Review

Staffel 1 - 7,5/10

Staffel 1


Die Schwere des Schildes

Nachdem das Universum fürs Erste gerettet, der nun alte Captain America sein Schild abgegeben und die Welt dennoch in Aufruhr scheint, müssen Falcon/Sam Wilson und der Winter Soldier/Bucky Barnes zusammenarbeiten, um nicht nur das Erbe ihres Freundes zu klären/erhalten, sondern um die Welt nicht wieder gänzlich in Krieg und Chaos stürzen zu lassen... Nachdem mit „WandaVision“ in weiten Teilen bravurös neue Wege und Möglichkeiten im MCU über das TV erschlossen wurden, geht’s nun mit diesen beiden bisherigen Sidekicks eher wieder back to the roots. Das aber nicht viel weniger eindringlich oder emotional. Plus einige Überraschungen gibt es trotz klassischerem Ansatz natürlich dennoch. 

Was kann die Miniserie „The Falcon & the Winter Soldier“? Werden Fans zufriedengestellt? Wo geht sie wichtige, neue Wege? Und wo fällt sie vielleicht zu sehr in ausgetretene Pfade?

CAPTAIN AMERICA
+ endlich mal mehr Spotlight für zwei bisher viel zu kurz/flach gekommene Fanlieblinge
+ Sam/Falcon/Mackie wächst zusehends und passend zur Story in seiner Rolle
+ politische und gesellschaftskritische Themen klar und deutlich und passend zur Captain America-Storyline/zum Erbe der Figur 
+ Baron Zemo/Daniel Brühl brilliert und stiehlt einige Szenen oder gar Folgen (ich sage nur Disco!)
+ sehr ambivalente „Bösewichte“ (inklusive dem neuen Captain America John Walker)
+ führt das Erbe der Cap-Trilogie gut fort 
+ hält den hohen (wenn auch manchmal etwas eintönig wirkenden) Standard des MCU
+ Isaiah Bradley! (selbst wenn er etwas kurz kommt) 
+ Buckys Storyline (zumindest anfangs) sehr emotional und erschütternd 
+ Zukunft des Franchise gerettet
+ macht neugierig auf Mehr/folgende Entwicklungen 
+ Look und Action und Effekte nahezu auf Marvel-Kinoniveau!
+ aktuell und relevant; mutige aber unumgängliche Themen (und dabei meine ich nicht nur Rassismus)
+ feine Scoremomente aus dem ganzen Franchise 
+ sehr düstere und erwachsene Momente (Walkers „Mord mit Schild“)
+ Fans vom zweiten Cap-Film, dem echt tollen „The Return of the First Avenger“, kommen auf ihre Kosten
+ macht Lust auf mehr Serien aus dem MCU (wovon ja nun nahezu dauerhaft welche kommen)
+ cooler neuer Falcon/Cap-Anzug am Ende!
+ viele Aha!-Momente für Comicfans; ebenso wie Überraschungsmomente für eben die
+ wie immer beim MCU: Easter Eggs galore!
+ kaum Längen bei nur sechs Folgen
+ fühlt sich an wie ein massiver Marvel-Kinofilm
+ hat etwas zu sagen - auch wenn’s nicht allen gefällt (und er sich manchmal übernimmt/verhaspelt)
+ coole Chemie zwischen Bucky und Sam
+ alles (trotz hohen Produktionsstandards) nun kleiner, intimer und persönlicher nach „Endgame“

US AGENT
— Ziele/Gründe der Bösewichte nicht immer komplett nachvollziehbar/sehr grob 
— brauchte für mich etwas Anlaufzeit 
— keine echten Überraschungsgäste
— manchmal merkt man, dass eine große Storyline (über einen aerosolen Virus!) aus bekannten Gründen geschnitten/geändert wurde— nicht annähernd so kreativ und anders wie „WandaVision“
— manche Stränge und Subplots erstaunlich flach 
— manche Themen und Konflikte bekommen nicht genug Raum zum Atmen und Wirken
— für Leute die eher Spektakel suchen falsch
— über manche Charakterentscheidungen kann man streiten (ich mochte z.B. den Umgang/die vorerstige Begnadigung von Walker)

Fazit: im Kern tief in der Realität (!) und unseren inneren wie äußeren, menschlichen, gesellschaftlichen sowie politischen Konflikten verwurzelter „Langfilm“ getarnt als Miniserie. Die mehr als benötigte Tiefe für zwei sympathische Nebenfiguren im MCU ist beeindruckend abgeliefert. Packend in seiner Konsequenz und Vielschichtigkeit. Wenn auch manchmal mehr Schein als Sein. Plus eventuell sogar nachteilig coronageplagt/verändert. (7,5/10)

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