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Der ehemalige Marine Jim Hanson (Liam Neeson) lebt verwitwet auf einer kleinen Ranch in Arizona, nah an der Grenze zu Mexiko. Dem vom Leben enttäuschten Ruheständler, dem neben seinem treuen Hund Jackson nur noch seine bei der Grenzpolizei arbeitende Tochter blieb, steht finanziell das Wasser bis zum Hals, und so bemüht er sich um irgendeinen Hilfsjob, wohlwissend, daß die Chancen dafür in seinem Alter sehr schlecht stehen.
Als er eines Tages wieder mit seinem Pick-up am Grenzzaun entlangfährt, wird er Zeuge, wie eine Mutter mit ihrem etwa 10-jährigen Sohn durch ein Loch im Zaun gerade noch auf die amerikanische Seite kommt, bevor ein Trupp finsterer Typen, die sie verfolgt hatten, die beiden erwischt. Jim, der zunächst die Grenzpolizei verständigen will, sieht sich dann gezwungen, den beiden Flüchtenden zu helfen, da deren Verfolger, Killer eines Kartells, das Feuer eröffnen. Mit knapper Not entkommen sie den Salven, doch Miguels (Jacob Perez) Mutter wird dabei tödlich verwundet - sie kann den alten Mann nur noch bitten, ihrem Sohn zu helfen, der Verwandte in Chicago hat. Jim liefert Miguel bei den Behörden ab, doch als er erfährt, daß der Junge nach Mexiko zurückgeschoben werden soll, überlegt er es sich dann doch anders, holt den Kleinen mit einem Trick aus dem Arrest und nimmt sich vor, ihn nach Chicago zu bringen. Eine Tasche voller Geld, die die Mutter dabeigehabt hat, erleichtert seine Entscheidung - doch das Geld gehört einem mexikanischen Drogen-Kartell. Und die beschließen, sich die Dollars wie auch den Jungen wiederzuholen...

Vielfilmer Liam Neeson erfreut seine Fangemeinde einmal mehr mit einem Streifen über einen einsamen Wolf, der sein gutes Herz unter einer rauhen Schale verbirgt und trotz verfahrener Situation mal wieder alle Register (hier als titelgebender Marksman) zieht - von der Ausgangslage her also ähnlich wie in The Commuter, von der Dramaturgie aber eher wieder wie in Taken - 96 hours, denn die Finsterlinge im schwarzen Van unter der Führung von Mauricio (Juan Pablo Raba) sind zu allem entschlossen und machen keine Gefangenen. Obgleich natürlich von Beginn an kein Zweifel daran besteht, wer am Ende triumphiert, ist es doch ganz unterhaltsam, die Flucht des eher unbedarften Ranchers vor den schwerbewaffneten Killern mitzuverfolgen.

Der weiß nämlich zunächst gar nicht, mit wem er sich da angelegt hat und muß außerdem erst einmal das Vertrauen des kleinen Buben gewinnen, der sich anfangs weigert, zu sprechen. Als der irgendwann sagt, er habe gar keine Lust, in den USA zu sein, muß Jim ihn mit seiner ganzen Kumpelhaftigkeit erst davon überzeugen, daß eine Rückkehr nach Mexiko keine Option darstellt.

Ganz langsam während dieses Road-Movies freunden sich die beiden dann ein wenig an, wobei auch Jackson, der verständnisvoll bellende Mischling, seinen Teil dazu beiträgt. Doch Jim, der von seiner Tochter inzwischen darüber informiert wurde, daß die Gangster seine Ranch niedergebrannt haben, macht sich keine Illusionen, daß dies ein Kampf auf Leben und Tod werden wird. Worauf hat er, der nur über ein Gewehr und einen Colt mit ein paar Patronen verfügt, kein Handy benutzt, mit dem Gebrauch seiner Kreditkarte aber unbemerkt den technisch versierten Verfolgern ständig Hinweise über seinen Aufenthaltsort liefert, sich da nur eingelassen?

Einmal abgesehen von ein paar nicht besonders glaubwürdigen Begebenheiten (wie dem Umstand, daß die US-Polizei so korrupt ist, daß sie nicht nur in Grenznähe mit mexikanischen Kartellen zusammenarbeitet oder daß die Blutspur, die die Killer in den USA hinterlassen, so gar nicht weiter auffällt) ist es ein vergnüglicher Roadtrip, dessen Showdown am Ende in einem einsamen Gehöft stattfindet. Nein, das ist nichts Neues und nichts wirklich Aufregendes, aber dem Anti-Helden Neeson bei der Arbeit zuzusehen macht immer noch Spaß. 7 Punkte.

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