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Lange Zeit galt Amerikanisch-Samoa als schlechteste Fußballmannschaft der Welt, welches in einer WM-Qualifikation die höchste Niederlage ever einfuhr: 0:31 gegen Australien im Jahr 2001. Dass es zwischenzeitlich doch ein paar kleine Lichtblicke gab, offenbart die Sportkomödie des Regisseurs Taika Waititi.

Amerikanisch-Samoa 2011: Der niederländische Trainer Thomas Rongen (Michael Fassbender) muss nach einigen Skandalen kleine Brötchen backen und wird vom Vorstand in die Südsee geschickt, um einen wenig talentierten Haufen von Spielern zu trainieren.
Nach einigen Rückschlägen geht es an die Qualifikation und gegen den Erzfeind aus Tonga…

Beschwingt und betont humorvoll geht Waititi an die Sache heran, in der er selbst eine Gastrolle als Erzähler und Priester übernimmt und bei der bebilderten Niederlage gegen Australien gleich klarmacht, dass hier auf lange Zeit kein Blumentopf zu gewinnen sein dürfte.
Wie auch. Das Außengebiet der US-Amerikaner besteht aus rund 50.000 Einwohnern, also vergleichbar mit kleinen Städten wie Emden oder Bad Salzuflen. Jeder Spieler geht einem eigentlichen Beruf nach, doch mit Jaiyah (Kaimana) findet sich immerhin der erste Transmensch innerhalb einer Nationalmannschaft weltweit.

Leider werden die einzelnen Spieler mehrheitlich oberflächlich eingeführt, sie stehen eher als Kollektiv der Verlierer. Jedoch ist dies ein durch und durch sympathisches. Die Typen haben die Ruhe weg, was sich vor allem anhand ihres Präsidenten Tavita (Oscar Kightley) herauskristallisiert, der den Trainer lediglich um ein Tor bittet, dieses aber so vehement, dass es zum Running Gag wird.

Der harmlose, aber sehr charmante Humor ist ebenfalls ein Merkmal des Stoffes. So wird jeder Ankömmling per Flugzeug unweigerlich in die hiesige TV-Sendung „Wer sitzt im Flugzeug?“ integriert, während Polizisten ihre Sirene auch schon mal per Lautsprecher imitieren müssen. Anbei gibt es natürlich zahlreiche Trainingssequenzen, die mit allerlei Anleihen an ältere Filmklassiker des Subgenres aufwarten, allen voran „Karate Kid“.

Natürlich ist das Konzept der sportlichen Underdogs hinlänglich bekannt und dieses wird auch hier komplett nach üblichem Schema abgehandelt, einschließlich einiger Querelen und finaler Pathos-Rede. Zum Showdown steigt die Chose schließlich in den Wettbewerb und ins entscheidende Spiel ein, was zwar nur bedingt spannend ausfällt, jedoch eine gewisse Begeisterung überschwappen lässt und weitgehend dynamisch inszeniert ist.

Darstellerisch ist bei alledem nichts anzukreiden. Fassbender performt mit vollem Körpereinsatz als Choleriker am Spielfeldrand, weiß aber auch innerhalb der nachdenklich stimmenden Momenten vollends zu überzeugen. Der Rest der treffend besetzten Kompanie ist ebenfalls mit sichtlicher Spielfreude dabei, was sich unweigerlich aufs Publikum überträgt und den Streifen schon deshalb zu einem kurzweiligen Vergnügen macht.
Kein herausragender Vertreter des Subgenres, doch ein wohl gelaunter, der für eine angenehme Zeit sorgt.
6,5 von 10


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