Review
von Leimbacher-Mario
Get Freaky
Stuart Gordons „Castle Freak“ ist sicher kein Klassiker des Horrors, wahrscheinlich noch nichtmal seines Jahrzehnts. Und doch liegt der grieselige Gothic-Monsterhorror sicher nicht nur mir erstaunlich am Herzen. Vielleicht weil die DVD damals im allerersten Schwung an „Filmbörsenbeute“ dabei war, extrem günstig, wer hat(te) sie nicht, die alte Laser Paradise-Grottendisc. Dennoch irgendwie Kult, oft gesehen und liebgewonnen. Aber nach (m)einer Theorie bieten sich eher nicht perfekte und runde Filme sowieso wesentlich besser für Remakes an wie echte Klassiker a la „The Wicker Man“ oder „The Fog“, sodass es für diese „Bestie aus dem Folterkeller“ im neuen Jahrtausend vielleicht ja doch noch eine Chance gibt… Produziert von den Fans und Freunden der Fangoria, erzählt wird (nicht ganz genau, aber doch sehr ähnlich wie damals) von einer jungen, bei einem Autounfall erblindeten Frau, die ein mysteriöses Schloss erbt, in dessen Keller eine entstellte Kreatur nach Frischfleisch giert - dieses Mal in Albanien statt Italien, mit viel mehr Lovecraft und mit ein paar ihrer Freunde im Gepäck für einen höheren Menschenverschleiss…
Der neue „Castle Freak“ ist ziemlich… neu. Er wird seinem Original zwar gerecht und weiß grundsätzlich, was die Fans wollen, aber er trifft schon einige Entscheidungen, die sicher übel aufstoßen können. Sowohl eingefleischten Horrornerds als auch Gelegenheitsgenreguckern. Ich mag den 2020er Take auf das „Ding aus den Wänden“ jedoch mehr als ich es ablehne. Trotz allgemein sehr glattem Look. Der „Freak“ sieht schön schleimig und fies aus, ist wesentlich böser, unmenschlicher und erbarmungsloser als sein Vorgänger, hat kaum noch „Mitleidsaspekte“, was eigentlich die größte Stärke des Originals war und hier Gore, intergalaktischem Horror und vor allem viel Ekel und Sex geopfert wurde. Über 100 Minuten hätte er ganz klar nicht gehen müssen, manche Szenen in Kellern und Gemäuern sind zu schattig ausgeleuchtet, mit keiner Figur zittert man mit. Aber die Aufmachung samt starker Beleuchtung (blau/rot), die gemeinen und teils sogar bizarren Auswüchse, die wunderschönen Darstellerinnen und dem in-your-face-lovecraft’schen Ansatz kann ich zur Geisterstunde schon etwas abkaufen. Ohne große Ansprüche. Selbst wenn man Letzteres in letzter Zeit, etwa in „The Void“ oder „Underwater“, schon besser gesehen hat und die „Bausubstanz“ das eigentlich nicht unbedingt hergegeben hat, es etwas erzwungen wirken kann. Und ich mich eh frage, ob man das in Zeiten nach „Cabin In The Woods“ überhaupt noch ernst nehmen kann…
Fazit: anders als das Original. Hübscher, bunter und blutiger. Schön in die Zeit der Hipster geholt. Selbst wenn die dreckige und sleazige Art der 90er-Version auf ihre Art geschätzt bleibt. Für einen soliden Mitternachtssnack zwischen Cthulu und Quatsch. Leider nahezu komplett ohne Emotionalität in jedwede Richtung.