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Home Invasion bietet Regiedebütanten mit geringem Budget eine dankbare Bühne, um ein simples Szenario mit wenigen Mitteln zu realisieren. Beim Thema Selbstjustiz blätterte Autor und Regisseur Sam Farmer einige Jahrzehnte zurück und besann sich auf „Ich spuck auf dein Grab“ von 1978. Camille Keaton spielte seinerzeit Opfer und Racheengel, ähnlich tritt sie auch hier in Erscheinung.

Ihr Mann verstarb vor kurzem, nun droht der Witwe Marsha (Keaton) neuer Ärger in Form von drei Brüdern unter der Leitung von Wayne (Scott Peeler), die ihr Haus im Namen ihres Vaters kaufen wollen. Da sich Marsha vehement weigert, setzen sie ihr eine kurze Frist bis Mitternacht des nächsten Tages. Doch Marsha ist gut vorbereitet…

Ein Vorlauf von einer knappen halben Stunde ist im Hinblick auf die kurze Laufzeit von 74 Minuten eher suboptimal, zumal den potenziellen Belagerern deutlich zuviel Zeit eingeräumt wird, um untereinander Machtspielchen auszutesten. Über Marsha erfährt man indes nur Eckdaten und dass Tochter Helen in unregelmäßigen Abständen hereinschaut.
Unklar ist, warum sie ihr Heim mit allen Mitteln verteidigt, anstatt sich an den übernächsten Sheriff zu wenden und zeitgleich das Leben ihrer Tochter riskiert.

Mit Ankunft der vermeintlichen Übeltäter geht es immerhin recht fix zur Sache und es dauert nicht lange, bis erste Verletzungen in Form von Einschüssen zu verzeichnen sind. Zwischen den kurzen Gefechten wird allerdings viel taktiert, was stets ein wenig Dynamik herausnimmt, während der eigentliche Belagerungszustand nur selten Hochspannung aufkommen lässt.
Hier mangelt es deutlich an kreativen Ideen und raffinierten Abläufen.

Ansonsten ist der schlichten Inszenierung nicht allzu viel vorzuwerfen, denn das Timing stimmt, die handgemachten Gewalteinlagen können sich sehen lassen und die Mimen um Keaton und Peeler geben ordentliche Performances ab. Auch der minimalistisch gehaltene, jedoch oftmals gut wummernde Score fügt sich treffend ins nahezu zeitlose Geschehen.

Dem überschaubaren Setting und der ebenso klar definierten Figurenkonstellation stehen im Verlauf leider einige arg irrationale Verhaltensweisen im Weg, die oftmals mit dummen Rollenklischees wie dem des harten Mannes einhergehen. Das mag einerseits den Mustern eines klassischen Western geschuldet sein, doch anderweitig wären ein paar unkonventionelle Einschübe wünschenswert gewesen.

So mäandert das Treiben relativ überraschungsarm und frei von visuellen Höhepunkten vor sich hin, während der Level der Bedrohung zu kalkulierbar bleibt. Farmer scheut die völlige Eskalation, das Spiel mit Todesängsten, wodurch der Streifen im Endeffekt im Einheitsbrei baden geht.
5 von 10

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