GODZILLA No. 21
GODZILLA VS. SPACEGODZILLA
(GOJIRA VS SUPESUGOJIRA)
Kenshô Yamashita, Japan 1994
Vorsicht – das folgende Review enthält SPOILER!
Obgleich Godzillas Heisei-Filmreihe gerade schön ins Rollen gekommen war, sollte Takao Okawaras Godzilla vs. Mechagodzilla II bereits ihren Abschluss bilden, um dem geplanten US-Godzilla von Roland Emmerich nicht im Wege zu stehen. Die Arbeiten in Amerika verzögerten sich allerdings, und so wurde die Reihe doch noch mit zwei weiteren Filmen fortgesetzt. Dies ist nun der erste dieser beiden „Nachzügler“: Godzilla vs. Spacegodzilla (Originaltitel Gojira vs Supesugojira), ein Film, der keinen besonders guten Ruf genießt und auch mich beim ersten Ansehen nicht gerade begeistert hat. Aber was nicht war, konnte ja noch werden ...
Das Weltall. Hier fliegt ein erschreckend mieser Computereffekt herum, von dem sich drei Teile abspalten und theatralisch auf einer abgelegenen Insel einschlagen. Wir dürfen vermuten, dass es sich um eine japanische Insel handelt (Ogasawara ...?) und wechseln flugs den Schauplatz.
Japan, nun wirklich: Ein hochrangiger Uniformträger stellt die neueste Wunderwaffe der G-Force, also der Godzillabekämpfungssondereinheit der Vereinten Nationen, vor – es ist MOGERA, ein riesiger Kampfroboter, der im Prinzip eine Neuauflage des Mechagodzillas ist, nur dass er anstelle des Mauls einen Kegelbohrer hat, was extrem lächerlich, sprich wie eine spitze Nase aussieht (diese Schöpfung ist übrigens nicht neu, aber dazu später mehr). Ungeachtet solcher Äußerlichkeiten soll MOGERA aber ungemein kampfstark sein, da er über eine Vielzahl neuer Superwaffen verfügt. So weit, so gut.
Anderenorts glauben derweil zwei Wissenschaftler, eine bessere und friedlichere Methode gefunden zu haben, um dem stets drohenden Ärger mit Godzilla aus dem Weg zu gehen. Die Bioingenieurin Prof. Chinatsu Gondo und der Evolutionsbiologe Doktor Susumu Okubo möchten den Großen Grünen telepathisch kontrollieren (oh Gott ...!), weshalb ihm ein „Telepathieverstärker“, sprich eine Art Empfänger-Chip, in den Kopf geschossen werden soll, um die von einem Medium ausgehenden „Signale“, ähm ... nun ja, eben zu verstärken. Man weiß sogar, wer dieses Medium sein soll (wir wissen’s auch ...): Es gibt eine junge Frau, die nicht nur sehr ausgeprägte telepathische Fähigkeiten, sondern auch einen guten Draht zu Godzilla besitzt (und Segelohren ...) – natürlich, es ist Miki Saegusa. Wir haben sie also schon sehr zeitig am Hals. Miki, hier mit einer neuen, die Ohren wundersamerweise gut verdeckenden Kurzhaarfrisur und geschminkten Lippen unterwegs, zeigt sich allerdings wenig begeistert von dieser „Projekt T“ genannten Idee und lehnt dankend ab – man solle Godzilla in Frieden lassen. Da aber kommt eine kleine (sprich gut schmetterlingsgroße) CGI-Mothra angeflattert, aus der sich die beiden wohlbekannten Cosmos (früher Shobijin) materialisieren und noch kleiner als sonst in der Luft herumschweben. Aber die mythischen Mini-Mini-Zwillingsfeen schweben nicht nur, sondern verkünden auch wieder einmal drohendes Unheil: Aus dem All sei ein schreckliches Monster im Anmarsch, das die Weltmacht erobern wolle. Diesem Monster könne sich nur Godzilla entgegenstellen, weshalb Niki dafür sorgen müsse, dass er am Leben bleibt – mit anderen Worten: Sie soll am Projekt T teilnehmen und damit verhindern, dass die Menschen MOGERA von der Leine lassen. Wenn’s die Cosmos sagen, will sich Niki nicht mehr länger zieren und stimmt einer Teilnahme an der Telepathieverstärkungsoperation zu.
Wir begeben uns nun zu einer einsamen kleinen Pazifikinsel – vermutlich ist es die, auf der eingangs die drei miesen Computereffekte (es sollten wohl irgendwelche Kristalle sein) eingeschlagen sind. Hier landen gerade zwei ziemlich trottelig wirkende junge Männer und begeben sich umständlich ins Inselinnere. Dort treffen sie auf den einsam in der Wildnis lebenden und scheinbar nur bedingt zurechnungsfähigen Major Akira Yuki, der einst seinen besten Freund durch eine Gewalttat Godzillas verlor und nun auf Rache sinnt: Er will den Großen Grünen töten und hat dafür schon ein Spezial-Projektil gebastelt, das mit einem tödlichen Blutgerinnungsmittel gefüllt ist und darauf wartet, in den Körper des Monsters geschossen zu werden. Allzu lange sollte es bis dahin nicht mehr dauern, denn Yuki teilt mit, dass Godzilla des Öfteren einmal die Insel besucht. Das wissen die beiden Ankömmlinge allerdings schon, und deshalb sind sie auch hier – anders als zu vermuten war, handelt es sich bei ihnen nämlich mitnichten um die Pausenclowns vom Dienst, sondern um zwei ehrbare Mitarbeiter der G-Force! Es sind Lieutenant Koji Shinjo und Lieutenant Kiyoshi Sato, die auf der Insel das Projekt T vorbereiten sollen. Kaum haben sie mit dem Vorbereiten begonnen, da begegnen sie auch schon ... dem Baby-Godzillasaurus aus dem Vorgängerfilm Godzilla vs. Mechagodzilla II, der nun allerdings schon ein fast 30 Meter hoher Kleinkind-Godzillasaurus ist, in der Kaijū-Eiga-Historie als „Little Godzilla“ geführt wird und derartig kitschig gestaltet wurde, dass einem übel werden möchte. Wichtiger als er ist indes die Ankunft der jungen und schönen Professorin Gondo und des irgendwie niederträchtig wirkenden Doktors Okubo, die mit ihrem Projekt T starten möchten.
Wie’s der Zufall will, kommt der Große Grüne auch gerade jetzt einmal an Land, und so dürfen die Schützen ihr Glück versuchen: G-Force-Lieutenant Shinjo kann den Telepathieverstärker präzise im Hinterkopf Godzillas versenken, während Yuki mit seinem Blutgerinnungsprojektil daneben schießt (warum aber haben die anderen seinen Mordversuch überhaupt zugelassen – warum??). Miki kann auch gleich telepathisch eine Runde mit Godzilla schwatzen ... während im Weltraum erst recht was los ist: Durch den kommt nämlich, die Cosmos haben nicht zu viel versprochen, ein riesiges Kristallmonster angeflogen, das sogar schon eine NASA-Raumstation zerstört hat. Es ist also nicht in friedlicher Absicht unterwegs, und so schickt man ihm MOGERA entgegen. Zwischen ein paar Dutzend zum Brüllen schlecht getrickster „Meteoriten“ kommt es zum fairen Zweikampf – den MOGUERA allerdings klar nach Punkten verliert und in die Tiefen des Alls kreiselt. Das Monster hat freie Bahn, und wir dürfen schon mal raten, wohin es fliegt.
Auf der Insel läuft derweil auch nicht alles nach Plan – der zwielichtige Doktor Okubo dreht während Mikis Plausch mit Godzilla die Telepathieverstärkungsanlage so weit auf, dass die Elektroden an Mikis Kopf durchschmoren. Währenddessen wollen Yuki, Shinjo und Sato den Großen Grünen gemeinsam töten (warum zum Kuckuck wollen Shinjo und Sato das plötzlich tun??), aber daraus wird nichts, denn nun landet auch schon das Monster aus dem All vor ihren Augen, während an vielen Stellen der Insel riesige Kristalle aus der Erde schießen. Es ist, natürlich, „Spacegodzilla“, eine Art böse (und auch wirklich böse aussehende!) Ausgabe Godzillas mit zwei riesigen Kristallhöckerschultern. Spacegodzilla ist sogar so böse, dass er den gerade fröhlich durch die Gegend turnenden Little Godzilla angreift – ein Glück, dass er mit seinen gelb-roten Zickzackstrahlen nicht so gut zielen kann. Der irdische Godzilla ist jedoch schon unterwegs und tritt zur Verteidigung seine Sohns oder besser Adoptivsohns an. Die folgende Monsterprügelei sieht den ungebetenen Gast aus dem All im Vorteil: Am Ende gelingt es ihm, Little Godzilla irgendwie durch die Luft schweben zu lassen (was extrem lächerlich aussieht) und anschließend in irgendeinem Loch zu versenken. Während der Große Grüne nach einem schweren Wirkungstreffer noch auf dem Boden herumkullert, fliegt Spacegodzilla mit unbekanntem Ziel davon. Wenn er fliegt, verwandelt er sich übrigens in einen gewaltigen, 720.000 Tonnen schweren und 250 Meter langen Kristallklumpen, an dessen Unterseite sein normalerweise „nur“ 80.000 Tonnen schwerer und 120 Meter hoher Körper klebt. Seltsam.
Als sich der Staub verzogen hat, erklärt Doktor Okubo das Projekt T offiziell für gescheitert – der „Psychotronengenerator“ könne nicht genug ausrichten. Gemeinsam besteigen die Menschen kurz darauf einen Hubschrauber, um die Insel zu verlassen – nur Miki möchte nicht mit und lieber noch etwas in Godzillas Nähe bleiben. Sie macht sich Sorgen um ihn. Lieutenant Shinjo, der sich offenkundig in Miki verliebt hat (es ging schnell ...), kann sie natürlich nicht mutterseelenallein mit einem Riesenmonster auf der Insel zurücklassen und steigt wieder aus, um ihr Beistand zu leisten. Sein Kollege Sato darf da nicht zurückstehen und folgt ihm pflichtschuldig. Die anderen fliegen hingegen zum Festland.
Dort findet kurz darauf eine Konferenz statt, auf der Professorin Gondo über das Monster aus dem All referiert. Sie weist darauf hin, dass bereits zweimal Zellen von Godzilla in den Weltraum gelangt sind – einmal durch Biollante und einmal durch Mothra (das deckt sich mit zwei vorangegangenen Filmen der Reihe). Dann führt sie aus: „Eine dieser Zellen muss von einem Schwarzen Loch verschluckt und von einem Weißen Loch ausgespuckt worden sein. Sie teilte sich sehr schnell, viel schneller als angenommen, und assimilierte in ihrem eigenen Evolutionssystem viele Kristallorganismen. Sie war gigantischen Superenergien durch Sternexplosionen ausgesetzt und schließlich war das gewaltige Ungeheuer geboren.“ Mmh, genau so hatten wir uns das auch schon gedacht.
Auf der Insel haben derweil Miki und Shinjo Zeit und Muße, sich näher zu kommen, doch bald gibt es neuen Ärger: Unbekannte überfallen das auf dem Eiland verbliebene Trio des Nachts, schlagen die Männer nieder und entführen Miki! Am nächsten Morgen werden Shinjo und Sato von Professorin Gondo abgeholt, die ihnen mitteilt, dass Yukis von Godzilla getöteter Kumpel ihr Bruder war und sie weiß, wo Miki zu finden ist. Schon in der nächsten Szene machen sich Shinjo, Sato und Yuki an die Befreiung der Telepathin, die sich in den Händen der „japanischen Mafia“ befindet, welche wiederum mit dem nunmehr erwiesenermaßen niederträchtigen Doktor Okubo kollaboriert. Der hat Mikis „Telepathiewellen“ aufgenommen und in seinen Computer eingespeist, um so Godzilla kontrollieren zu können, denn „wer Godzilla hat, hat die Macht“, meint er. Gleichwohl kann er nicht einmal die Situation in seinem Versteck (ein altes Lagerhaus) kontrollieren, denn schon dringen Shinjo, Sato und Yuki ein und können Miki nach einer wüsten Schießerei mit ein paar Yakuza-Hilfskräften sowie einem ersten erfolgreichen Versuch der Telepathin in Sachen Telekinese (sie hebt per Gedankenkraft ein Bett an) befreien. Die vier begeben sich flugs ins G-Force-Center, während Spacegodzilla schon im Anmarsch auf Tokio ist. Unterwegs vernichtet er en passant noch schnell das Gebäude, in dem der irre Okubo herumstolpert, womit dieser sein verdientes und erstaunlich frühes Ende findet.
Auf geht’s zur G-Force: Dort hat man den Kampfroboter MOGERA, der offenbar doch noch glücklich zurück zur Erde kreiseln konnte, repariert und startklar gemacht und wartet auf die Besatzung, denn ausgerechnet Yuki soll den hoch komplizierten Koloss in Begleitung von Shinjo und Sato steuern! (Herrgott – hat die G-Force keine anderen Leute? Und wieso können die drei das Ding überhaupt bedienen?? Gerade Yuki dürfte es bislang noch nicht einmal gesehen haben!) Die Genannten sind kaum eingetroffen, da befinden sie sich auch schon an Bord und düsen mit MOGERA dem fiesen Spacegodzilla entgegen, der seinerseits auf Fukuoka zusteuert. Fast gleichzeitig geht in Kagoshima Godzilla an Land und bewegt sich ebenfalls in Richtung Fukuoka, wobei er unachtsam die halbe Stadt kaputtlatscht (eine eingeblendete Karte mit Pfeilen zeigt übrigens einen anderen Weg ...). Yuki hat indes seine privaten Rachepläne noch immer nicht beerdigt und dreht deshalb ab, um befehlswidrig mit MOGERA den Großen Grünen anzugreifen. Da ihn Shinjo mit Worten nicht von seinem Tun abhalten kann, knockt er den abspenstigen Piloten kurzerhand aus, übernimmt selbst das Steuer und schlägt den geplanten Kurs in Richtung Spacegodzilla, sprich Fukuoka ein.
Dort hat das Weltraummonster inzwischen eine Art Kristallfestung rund um den Fukuoka Tower errichtet und harrt der Dinge, die da kommen. Das erste Ding, das kommt, ist auch schon MOGERA – Shinjo schaltet den Koloss auf Fußgänger-Modus um, schreitet Spacegodzilla todesmutig entgegen und eröffnet den Kampf mit einer wuchtigen „Spiralgranatraketen“-Kanonade, dem der Einsatz einer „Plasmalaserkanone“ und ein „Bohrerangriff“ folgen ... alles für die Katz: Spacegodzilla kann MOGERA mit seinen Strahlen außer Gefecht setzen und in die bereits bergeweise herumliegenden Trümmer werfen. Nun kreuzt Godzilla auf, aber auch der gerät vorerst an seine Grenzen und wird in ein Hochhaus geschleudert. Danach beginnen warum auch immer einige der aus dem Boden ragenden Kristalle gen Himmel und quer durch die Luft zu fliegen und die Menschen stellen fest, dass Spacegodzilla warum auch immer seine Energie aus dem Fukuoka Tower bezieht. Godzilla scheint das auch festzustellen, rappelt sich auf und greift diesen gewaltigen Wolkenkratzer an, während die G-Force-Piloten MOGUERA in zwei separate Kampfeinheiten teilen – der aufgewachte und wieder befehlstreue Yuki attackiert Spacegodzilla mit dem „Star Falcon“ genannten Flugteil und die beiden anderen graben sich mit dem Bohrerteil durchs Erdreich und versuchen, den Tower von unten zu zerstören.
Und weil das alles noch lange nicht hektisch und unübersichtlich genug war, geht’s jetzt erst richtig los: Es blitzt und kracht ohne Unterlass, Millionen weißer Funken fliegen durch die Luft, Spacegodzilla schießt mit Kristallen um sich, MOGUERA wird wieder zusammengefügt und bald darauf durch die halbe Stadt geschleudert, Godzilla beginnt am Tower zu rütteln, es blitzt und kracht, die Trümmerberge in Fukuoka wachsen weiter an, Miki und die Professorin Gondo kreuzen auch noch im Kampfgebiet auf, Milliarden weißer Funken fliegen durch die Luft, Miki kann den eingeklemmten Yuki durch ihre neu entdeckten telekinetischen Kräfte aus einer brenzligen Lage befreien, es blitzt und kracht, Yuki startet mit dem halb defekten MOGERA einen Solo-Kamikazeangriff, Godzilla legt sich mit aller Kraft ins Zeug, der Tower kippt um ... es blitzt und kracht, noch mehr weiße Funken erfüllen die Luft ... und zu guter Letzt explodiert Spacegodzilla aufgrund einer „Energieüberladung“. So heißt es wenigstens – hinreichend nachvollziehen oder gar verstehen kann man sein in gleißendes weißes Licht gehülltes Dahinscheiden nicht.
Egal. Noch einmal ziehen Lichter gen Himmel, nun aber gelb und friedlich, und die Menschen können einander gegenseitig aus den brennenden Trümmern Fukuokas und MOGERAS helfen. Und ja, es sind noch alle da – womit es für das Skript Zeit wird, ein letztes Mal ganz tief in den Schmalztopf zu greifen: Die CGI-Mini-Mothra kommt angeflattert und die Zwillingsfeen bedanken sich bei Miki dafür, dass sie „die Erde gerettet“ hat (hat sie das?), und auch Little Godzilla dürfen wir noch verabschieden – nachdem er uns in einer Minilla-Rauchkringel-Gedächtnis-Szene mit dem Spucken von blauen Lichtblasen „erheitert“ hat, folgt er seinem Erziehungsberechtigten ins Meer. Miki und Shinjo halten indes tatsächlich Händchen und Yuki will mit der Professorin etwas trinken gehen ...
(Ein alternatives Ende entlässt uns übrigens mit Mothra, die ins Weltall fliegt. Warum ausgerechnet der Motte das letzte Bild dieses Films gehören soll, weiß jedoch höchstwahrscheinlich nur der Kuckuck.)
Dass Godzilla vs. Spacegodzilla kein guter Film ist, wissen indes so ziemlich alle, die ihn gesehen haben. Okay – ein guter Film war hier nicht zu erwarten, aber Godzilla vs. Spacegodzilla ist nicht einmal ein guter Nippon-Riesenmonsterfilm. Meine To-nörgel-Liste beginnt wieder einmal bei inhaltlichen und erzählerischen Problemen. Dabei will ich Kenshô Yamashita und dem von Shinichiro Kobayashis Story „Gojira tai Neogojira“ inspirierten Skript des Autoren-Duos Kanji Kashiwa und Hiroshi Kashiwabara nicht einmal vorwerfen, dass es uns nahezu grotesken Unfug auftischt (allein Professorin Gondos Vortrag über Spacegodzillas Herkunft ist fürwahr tollkühne Science Fiction ...) – so etwas kann den aufrechten Kaijū-Eiga-Freund nicht aus dem inneren Gleichgewicht bringen (und erst recht niemanden, der wie ich mehr als einhundert Asylum-Streifen gesehen hat ...). Betrüblich ist vielmehr, wie uns all dieser Unfug erzählt wird. Nachdem der Vorgängerstreifen Godzilla vs. Mechagodzilla II sehr eindeutig von den Monstern dominiert wurde, räumt Godzilla vs. Spacegodzilla dem menschlichen Personal wieder wesentlich mehr Platz ein, gerät dabei aber ungemein holprig und mitunter sogar planlos. Die mit eineinhalb Sätzen abgetane, sprich schludrige Einführung MOGERAs oder einige heftige Handlungssprünge, Anschlussprobleme und Ungereimtheiten auf der Insel (es klang schon an) sind nur ein Teil des Übels. Hinzu kommt beispielsweise auch der verwirrende Quark um Mikis Entführung (wir springen direkt von der Insel zu ihrer bereits laufenden Befreiung aus einem Yakuza-Versteck, womit dann im Prinzip auch schon die ganze Doktor-Okubo-Plotlinie sang- und klanglos beendet ist) oder eine verstörende Neubestimmung des Personals (mir nichts, dir nichts wird der mittelschwer durchgeknallte Rache-Robinson Yuki plötzlich Pilot der hoch komplexen Super-High-Tech-Waffe MOGERA und damit Hauptverantwortlicher für die Menschheitsrettung). Man ist hier fast pausenlos dabei, sich über irgendetwas zu wundern und mit offenen Fragen zu kämpfen – Godzilla vs. Spacegodzilla ist ein extrem unruhiger Film, der niemals in einen vernünftigen Fluss kommt.
Rätsel über Rätsel gibt überdies Spacegodzillas Treiben auf – warum und wie entstehen überall in Windeseile seine „Kristallfestungen“, warum wird er beim Fliegen plötzlich zum riesigen Kristallklumpen, warum in drei Teufels Namen bezieht er seine „Energie“ aus dem Fukuoka Tower, warum braucht er überhaupt externe Energie und warum explodiert er gar aufgrund einer „Energieüberladung“, wo doch eigentlich gerade seine Energiequelle zerstört wurde? Man könnte nun den Film noch einmal ansehen und in den Dialogen nach der einen oder anderen Antwort suchen, aber das verspricht nur wenig Erfolg und ist zudem nicht Sinn der Sache: Den Inhalt eines Films sollte man beim ersten und einmaligen Ansehen verstehen können – zumindest dann, wenn es sich um Riesenmonsterunterhaltung handelt und nicht um irgendeinen schwergewichtigen Arthaus-Streifen oder eine von vornherein als Rätsel angelegte Arbeit wie Mamoru Oshiis Tenshi no Tamago, um einmal in Japan zu bleiben. Ohnehin ist Spacegodzilla in seinem ganzen Verhalten ein seltsam kaltes und charakterloses Monster – er hat auf mich nicht wie ein bewusst oder wenigstens instinktiv handelndes Lebewesen, sondern eher wie eine Maschine gewirkt, die auftragsgemäß und frei von Emotionen ihren Dienst verrichtet. Auf der Habenseite kann Godzilla vs. Spacegodzilla mit Blick auf sein Personal immerhin verbuchen, dass der Figur der Telepathin Miki Saegusa eine gewisse Kontur verliehen wird: Dank ihres offensichtlichen Interesses an Shinjo kann man sie erstmalig als Mensch, ja sogar als Frau wahrnehmen und nicht nur als Transzendenz-Sonderbeauftragte, die gelegentlich dem Skript ein wenig unter die Arme greift. Ich bin erneut gut mit ihrer Figur zurechtgekommen und sehr erstaunt darüber, wie grundlegend sich mein Verhältnis zu ihr in wenigen Wochen verändert hat – früher und noch bei unserer „Wiederbegegnung“ in Godzilla – Der Urgigant war sie regelrecht ein rotes Tuch für mich (was meine Aufzeichnungen zu diesem Film sehr deutlich belegen). Ein entspanntes Verhältnis zu Miki Saegusa ist im Fall von Godzilla vs. Spacegodzilla freilich auch sehr wichtig, denn sie greift hier so prominent wie nie zuvor ins Geschehen ein und schrammt nur knapp daran vorbei, als Hauptfigur bewertet werden zu müssen – wenn man will, kann man’s sogar tun. Das bedeutet natürlich, dass wir eine kräftige Portion Übersinnliches zu verdauen haben, wobei sich zu Mikis Telepathie-Begabung auch noch ihre neu erworbene Telekinese-Begabung gesellt (eines Tages wird sie wohl auch noch die Teleportation oder gar die Telefonie beherrschen). Zu allem Überfluss bildet sie die Schnittstelle zu einer weiteren Unart des Kaijū-Universums – dem mit der Riesenmotte Mothra verbundenen mystischen Schwurbel, in vorderster Front vertreten durch die Cosmos respektive Mini-Mini-Zwillingsfeen (einst Shobijin) und vertieft durch eine hochgradig kitschige Mini-Mothra. Wenn man sich einen Ruck gibt, kann man sich zumindest auf die beiden Mädels halbwegs einstellen, aber ganz ehrlich: Gefehlt hätten sie hier wohl keinem. Mit ihnen geraten zudem auch die letzten zarten Realitätsbezüge, die in Yamashitas Arbeit noch aufzuspüren sind, in akute Lebensgefahr – man ist gut beraten, wenn man Godzilla vs. Spacegodzilla rechtzeitig als eine Art bizarres Märchen liest, in dessen Welt beispielsweise eine Entführung durch Yakuza-Gangster geradezu störend realistisch wirkt. Lassen wir also Unsinn Unsinn sein.
Bei alledem soll jedoch nicht unter den Tisch gekehrt werden, dass Godzilla vs. Spacegodzilla ein bemerkenswertes Potenzial beherbergt und dieses gelegentlich auch umzusetzen vermag: Mit Spacegodzilla haben wir das am bösesten aussehende und bedrohlichste Monster der seinerzeit vollendeten Kaijū-Eiga-Geschichte, und die Szenen mit seinen Kristallfestungen haben in ihrer Fremdartigkeit etwas ungemein Faszinierendes. Auch der Einsatz der Kristalle als Waffen sollte seine Wirkung beim Betrachter nicht verfehlen. Es gibt also sehr wohl einige intensive Momente und großartige Bilder, aber angesichts dessen, was hier möglich war, sind es entschieden zu wenig. An ihrer Stelle lässt Yamashita lieber den megakitschigen und frappierend an die Teletubbies erinnernden Little Godzilla durch die Gegend tapsen ... womit wir noch einen Aspekt haben, der Godzilla vs. Spacegodzilla in Richtung Keller zieht. Selbst bei der Action gibt es Reserven – ja, es blitzt und kracht naturgemäß gerade im Finale gewaltig, aber mir war das Geblitze und Gekrache zu deutlich in der Farbe Weiß gehalten und vor allem zu deutlich von den schon genannten und arg an Silvester-Pyrotechnik gemahnenden Funken bestimmt. Große Momente, um diesen Abschnitt nicht mit Meckerei zu beenden, gibt es selbstredend immer noch – ich denke sofort an eine Szene, in der MOGERA von Spacegodzilla gleich durch mehrere Häuser hindurchgedonnert wird.
Apropos Silvester-Pyrotechnik: Sehen wir uns ein wenig im Bereich Optik, Tricks und Ausstattung um. Schon grundsätzlich, sprich beim Blick auf die Bildqualität, macht Godzilla vs. Spacegodzilla keine gute Figur. Der im Heisei-Standardformat 1.85:1 vorliegende Streifen fällt vor allem durch die starken Schwankungen ebendieser Bildqualität auf – die normalen, also ausschließlich mit den menschlichen Mitwirkenden gedrehten Aufnahmen sind durchaus ordentlich und sehen zumindest nicht älter aus als sie sind, aber diejenigen, die im Studio entstanden, wirken überwiegend eine ganze Klasse schlechter. Überdeutlich wird das bei den blassen und extrem grieseligen Bildern sämtlicher Szenen, in denen der Riesenkristallspacegodzilla durch die Gegend fliegt. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen diesen und den normalen Aufnahmen so groß, dass er stört. Wenig oder besser gesagt nichts Erbauliches lässt sich weiterhin zu den eingesetzten Rückprojektionen sagen – sie bleiben ein Sorgenkind der Tōhō-Effektkünstler. In ihnen kann man drastische Qualitätsunterschiede gleich innerhalb eines Bildes bewundern, weil Vordergrund und Hintergrund niemals auch nur annähernd die gleichen Helligkeits-, Transparenz- oder Kontrastwerte haben. Leider lässt sich dies nicht unter der Rubrik „Gelegentliche Ausrutscher“ ablegen, denn von der Rückprojektionstechnik wird äußerst lebhaft Gebrauch gemacht: Allein sämtliche Verwüstungen, die Godzilla im Mittelteil des Films anrichtet, werden auf diese Weise illustriert – im Vordergrund liegen Stadtaufnahmen und im Hintergrund latscht der Große Grüne durch ein Meer aus Flammen und Rauchwolken. Vollkommen peinlich ist schließlich das bereits angesprochene „Meteoritenfeld“, in dem sich Spacegodzilla und MOGERA eingangs ein kurzes Gefecht liefern – hier hängen ein paar Pappmaschee-Klumpen im Studio herum, denen man mit geschlossenen Augen ansieht, dass es Pappmaschee-Klumpen sind, die im Studio herumhängen. Im Jahr 1994 hätten die Produzenten ihrem Publikum so etwas nicht anbieten dürfen. Auch die kitschigen CGI-Mothras, die gelegentlich herumflattern, sind kein Ruhmesblatt. Deutlich besser schneiden traditionell die Modellbauten ab – bei deren Anfertigung waren die Tōhō-Bastler wieder ganz in ihrem Element, wobei die riesigen Kristalle, die Spacegodzilla überall verteilt hat, allerdings nur bedingt glaubwürdig sind.
Mit Blick auf die Monster zeigt sich ein zwiespältiges Bild, das unter dem Strich um Größenordnungen günstiger hätte ausfallen können, wenn da nicht ... Little Godzilla wäre, der aussieht wie ein Gummispielzeug für Dreijährige, das man auf die Größe eines Nachwuchs-„Godzillasaurus“ (nicht vergessen: auch wenn’s der Name suggeriert, kann er kein Blutsverwandter des Großen Grünen sein) aufgeblasen hat. Man muss sich ernsthaft fragen, was die Verantwortlichen geritten hat, als sie grünes Licht für dieses Design gegeben haben. Klar, Little Godzilla mag immer noch ein grundsympathischer Kerl sein, doch während der Szenen, die ihn allein zeigen, befindet man sich nicht mehr in einem Monsterfilm, sondern im Kindergarten. Intendiert war natürlich Niedlichkeit, aber die Bemühungen darum sind zumindest aus dem Blickwinkel eines Erwachsenen katastrophal außer Kontrolle geraten. Und weil man’s nicht oft genug sagen kann, sage ich es auch jetzt noch einmal: Little Godzilla ist nicht Fleisch und Blut, sondern Gummi in seiner reinsten Form. Godzilla selbst darf indes den Kopf oben behalten. Er beziehungsweise sein Darsteller trägt den neuen Mogegoji-Anzug, der demjenigen aus dem Vorgängerfilm sehr ähnlich sieht, weshalb es nicht auffällt, dass in den Wasserszenen noch einmal die (schlussendlich um Schwanz und Füße erleichterten) Suits aus den beiden Vorgängerfilmen zum Einsatz kam. MOGERA ist derweil kaum etwas anderes als die neue Version von Mechagodzilla, auch wenn er historisch gesehen viel älter ist: Ein erstes (und unfassbar lächerliches ...) MOGERA-Modell durfte bereits 1957 in Ishirô Hondas Kaijū-Eiga-nahem Sci-Fi-„Thriller“ Weltraumbestien (aka The Mysterians) durch die Modellbauten der Tōhō Company turnen. Verglichen mit dem ist der hiesige MOGERA natürlich reinste Hochtechnologie. Er kann sich sogar wie oben geschildert in zwei separate Kampfeinheiten teilen – den fliegenden „Star Falcon“ und den rollenden „Land MOGERA“. Das Modell-Set, mit dem er eingeführt wird, ist sensationell detailreich (ein Aufwand, der eigentlich in keinem Verhältnis zu der kurzen Zeit steht, die es zu sehen ist), während er selbst etwas glatter und runder wirkt als sein Pendant Mechagodzilla. MOGERA bedeutet übrigens „Mobile Operation Godzilla Expert Robot Aero-Type“ und ist eigentlich nicht einmal der vollständige Name des neuen Kampfroboters – der lautet nämlich MOGUERA (von „Mobile Operation Godzilla Universal Expert Robot Aero-Type“), wurde aber in verschiedenen Fassungen um das „U“ erleichtert, weil die Japaner mit diesem Buchstaben nicht wie die Westler umgehen. Man kann sich letztlich aussuchen, was man bevorzugt. Als echtes Highlight haben wir aber schließlich auch noch einen zweiten und höchst beeindruckenden Titelhelden. Wenn wir Professorin Gondos oben zitierten Ausführungen Glauben schenken wollen, und ich will das an dieser Stelle einfach einmal tun, ist Spacegodzilla anders als der Gummitubbie Little Godzilla tatsächlich ein Blutsverwandter des Großen Grünen und wird dementsprechend auch mit einem Monstersuit im Godzilla-Stil zum Leben erweckt – nur dass es zwei riesige (und sehr sauber integrierte!) Schulterkristalle besitzt ... sowie einen nicht zuletzt dank zweier zusätzlicher, neben dem Maul sitzender Reißzahnpaare wirklich beängstigend bösen „Gesichtsausdruck“. In meinen Augen, da wiederhole ich mich gern, ist Spacegodzilla das am gruseligsten und gemeinsten aussehende Tōhō-Monster ever – gegen ihn wirkt der „echte“ Godzilla selbst in seinem hiesigen, alles andere als freundlich gestalteten Suit wie ein harmloses Kuscheltier. Es ist nicht nur schade, sondern sogar ärgerlich, dass Kenshô Yamashita und seine Autoren so wenig mit ihm anzufangen wissen. Zwiespältiger geht es also nicht mehr, was den Blick auf die Monster betrifft: Mit Spacegodzilla und Little Godzilla lernen wir hier die beiden neuen Extreme des Tōhō’schen Monster-Universums kennen (Little Godzilla steht für mich mindestens auf der gleichen „Ausrutscher“-Stufe wie Minilla aka Minya, der immerhin ... nun ja, leicht räudig gestaltet wurde und eher nach Lehm als nach Gummi aussah).
Sehr viel weniger zwiespältig zeigt sich Godzilla vs. Spacegodzilla indes im darstellerischen Bereich – in Anbetracht des Genres und der Rollen ist da aber schon mal gar kein nennenswerter Ausschlag nach oben möglich. Wenn man unter den hier recht zahlreich versammelten Mitwirkenden nach einem Hauptdarsteller sucht, landet man am ehesten bei Jun Hashizume als G-Force-Lieutenant Koji Shinjo und Akira Emoto als Akira Yuki, sprich rachsüchtiger Inselbewohner im Majorsrang. Jun Hashizume hat mir vor allem in den ruhigen Szenen, die ihm das Skript gelegentlich schenkt, mit zurückhaltendem Spiel und einer angenehmen Ausstrahlung wirklich gut gefallen (in den Actionszenen rüttelt er wie alle anderen natürlich auch nur hektisch an irgendwelchen Hebeln herum), während ich mit Akira Emoto ein paar Sorgen hatte – sein Yuki ist eine extrem grummelige und patzige Figur, und er hat mir etwas zu gut zu ihr gepasst. Deutlich an Relevanz gewonnen hat darüber hinaus Megumi Odaka, die wieder ihre filmübergreifende Rolle der Miki Saegusa spielt, und das erstmalig in der vordersten Reihe. Ich habe mich in dieser Sache bereits geäußert und will nur noch einmal bekräftigen, dass sie mir erstaunlich sympathisch war. Irgendwann werde ich mich wohl sogar noch freuen, wenn ich sie sehe. So kann’s gehen. Als Shinjos G-Force-Kollege Kiyoshi Sato ist Zenkichi Yoneyama zu sehen, der nicht zuletzt deshalb blass bleibt, weil ihn das Skript nie mehr als den Kollegen Shinjos sein lässt, Doktor Okubo wird von Yôsuke Saitô so verdächtig als verdächtig angelegt, dass man ihn schon nach knapp zwei Sekunden durchschaut und Towako Yoshikawa bietet als Professorin Chinatsu Gondo etwas fürs Auge: Sie sieht wirklich hübsch aus. Schauspiel ist allerdings nicht so ganz ihr Ding ... in manchen Szenen wirkt sie auffallend hilflos. Mich hat das keineswegs gestört, der Karriere war es jedoch sicher nicht zuträglich – nach ihrem hiesigen Auftritt stand sie nur noch ein einziges Mal vor der Kamera.
Des Weiteren darf der bewährte Kaijū-Eiga-Veteran Kenji Sahara auch hier seine filmübergreifende Figur des Ministers Takayuki Segawa spielen, was heißt, dass er zwei, drei Mal an einem Konferenztisch zu sehen ist und dabei ein, zwei Mal einen kurzen Satz sagt. Er hat diese Rolle bereits in Godzilla – Duell der Megasaurier und Godzilla vs. Mechagodzilla II bekleidet und war überdies, der Vollständigkeit halber sei’s auch heute erwähnt, als Erfinder Fujita in Die Rückkehr des King Kong, als fieser Geschäftsmann Jiro Torahata in Godzilla und die Urweltraupen sowie als Lokführer und Vater des Kinderprotagonisten Ichirô in Godzilla: Attack All Monsters tätig. Kaijū-Eiga-Erfahrung bringen derweil auch noch andere Akteure mit – zum Beispiel zwei stark verkleinert ins Bild kopierte junge Damen in blassroten Kleidchen ... Genau, es sind die Darstellerinnen der Cosmos respektive Shobijin respektive Zwillingsfeen aus dem Dunstkreis von Mothra, sprich Keiko Imamura und Sayaka Osawa, die ihre umstrittenen Figuren bereits in Godzilla – Kampf der Saurier-Mutanten verkörpert hatten. Hier gibt es freilich nur wenig für sie zu tun, und ehrlich gesagt können sie dabei weder allzu viel falsch noch allzu viel richtig machen. Seinen inzwischen vierten Auftritt in der Godzilla-Reihe hat darüber hinaus ein Darsteller namens Kôichi Ueda, dessen Rollen allerdings immer so klein sind, dass man ihm kaum Beachtung schenkt. Heute will ich das jedoch einmal tun: Nach Auftritten in Godzilla – der Urgigant, Godzilla – Duell der Megasaurier und Godzilla – Kampf der Saurier-Mutanten spielt er im vorliegenden Film einen der G-Force-Offiziere. Definitiv nicht übersehen kann man indes Kenpachirô Satsuma, obwohl man ihn nicht sieht ... er trägt nämlich das Godzilla-Kostüm und tut das so zuverlässig wie in allen Filmen der Heisei-Ära. Seinen ersten Monsterauftritt hat Ryo Hariya, der den fiesen Spacegodzilla zum Leben erweckt, und unter der „Blech“-Verkleidung MOGERAs steckt mit Wataru Fukuda ein angehender Spezialist für Mechas: Er hatte ein Jahr zuvor den titelgebenden Kampfroboter in Godzilla vs. Mechagodzilla II auf seine Gegner losgehen lassen, war als Godzillasaurus in Godzilla – Duell der Megasaurier aber auch schon für etwas Organisches verantwortlich. Ich frage mich übrigens auch jetzt wieder, ob er etwas mit Jun Fukuda zu hat, der zu Shōwa-Zeiten bei fünf Godzilla-Filmen Regie geführt hat. Wenn ich allerdings mich frage, müsste ich auch selbst antworten, und damit sieht’s vorerst mau aus. Aber zurück – einer bleibt noch: Little Godzillas peinliches Gummikostüm wird von einem als „Little Frankie“ creditierten Mann (oder Jungen?) getragen, der ebenfalls neu im Geschäft ist. Neu ist zu guter Letzt auch Takayuki Hattori, und zwar in seiner Funktion als Komponist des Scores – Akira Ifukube war in diesem Fall wohl verhindert. Hattori nutzt natürlich (pflichtgemäß, möchte man sagen) auch einige der bekannten Ifukube-Motive, konzentriert sich aber deutlich auf die eigenen, die in meinen Ohren, obgleich insgesamt nicht missraten, vor allem in den Actionszenen etwas zu beschwingt klingen – das verträgt sich nicht mit dem grimmigen Spacegodzilla und seinem Treiben.
Der erfreuliche Aufwärtstrend, den Godzillas Heisei-Filmreihe seit 1991 zu verzeichnen konnte, hat also ein Ende gefunden: Godzilla vs. Spacegodzilla kann in fast keiner Beziehung überzeugen. Inszenatorische Schwächen, eine unkonzentriert erzählte, holprige und bisweilen irritierend sprunghafte Handlung, Telepathie- und Telekinese-Tinnef, mythologischer Mumpitz, ein indiskutables Gummi-Kleinkindmonster, bedenkliche technische Unzulänglichkeiten ... es kommt so einiges zusammen, was man Kenshô Yamashitas Debüt (und gleichzeitigem Abschied) als Godzilla-Regisseur vorwerfen kann. Noch vor dem gerade Genannten muss man diesem Film beziehungsweise seinen Autoren jedoch vorwerfen, dass sie mit ihrem eindrucksvollen neuen Titelmonster nicht genügend anzufangen wussten – unter dem Strich wurde Spacegodzilla genauso verschenkt wie fünf Jahre zuvor Biollante. So, damit soll die Meckerei nun endlich eingestellt und statt ihrer kundgetan werden, dass ich für meinen Teil die meisten Mängel dieses Films erstaunlich gelassen betrachten konnte und sehr wohl meine Freude an Godzilla vs. Spacegodzilla hatte – unterhaltsam ist der Streifen auf jeden Fall, und auf mich persönlich hat er zudem eine ganz eigenwillige Faszination ausgeübt. Insofern kann ich mich ohne Weiteres mit mir selbst darauf einigen, dass ich Godzilla vs. Spacegodzilla nicht schlecht, sondern nur seltsam finde.
PS: Angedacht war hier übrigens zunächst ein Film mit dem Titel Godzilla vs. AstroGodzilla, in dem das neue Titelmonster, das den gleichen Ursprung hat wie Spacegodzilla, mit einer Schar riesiger extraterrestrischer Libellen anrückt. Die Monsterinsekten entführen Little Godzilla, während sich ihr Chef AstroGodzilla telepathisch der Gedanken Miki Saegusas bemächtigt, was schließlich zum Entscheidungskampf zwischen den ungebetenen Gästen aus dem Weltall auf der einen sowie Godzilla, MOGERA und der in dieser Variante wieder prominent eingreifenden Mothra auf der anderen Seite führt. Letztlich entschied man sich in den oberen Etagen der Tōhō Kabushiki Kaisha aber für die deutlich preiswertere Variante Godzilla vs. Spacegodzilla, was damit zu tun haben dürfte, dass sich die im Frühsommer 1994 erschienene Parallelproduktion Madra – Das achtköpfige Drachenmonster (Originaltitel Oroshi, the Eight-Headed Dragon, entstanden übrigens unter der Regie von Takao Okawara, der die beiden letzten Godzilla-Filme gedreht hatte) zum veritablen Flop entwickelte. Die Riesenlibellen aber hat man nicht vergessen – sie sollten Godzilla zu Beginn des neuen Jahrtausends im zweiten seiner Millennium-Filme auf die Nerven gehen.
Zur Abwechslung einmal nur 7 von 10 Punkten aus meiner Sicht, ansonsten 5 von 10.
(06/24)