnet auf einschlägigen Streamingportalen wie Netflix. Oder eben hier Apple+… Wo sie „Cherry“ inszenierten, über die turbulente Lebensgeschichte eines Soldaten, der zurück in der amerikanischen Heimat drogentechnisch trotz/mit seiner großen Liebe in ganz böse Bahnen gerät… 

Null Zettel Fuckit

Die literarische Vorlage kenne ich nicht, aber „Cherry“ als Film der Russos ist dermaßen zersprengt und frustrierend, dass ich mich selten über dermaßen vergebene Chancen aufgeregt und gleichzeitig gelangweilt habe… „Cherry“ weiß ja mal so gar nicht was er sein oder wohin will. Sprunghaft, lethargisch und gleichzeitig stolpernd, stylisch und doch leer. Ein epischer Fehlschlag. Null Fingerspitzengefühl. Ein höchst frustrierendes Filmerlebnis. Das haben all das Geld, der Look und eine bockstarke zentrale Performance nicht verdient. Tom Holland spielt großartig und aufopferungsvoll. Aber die Russos kriegen hier nahezu null Konzentration, Balance oder Schwerpunkte hin. Alles, überall und nirgends. Jegliches Feingefühl, Pacing und thematische wie storytechnische Führung gehen hier voll vor die Bimsen. Alle fünf Minuten. Mal Kriegsfilm, mal Liebesfilm, mal Heistfilm, mal Charakterporträt, mal Drama, mal Drogenhölle. Nichts auch nur ansatzweise richtig. Mal Kubrick und mal Trailer aus „Tropic Thunder“. Es gibt einige mehr als stutzig machende Entscheidungen und Tonwechsel, audiovisuelle Bullshitexperimente und handlungstechnische Wege ins Nichts. Es ist schockierend und daneben. Und manchmal doch so gut… Ein Wechselbad der Gefühle. Als ob man „Requiem For a Dream“ und „Jarhead“ in einen unfreiwillig holpernden und komischen Mixer wirft. Unberechenbar - aber nicht im guten Sinne. Ich bin etwas schockiert von „Cherry“. Viel besser/schlechter hätten es die Russos kaum beweisen können, dass sie dann doch besser bei Comicmegacrossoverproduktionen bleiben sollten. Jeder hat seine Stärken. Das hier ist nicht ihre. Aber was sie im MCU auf die Beine stellen kann ihnen auch nahezu niemand nachmachen… 

Tree Gump

Fazit: planlos, saftlos, orientierungslos, hochwertig, lang… Ausufernd und ausfransend. Ambitioniert und verwirrt. Ein Kriegsepos auf Abwegen. „Cherry“ ist alles andere als die Kirsche auf der Apfeltorte! 

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