Über viele Jahre arbeitete Regisseur Robert Lorenz als Regieassistent für Clint Eastwood, seit 1995 mit „Die Brücken am Fluss“. Diesen Einfluss spürt man deutlich in dem Road-Movie mit Liam Neeson, der so old school ist, dass er schon fast als Hommage an spätere Eastwood-Werke durchgehen könnte.
Vietnamveteran Jim (Neeson) lebt als Rancher im Grenzgebiet von Arkansas und wird eines Tages Zeuge, wie der mexikanische Junge Miguel (Jacob Perez) mit seiner Mutter auf der Flucht vor dem Kartell ist. Während die Mutter ihrer Schussverletzung erliegt, soll Miguel nach Mexiko abgeschoben werden, wo er den Gangstern hoffnungslos ausgeliefert wäre. Jim versucht den letzten Wunsch der Mutter zu erfüllen, um Miguel zur Tante nach Chicago zu bringen, - stets mit dem Kartell im Nacken…
Tatsächlich scheint Neeson als eine Art Ersatz für eine typische Eastwood-Figur herhalten zu müssen, die altmodischer kaum angelegt sein könnte: Zweimal Vietnam und zurück, völliger Verzicht auf technische Hilfsmittel wie Navi oder gar Handy, hier und da ein tiefer Schluck aus der Whiskeyflasche und neben Burgern muss das Steak mindestens noch blutig sein. Natürlich gibt sich der etwas müde erscheinende Held wortkarg, wenn er nicht gerade im Waffenladen einige bürokratische Hürden umgehen möchte, denn zu viele Worte würden den weichen Kern auf dem Präsentierteller offen legen.
Sein junger Begleiter gibt sich allerdings ebenfalls eher zugeknöpft und scheint nur sehr zögerlich eine leichte Vertrauensbasis zu Jim aufzubauen, wodurch der begleitende Hund Jackson noch am ehesten kommunikationsbedürftig erscheint. Die Bösewichte um Anführer Mauricio erfüllen indes alle vagen Klischees, einschließlich latent grimmiger Blicke, wobei Befragte/Zeugen mal eben beiseite geschafft werden, was allerdings stets im Off geschieht.
Eine direkte Konfrontation findet sich erst im finalen Akt, als der Titel zumindest in Ansätzen Sinn ergibt und nach satten 80 Minuten endlich die erste Actionszene zu verzeichnen ist.
Denn über weite Teile fühlt sich der Trip eher wie ein Drama an, bei dem immerhin ein paar Philosophien über Existenzen im Himmel oder moralische Bedenken hinsichtlich des Tötens mit Schusswaffen kurz erörtert werden. Humorige Einlagen oder sonstige Auflockerungen sucht man vergebens und auch auf emotionaler Ebene ereignet sich nicht allzu viel.
Entsprechend retten die Präsenz von Neeson, ein musikalisch hübsch arrangiertes Hauptthema und das solide Handwerk noch ein wenig.
Ansonsten mangelt es schlicht an spannenden Szenen oder überraschenden Einlagen, während sich Neeson körperlich zurückhält und nur gegen Ende in eine Keilerei verwickelt wird, was durchaus glaubwürdig rüberkommt. Jedoch dümpelt der Rest der knapp 110 Minuten ohne wirkliche Höhepunkte vor sich hin und so wirkt der Streifen eher bemüht denn leichtfüßig und eher klischeebeladen denn kreativ.
5,5 von 10