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Diesmal dauerte es nur knapp drei Jahre bis zur nächsten Fortsetzung, und auch inhaltlich bleibt alles näher am direkten Vorgänger: In „Psycho 3“ wird Norman Bates' Geschichte weitererzählt, nur knapp einen Monat nach dem Schockfinale des zweiten Teils. Und kaum versucht er, wieder in einen ruhigeren Alltag zu finden, als mehrere Neuankommende in dem kleinen Städtchen erneut für Unruhe sorgen – darunter eine junge Frau in der Krise, die ihn fatal an Marion Crane erinnert und seinen neu erwachten Wahnsinn zusätzlich befeuert.

Diesmal ist Anthony Perkins nicht nur als Hauptdarsteller in seiner berühmtesten Rolle zu sehen, er führte auch Regie. Das macht er handwerklich souverän und mit einem Gespür für die ikonischen Elemente der Geschichte rund um Norman Bates, bleibt aber inszenatorisch und inhaltlich trotzdem ein Stück weit hinter dem starken zweiten Teil zurück (vom legendären Original ganz zu schweigen).

Von Anfang an ist „Psycho 3“ gekennzeichnet durch einen wilden Mischmasch aus gelungenen, atmosphärisch intensiven Szenen und eher unglaubwürdigen bis hin zu völlig absurden Momenten. So etwa gleich die Einleitungsszene: Eine junge Frau, Nonne in einem Kloster, steigt auf einen Kirchturm, schreit „Es gibt keinen Gott“ und will hinunterspringen, schafft es aber stattdessen, die Vorsteherin versehentlich hinabzustoßen. Danach packt sie ihren Koffer und spaziert quer durch die Wüste davon (weitere Konsequenzen gibt es nicht). Absurd, unlogisch und mies gespielt, lässt dieser Einstieg gleich das Schlimmste befürchten. Auch das Zusammentreffen mit einem überaus unsympathischen Autofahrer (der junge Jeff Fahey in einer zentralen Rolle) wirkt zwiespältig, lässt aber ein wenig mehr Stringenz erkennen.

Wirklich gut wird es erst – wie könnte es anders sein – wenn Bates auftaucht. Zwar legt Perkins seinen Charakter diesmal etwas hibbeliger und noch nervöser an, was anfangs ein wenig Gewöhnung erfordert. Doch es dauert nicht lange, bis er ihn wieder so zerrissen darstellt wie zuvor. Einsames Highlight ist die Szene, die den Duschmord beinahe eins zu eins zu wiederholen scheint – nur vollkommen verblüffend aufgelöst wird: Beim Zurückreißen des Duschvorhangs liegt die junge Frau mit aufgeschnittenen Armen in der Wanne. Wie die mit erhobenem Messer zum Töten bereite „Mutter“ erstaunt zurückfährt, ist ein kleines Detail, das enorm viel Spaß machen kann.

Auch im weiteren Verlauf gibt es immer wieder gelungene Sequenzen – der Kampf mit Fahey im dunkelrot beleuchteten Zimmer, Bates' erstes offen sichtbares Auftreten in Verkleidung mit irrem Blick oder das dramatische Finale, das mit einem erlösenden Gewaltakt endet – und diese wiederholt auftauchenden Highlight-Momente retten den Film vor dem Absturz. Denn dazwischen gibt es allerhand langatmige Passagen, klischeehafte Situationen (die hartnäckige Reporterin, der gutgläubige Cop) und vor allem eher misslungene Szenen. Wo der zweite Teil noch elegant in Kameraführung und Bildausschnitten Anspielungen ans Original versteckte, stellt sie „Psycho 3“ einfach plump nach: wenn etwa die junge Frau rückwärts die Treppe auf die gleiche Weise hinunterstolpert wie seinerzeit der unglückliche Detektiv, oder wenn Bates eine Leiche findet und entsetzt die Hände vor den Mund schlägt. Solche 1:1-Nachahmungen wirken viel eher unoriginell denn als Hommage ans Original.

Auch die Handlung bleibt diesmal deutlich vorhersehbarer und konventioneller. Dass die Identität der mordenden Person von Anfang an feststeht, macht die leichten Slasher-Tendenzen des Films reichlich langweilig (und für einen echten Slasherfilm gibt es viel zu lange Durchhänger zwischen den einzelnen Morden). Auch die Gespräche mit seiner toten Mutter werden diesmal offener und direkter geführt, was einerseits ein interessanter Einblick in seinen gestörten Verstand ist, andererseits aber auch verhindert, dass eine düster-unheimliche Atmosphäre wie zuvor entstehen kann, als man lange nicht wusste, wie die Wahrheit aussehen würde. Und dass Bates wiederholt Sprüche klopft, mit denen er sarkastisch auf die mörderische Vergangenheit des Motels anspielt, wirkt wie eine unnötige Reminiszenz an popkulturelle Vorgaben erfolgreicher Horrorfilmreihen.

Insgesamt bleibt „Psycho 3“ deutlich hinter seinen Vorgängern zurück, kann zwar technisch und formal überzeugen und immer mal wieder starke, packende Einzelszenen präsentieren, ist aber im Ganzen zu unoriginell und standardisiert heruntergekurbelt. Perkins bleibt ein starker Darsteller, auch wenn selbst er hier hinter seinen eigenen früheren Leistungen zurückbleibt; das restliche Personal bietet souveräne Fließbandarbeit. Wenn er die Story nicht so kongruent weitererzählen würde – und zum Schluss einen tragisch glücklichen Bates zeigte – wäre dieser Teil vollkommen verzichtbar. So kann man ihn immerhin als runden Abschluss einer finsteren Geschichte akzeptieren.

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