Review

GODZILLA No. 22

GODZILLA VS. DESTOROYAH

(GOJIRA VS DESUTOROIA)

Takao Okawara, Japan 1995

Vorsicht – das folgende Review enthält SPOILER!

Mit dem vorliegenden Film sind wir bereits am Ende der Heisei-Ära des Großen Grünen angelangt. Die Tōhō Company hatte seinerzeit mit TriStar Pictures vereinbart, ihr Kultmonster vorerst pausieren zu lassen, damit die Amerikaner ungestört beziehungsweise ohne unmittelbaren Konkurrenzdruck eine eigene Godzilla-Trilogie veröffentlichen konnten. Godzilla vs. Destoroyah (im Original Gojira vs Desutoroia) sollte deshalb der letzte japanische Godzilla-Streifen bis zum Jahr 2005 sein. Heute wissen wir, dass es anders kam: Roland Emmerichs US-Godzilla war ein Debakel und erregte weltweit den Unmut der Filmfreunde, sodass die geplante Trilogie in Wasser fiel und man im Hause Tōhō schon 1999 den nächsten eigenen Godzilla-Film produzieren konnte, der allerdings nicht mehr der Heisei-Reihe zugeordnet wird, sondern den Beginn einer dritten Leinwand-Epoche des Großen Grünen markiert – der sogenannten Millennium-Reihe. Aber das ist eine andere Geschichte. Betrachten wir zunächst Godzillas in Sachen Absurdität wirklich denkwürdigen (vorläufigen ...) Abschied.

Noch vor der Titeleinblendung werden wir Zeuge einer Naturkatastrophe: Die pazifische „Baas-Insel“, auf der Godzilla friedlich mit seinem Adoptivsohn Little Godzilla lebt, versinkt aufgrund eines Vulkanausbruchs im Meer. Nun sind sie verschwunden – die Insel, Godzilla und Little Godzilla.

Und schon hat unsere Segelohr-Telepathin Miki Saegusa ihren ersten Auftritt: Sie macht sich Sorgen, vor allem um Little Godzilla. Es herrscht Telepathie-Funkstille. Um Godzilla muss sie sich allerdings keine Sorgen machen, zumindest nicht dahin gehend, dass er beim Inseluntergang sein Leben lassen musste – er taucht nämlich putzmunter in Hongkong auf und zertrümmert ohne ersichtlichen Grund die halbe Stadt. Vermutlich hat er einfach schlechte Laune, weil er sich nicht wohl fühlt, denn, jetzt kommt’s ... er glüht (!!!)!

Daraufhin wird in Japan sofort eine Konferenz einberufen, auf der man feststellt, dass die Baas-Insel aufgrund einer durch die Vulkaneruption hervorgerufenen Uranspaltung (!) so mir nichts, dir nichts in kürzester Zeit verschwunden sei. Darüber hinaus holt man sich fachliche Unterstützung aus Amerika – in einer Live-Schaltung erklärt ein gewisser Doktor Marvin, dass Godzilla vermutlich „von einer Art Kernkraftwerk anstelle eines Herzen angetrieben wird“ (!!!) und in diesem Reaktor gerade „gravierende Veränderungen“ ablaufen. Zudem verweist er auf den japanischen College-Studenten Kenichi Yamane, der eine bemerkenswerte wissenschaftliche Arbeit über Godzilla geschrieben habe und in Fachfragen eine große Hilfe sein könne.

Man sucht diesen geheimnisvollen Wunderstudenten auch sofort auf, aber er hat keine rechte Lust darauf, die Reihen der G-Force zu stärken. Erst als er erfährt, dass Miki Saegusa dort arbeitet, kann er plötzlich gar nicht schnell genug einsteigen. Mmh. Kenichi Yamane hat übrigens renommierte Verwandte: Sein Vater war der Adoptivsohn von Professor Yamane, der im Ur-Godzilla von 1954 für paläontologische und weitere wissenschaftliche Fragen zuständig war, und seine Schwester Yukari Yamane ist eine bekannte Fernsehjournalistin. Wir lernen sie auch sogleich kennen beziehungsweise dürfen ein Interview verfolgen, das sie mit dem genialen Universalwissenschaftler und Nobelpreisträger Doktor Kensaku Ijuin führt. Der hat gerade den „Mikrosauerstoff“ (!!) erfunden, das heißt, er konnte Sauerstoffatome „mikronisieren“, weshalb nun beispielsweise Sauerstoffflaschen kleiner sein könnten, mit Mikrosauerstoff „gefütterte“ Fische hingegen größer würden. Allerdings muss er infolge kritischer Nachfragen einräumen, dass seine Erfindung auch als gefährliche Waffe eingesetzt werden könnte.

Kurz darauf führt Yukari ein Gespräch mit ihrer Tante Emiko Yamane (ja, die Professorentochter aus dem Ur-Godzilla!), welche die TV-Ausstrahlung des Interviews verfolgt hat und nun meint, dass Ijuins Mikrosauerstoff jenem „Oxygen-Zerstörer“, mit dem seinerzeit Doktor Serizawa den ersten Godzilla töten konnte, sehr ähnlich sein könne – und damit „vernichtender als jede Nuklearwaffe“. Er dürfe um Himmels willen niemals missbraucht werden. Bei einem weiteren Treffen mit Yukari bestätigt Doktor Ijuin, dass er für seine Forschungen auch ein paar alte Serizawa-Arbeiten verwendet hat, meint aber, dass dem Fortschritt keine „Gefühlsduselei“ im Weg stehen dürfe.

Im Meer vor Taiwan geschieht derweil Unerhörtes: Die Wassertemperatur steigt auf „60 bis 70 Grad“! Der Grund dafür ist schnell ausgemacht – er heißt Godzilla. Der glüht nämlich immer noch fleißig und bringt damit gewissermaßen das Meer zum Kochen. Was nun? Die nächste Sonderkonferenz bringt ein paar neue, höchst beunruhigende und an Blödsinnigkeit kaum noch zu überbietende Erkenntnisse. Das Wort führt Teenager Kenichi Yamane, der offenbar mehr Sachkenntnis besitzt als die versammelte Weltelite der Godzilla-Forschung (schließlich tagt hier das „United Nations Godzilla Countermeasures Center“, dessen militärischer Arm die G-Force ist), und was er sagt, ist denkwürdig. Er sagt nämlich Folgendes: „Wie Sie inzwischen wissen, ist Godzillas Radioaktivität seine Energiequelle, aber sein Kraftwerk muss natürlich durch Luft und Wasser gekühlt werden. Der Vorfall von Baas Island hat jedoch seinen Gehalt an Radioaktivität dramatisch erhöht. [...] Godzillas Kraft wird zunehmen und am Ende wird er ... explodieren.“ Echt jetzt. Godzilla wird explodieren (!!)! Aber es geht noch viel hanebüchener, denn Kenichis Mitarbeiterin Meru Ozawa ergänzt: „Nach unseren Berechnungen wird sich die Erdatmosphäre aufheizen und dann explodieren und sämtliche Materie wird verdampfen.“ OmG. OmG. Ich wiederhole das noch einmal, damit ein Irrtum ausgeschlossen ist: „Nach unseren Berechnungen wird sich die Erdatmosphäre aufheizen und dann explodieren und sämtliche Materie wird verdampfen.“ Dafür fehlen mir die Ausrufezeichen. Derweil steht immer noch die eingangs gestellte Frage: Was tun? Natürlich weiß nur Teenager Kenichi Rat: Mit was auch immer auf Godzilla schießen dürfe man nicht, denn das würde „eine Explosion geben, die den ganzen Planeten vernichtet.“ Stattdessen müsse das Monster so getötet werden wie schon der erste Godzilla – also mit dem Oxygen-Zerstörer.

Doktor Ijuin ist unterdessen mit etwas anderem beschäftigt: Er untersucht Bodenproben, die auf einer Tunnelbaustelle entnommen wurden. Diese Baustelle befindet sich nun, was für ein Zufall, genau über jenem Ort, an dem vor vierzig Jahren der erste Godzilla sein Ende fand – an ihnen muss doch etwas Besonderes sein. Und ja, es ist auch etwas Besonderes an ihnen, aber leider nichts Gutes: Eine augenscheinlich noch recht vitale „Lebensform aus dem Präkambrium“, die sich in einer der Proben befand, frisst sich durch das Glas des Probenbehälters, gelangt wie auch immer ins Abwasser und mit diesem wie auch immer in das Wasser eines großen Aquariums, wo sie die dort wohnenden Fische bis auf die Gräten auffrisst. Das ist freilich noch harmlos im Vergleich zu dem, was bald folgt: „Unbekannte Lebensform im östlichen Industriegebiet!“, lautet die Meldung, mit der ein Großeinsatz von Spezialkräften ausgelöst wird, und wie zu erwarten treiben sich im „östlichen Industriegebiet“ die präkambrischen Ausreißer und Fischfresser herum. Aus den einst winzigen Organismen sind allerdings inzwischen drei Meter hohe, abscheuliche und aggressive Riesenkrebse heranmutiert, die schon allerlei Zerstörungswerk vollbracht haben. Die angerückten Spezialkräfte sind den Krustentieren indes nicht wirklich gewachsen und müssen im Verlauf eines generischen Durch-irgendwelche-Gänge-Gelatsches herbe Verluste einstecken.

Auch Yukari, die natürlich für ihren Sender vor Ort berichten will, gerät schwer in Bedrängnis – das Auto, in das sie sich in höchster Not geflüchtet hat, wird von einem der Krustenkiller Stück für Stück zerlegt, bis die schon dem Tod geweihte Journalistin in letzter Sekunde von Doktor Ijuin gerettet werden kann, der ebenfalls nicht fehlen darf, wenn es um was auch immer geht. Obwohl der Ärger mit den hässlichen Aggro-Krebsen noch nicht vorbei ist, schalten wir aber um zu einem noch brennenderen Brennpunkt: Godzilla taucht auf und steuert ein Kernkraftwerk an. Wenn einer etwas dazu sagen kann, dann ist das Kenichi, und der sagt: „Ich glaube, seine Radioaktivität ist jetzt so intensiv, dass er mehr nukleare Energie braucht.“ (Himmelherrgott, was für ein Quatsch!) Von dieser Erkenntnis bleibt Godzilla freilich nicht stehen, und so darf nun endlich auch das Militär ein wenig mitmischen und den Steuerzahlern seine Nützlichkeit beweisen: Es bringt die neue Superwaffe „Super X III“ zum Einsatz. SX III, so wird’s geschrieben, ist ein Spezialflugzeug, das eigentlich bei Unfällen in Kernkraftwerken Verwendung finden soll und daher „Waffensysteme“ ohne Sprengköpfe mit sich führt. Es handelt sich um „Gefrierwaffen“ in Form der guten alten Cadmiumraketen (mit denen bereits im Heisei-Start Godzilla – Die Rückkehr des Monsters herumgeschossen wurde, dort hießen sie aber noch Granaten) und einer „Ultraniedrigtemperaturlaserkanone“, die Materie bis auf minus 200 Grad Celsius abkühlen kann. Kurz: Man will Godzilla schockfrosten, bevor er am Kernkraftwerk herumfummelt. Gesagt, getan ... und tatsächlich gelingt es, den Großen Grünen durch den fein aufeinander abgestimmten Einsatz von Ultraniedrigtemperaturlaserkanone und Cadmiumraketen einzufrieren. Kenichi ist zufrieden und hält das Schlimmste für überstanden.

Kurz darauf ist dann auch Miki (die jetzt eng mit der in Amerika ausgebildeten Paläontologin und Telepathin Meru Ozawa zusammenarbeitet) zufrieden: Little Godzilla taucht auf! Er ist also nicht beim Untergang von Baas Island verstorben. Und er hat sich sehr zu seinen Gunsten verändert: Ein Jahr nach den Spacegodzilla-Abenteuern ist er kein Gummi-Teletubbie mehr, sondern eine stattliche, sprich 40 Meter hohe und auch schon angemessen grimmig aussende Riesenechse, die von nun an „Godzilla junior“ heißen wird. Sehr schön. Er hat nun den Weg zum Beringmeer (immerhin sein Geburtsort) eingeschlagen, und man geht davon aus, dass ihm Godzilla folgen wird (Kenichi führt übrigens in diesem Zusammenhang aus, dass Godzilla und Godzilla junior zu gleichen Spezies gehören, was unserem bisherigen Wissen eindeutig widerspricht – in Godzilla vs. Mechagodzilla II hieß es, dass der damalige „Babygodzilla“ einer anderen Spezies der „Godzilla-Familie“ angehört).

Tatsächlich ist Godzilla sehr schnell wieder aus seinem kurzen Kälteschlaf erwacht und leidet nun nach neuesten Messungen an einer Körpertemperatur von 900 Grad Celsius! Das sieht nicht gut aus, und Super-College-Genie Kenichi, der einem übrigens von Szene zu Szene mehr auf den Wecker geht, bestätigt augenblicklich die schlimmsten Befürchtungen: „Sein Reaktor geht voll in die Brüche – er gerät außer Kontrolle.“ Infolgedessen werde es im Großen Grünen zu einer Kernschmelze (!!!) kommen: „Zuerst wird sein Herz, der Reaktor, schmelzen, dann sein äußerer Körper. Es wird nichts übrig bleiben.“ Und Meru Ozawa kann auch hier noch einen draufsetzen: „Aber wenn er schmilzt, wird er auch die Erde vernichten.“ Im Lagezentrum einigt man sich darauf, dass das wie beim China-Syndrom sei, aber schlimmer ... und überhaupt: „Eine Kernschmelze ist das schlimmstmögliche Szenario, schlimmer als eine Explosion.“ Da also, wie wir wissen, die Explosion schon die ganze Erde vernichten würde, schwebt nun möglicherweise sogar das ganze Sonnensystem in Lebensgefahr ...

Kenichi ist derweil auch in Sachen Vernichtungszeitpunkt sofort und als Einziger aussagefähig: „Ich habe berechnet, dass er (also Godzilla, d. V.) bei 1200 Grad schmelzen wird.“ (!!) Bei einem erwarteten Temperaturanstieg von täglich 50 Grad (ich würde mich allerdings nicht darauf verlassen ...) hat man somit noch sechs Tage Zeit, um die Erde und wenn notwendig auch das Sonnensystem zu retten. Viel Glück.

Anderenorts ist man unterdessen dabei, erst einmal das östliche Industriegebiet zu retten: Doktor Ijuin war nämlich nicht untätig und hat tatsächlich eine Mikrosauerstoffwaffe konstruiert, die man nun gegen die lästigen Drei-Meter-Krebse einsetzt, unterstützt von der anscheinend vollständig versammelten japanischen Armee, die mitballert, bis die Panzerrohre glühen. Das führt sehr wohl zu einigen Todesfällen unter den mutierten Gästen aus dem Präkambrium, doch dann geschieht wieder etwas Ungeheuerliches: Die verbliebenen Killerkrebse vereinigen sich zu einem einzigen riesigen Organismus! Mit dem aber ist überhaupt nicht zu spaßen – er macht Militär und Mikrosauerstoffwaffe per Energiestrahl ruck, zuck unschädlich. Und dann kommt der Punkt, an dem man die Veranstaltung selbst als mitdenkwilliger Zuschauer nicht mehr verstehen kann, denn als Doktor Ijuin die neue Riesen-Urzeitkrebs-Mutation sieht, spricht er die kryptischen Worte: „Ein Oxygen-Zerstörer. Er kann jede Materie vernichten, seine Kraft ist überwältigend. Destroyer.“ Ähm ... ??? Dieses neue Monster ist jetzt der Oxygen-Zerstörer (das war doch bei Serizawa eine Substanz in einer Kapsel ...)??? Und warum klingt es, als wäre ihm dieser „Destroyer“ bereits gut bekannt? Tatsächlich aber erzählt der Leiter der G-Force, in deren Lagezentrum man das Treiben am Bildschirm verfolgt hat, den gleichen Blödsinn wie Doktor Ijuin: „Das ist ein Oxygen-Zerstörer.“ Auf die Frage, ob dieser von Menschenhand geschaffen worden sein könnte (wie das, zum Kuckuck, wie das??), bekommt er keine Antwort, denn Super-Genie Kenichi hat schon wieder viel weiter gedacht und verkündet: „Ich denke nur eins: Dass nur dieses Monster die Kernschmelze verhindern kann.“ Nein, jetzt kann ihm wirklich niemand mehr folgen, und leider erklärt er uns und seinen Kollegen auch nicht, auf welche Weise der „Destroyer“ respektive Destoroyah (in der deutschen Synchro bleibt man bei „Destroyer“) Godzillas Kernschmelze verhindern soll. Wenn’s der Teenager sagt, wird’s schon stimmen, und so geht man die Weltrettung nach seiner Idee an: Man will Godzilla und Destoroyah aufeinander loslassen.

Da Destoroyah inzwischen in Tokio herumfliegt und urbane Trümmerfelder erzeugt, muss Godzilla dorthin gelockt werden – das soll wiederum dadurch erfolgen, dass man Godzilla junior telepathisch nach Tokio dirigiert, in der Hoffnung, dass ihm sein Pflegevater folgt. (Mir geht gerade Folgendes durch den Kopf: Wie wäre es eigentlich, wenn sich Godzilla und Destoroyah gar nicht prügeln, sondern lieber Kumpels sein wollen?) In Sachen Telepathie ist natürlich Miki Saegusa gefordert, aber die will keinesfalls schon wieder ihr Lieblingsmonster als Lockvogel verheizen (wie bereits in Godzilla vs. Mechagodzilla II geschehen – das Skript sollte sich schämen!). Dumm nur, dass ihre Meinung keinen interessiert – die telepathische Arbeit wird nun zuvorderst von ihrer Kollegin Meru Ozawa übernommen und Miki bleibt nur mehr eine Art Helferrolle. Kein Zweifel: Ihre große Zeit ist vorbei.

Godzilla junior wird also plangemäß nach Tokio gelockt und trifft dort auf Destoroyah. Die beiden wollen schon mal keine Kumpels werden und liefern sich eine wüste Prügelei, wobei der Junior eine überraschend gute Figur macht – nachdem er seinen Gegner in eine Fabrik gedonnert hat (die vor Freude gleich zweimal explodiert), scheint der Kampf sogar gewonnen zu sein. Godzilla senior, der gerade rot glühend und ebenfalls plangemäß eintrifft, hat nichts mehr zu tun. Vorerst ... denn jetzt mutiert Destoroyah schon wieder und wächst zu einem noch größeren Monstrum heran (wobei die Fabrik gleich noch zweimal explodiert).

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse regelrecht, denn über die Monsterklopperei hinaus bleibt ja auch noch das kleine Kernschmelzen-Problem – derzeit beträgt Godzillas Temperatur bereits 1140 Grad Celsius und scheint schneller anzusteigen als erhofft. Verblüffenderweise ist es jetzt nicht Kenichi Yamane (warum nicht?), sondern Doktor Ijuin, der sagt, was getan werden muss: Wenn schon die Schmelze nicht verhindert werden könne, so sei es doch möglich, ihre Auswirkungen abzuschwächen, indem man Godzilla im richtigen Moment, also genau zum 1200-Grad-Celsius-Zeitpunkt, einfriert (wieso ... ach, Schwamm drüber). Also solle man schleunigst das SX-III-Spezialflugzeug mit seiner Ultraniedrigtemperaturlaserkanone startklar machen. Die G-Force tut, wie ihr geheißen, und während SX III auf den Einsatz vorbereitet wird, sind die Monster an der Reihe und dürfen sich gegenseitig in Tokios Hochhäuser werfen und mit Strahlen befeuern.

Für Godzilla junior sieht es dabei mies aus – er ist einfach noch nicht des neuen Riesen-Destoroyahs Gewichtsklasse, wird von diesem aus großer Höhe in ein Gebäude geworfen und verstirbt an seinen Verletzungen, obwohl Miki sagt: „Junior darf nicht sterben!“ Godzilla ist nun natürlich noch ungehaltener als er’s ohnehin schon war, und so liefert er sich auf dem Flughafengelände einen brachialen Kampf mit Destoroyah – hellgrünes Blut spritzt (gute hundert Meter weit!), Gebäude um Gebäude stürzt ein, eine Fernfiebermessung bei Godzilla zeigt 1168 Grad Celsius, die Ultraniedrigtemperaturlaserkanone im SX III ist einsatzbereit, Destoroyah verwandelt sich kurzzeitig in eine Horde Drei-Meter-Krabbenmonster, die Godzilla schwer zusetzen, wird dann aber plötzlich doch wieder zu Destoroyah und muss sich schließlich vom unmittelbar vor seiner Kernschmelze stehenden Godzilla lebensgefährlich verletzen lassen. Als er daraufhin abhebt und sich zurückziehen will, gibt man ihm aus dem SX III heraus mit der Ultraniedrigtemperaturlaserkanone und der Ijuin’schen Mikrosauerstoffzerstörungswaffe den Rest. Destoroyah segnet das Zeitliche.

Und Godzilla? Der ist bald 1198 Grad Celsius heiß ... 1199 ... 1200 – die Kernschmelze beginnt! Aber SX III ist pünktlich zur Stelle und der glühend zerrinnende Riese kann so weit heruntergekühlt werden, dass wirklich nur er schmilzt und nicht gleich das ganze Universum mit ihm. Und dann ist er weg, der Große Grüne, und Miki Saegusa sagt: „Meine Arbeit ist jetzt getan, Godzilla.“ Darüber sollte sie vielleicht noch einmal nachdenken, denn ... umgeben von blauem Licht und Nebelschwaden erhebt sich Godzilla junior, dem (beziehungsweise seinem Leichnam) Godzilla kurz vor dem Finalkampf noch etwas Energie eingehaucht hatte, aus den Trümmern Tokios. Wir sehen nur seine Silhouette, und die ähnelt nun verdächtig derjenigen seines gerade aus dem Leben geschmolzenen Anverwandten ...

OmG. OmG. Uns wurde im Verlauf der vorangegangenen 21 Godzilla-Streifen ja wirklich schon eine gewaltige Menge Unfug aufgetischt, aber was Takao Okawara in seiner dritten Godzilla-Regiearbeit (nach Godzilla – Kampf der Saurier-Mutanten und Godzilla vs. Mechagodzilla II) und das Skript von Kazuki Ômori (nach Motiven der Stories „Gojira tai Juniagojira“ von Kaoru Kamigiku, „Gojira tai Barubaroi“ von Kôichi Kawakita und Hideki Oka, „Supesugojira no Gyakushu“ von Yosuke Nakano, „Gojira tai Gojira“ von Shinji Nishikawa, „Gojira tai Gosuto Gojira“ von Shogo Tomiyama und „Gojira no Gyakushu“ von Minoru Yoshida – echt jetzt), was also Takao Okawara und Kazuki Ômori hier auffahren, schlägt nun wirklich dem Fass den Boden aus und sollte selbst Kaijū-Eiga-Routiniers und trashgestählte Zuschauer bis an die äußersten Grenzen ihrer Blödsinnverarbeitungsfähigkeit treiben. Ein mutierter und nunmehr glühender Riesensaurier, der anstelle des Herzens einen Kernreaktor hat und zu explodieren droht, ist ja schon der Gipfel der Absurdität, aber dass diese Explosion auch noch den ganzen Planeten Erde ins Verderben reißen und alle Materie verdampfen lassen würde ... nein, angesichts derartig halsbrecherischer Ideen kapituliert ein normal arbeitendes Gehirn. Hinzu kommt aber auch noch der hanebüchene Käse rund um den „Mikrosauerstoff“, bei dem sich das Skript überdies (zumindest erzählerisch) leidlich verfranzt beziehungsweise die Kontrolle über den selbst verzapften Nonsens verliert: Eigentlich sollte Doktor Ijuin ja eine Mikrosauerstoff-Waffe bauen, was er aber in seinem Labor zusammenfriemelt, ist für den Einsatz gegen Mikrosauerstoff (offenbar ein Bestandteil der Krebse) gedacht – der nämlich soll auf minus 183 Grad abgekühlt werden, die Temperatur, bei der er flüssig und wirkungslos wird. Aber Himmel, es gibt doch schon die Ultraniedrigtemperaturlaserkanone, die Materie auf minus 200 Grad abkühlen kann! Wozu der ganze Zirkus? Na gut – lassen wir lieber die Finger von der Handlung. Im Rahmen des hier verübten Massakers an Physik, Chemie, Biologie und gesundem Menschenverstand nach der Konsistenz von Details fragen zu wollen, ist genauso idiotisch wie glühende Reptilien kurz vor ihrer Kernschmelze. Oder „mikronisierte“ Sauerstoffatome ...

Diesen ganzen Unsinn rechne ich Godzilla vs. Destoroyah allerdings keineswegs als Schwäche an – im Gegenteil: Ich liebe Unsinn, und von daher kann Takao Okawaras Heisei-Abschlussfilm schon mal eine vorläufige Rekordmenge an Pluspunkten einsammeln. Aber eben nur vorläufig, denn viele davon gehen leider mit Blick auf andere Aspekte dieses Streifens wieder flöten. So räumt auch Godzilla vs. Destoroyah den menschlichen Beteiligten wieder relativ viel Zeit ein, aber es geschieht nichts, rein gar nichts, was den Zuschauer mit ihnen verbinden oder überhaupt nur annähernd an ihnen interessieren könnte (auch der gut gemeinte, aber ungelenke Versuch, einen Handlungsbezug zum Ur-Godzilla herzustellen, will nicht zünden). Die meisten von ihnen stehen oder sitzen lediglich im G-Force-Center herum und führen dienstliche Dialoge, von denen man bestenfalls nicht glauben kann, dass man sie gehört hat, ansonsten jedoch eher gelangweilt wird. Kenichi Yamane zum Beispiel hält sich ausschließlich an seinem dortigen Arbeitsplatz auf – und geht einem wie schon angedeutet sehr schnell mit seiner penetranten Alleswisserei auf die Ketten. Eine wirklich bescheuerte Figur, die keinen Deut weniger Verdruss erzeugt als die nervigen Kinderprotagonisten der Shōwa-Ära. Sie sollte vermutlich ein jugendliches Publikum ansprechen – anders ist dieser Missgriff nicht zu begründen. Ein Missgriff bleibt’s freilich auch mit Begründung. Mit Doktor Ijuin haben wir sogar noch einen zweiten Alleskönner, aber er ist schließlich auch Nobelpreisträger und kein Teenie aus dem College. Er darf also schlau sein. Mehr als „schlau“ bleibt über ihn freilich auch nicht zu sagen – in der Anfangsphase wird leise angedeutet, dass sich eine Liaison zwischen ihm und der TV-Reporterin Yukari entwickelt, aber nachdem er sie vor dem erwähnten aufdringlichen Killerkrebs gerettet hat, ist das Thema Beziehung für immer abgegessen. Yukari Yamane ist ihrerseits auch ausschließlich dienstlich unterwegs (selbst in ihren Szenen mit Doktor Ijuin) und darin furchtbar langweilig – immerhin kann man aber froh sein, dass sie nicht nervt, denn Journalistinnenrollen werden nur allzu gern zum veritablen Ärgernis.

Ein Fall für sich ist Miki Saegusa. Nachdem sie im Vorgänger Godzilla vs. Spacegodzilla endlich einmal einen Hauch von Persönlichkeit mit auf den Weg bekommen hatte und sogar mit einem jungen Mann Händchen halten durfte (!), ist sie hier wieder nur bei der Arbeit. Selbst mit der will es aber nicht mehr so recht laufen – Miki ist aufgrund schwindender übersinnlicher Kräfte kaum noch als Telepathin zu gebrauchen und gerät bald vollkommen in den Schatten ihrer neuen Kollegin Meru Ozawa, die im Ernstfall auch ganz klar sagt, wo’s langgeht. Meru äußert schon im ersten Gespräch mit Miki, dass sie ihre übersinnlichen Kräfte eher als lästig empfindet und sich ein ganz normales Leben mit Mann und Kindern wünscht. Damit haben wir über sie schon mehr erfahren als über Miki Saegusa in nunmehr fünf aufeinanderfolgenden Filmen. „Ich habe Angst“, sagt Miki in diesem Gespräch, aber dabei bleibt’s. Sie begründet es mit keinem Wort. Und später hören wir Sätze von ihr wie: „Junior darf nicht sterben!“, „Junior, steh auf!“ oder „Godzilla!“ Das ist herzlich wenig. Mit den Menschen wird man in Godzilla vs. Destoroyah also definitiv nicht glücklich, aber für das Glück des Filmfreunds sind im Kaijū Eiga auch in erster Linie die Monster verantwortlich, und die tun, was sie können.

Es gibt schon mal die originellen Auftritte der Drei-Meter-Krebse, einen Solokampf Godzilla juniors gegen den „mittleren“ Destoroyah und die finale Auseinandersetzung der Godzilla-Family mit dem „vollendeten“ Destoroyah. Qualitativ ist dabei alles im Lot (wobei die Kämpfe natürlich umso besser und furioser ausfallen, je weiter das Geschehen vorangeschritten ist), aber in Sachen Quantität schleift’s doch ein wenig. Dabei nimmt allein das Finale insgesamt gut zwanzig Minuten ein – dumm ist nur, dass die Monsteraction immer wieder unterbrochen wird, weil die Pappnasen im G-Force-Center noch irgendetwas zu sagen haben, vielfach der SX-III-Pilot im Bild ist und zu allem Übel auch noch Miki und Meru gerettet werden müssen, die natürlich mitten im Kampfgebiet mit ihrem Hubschrauber bruchlanden (was zu Déjà-vu-Gefühlen führt, denn just im Vorgängerfilm Godzilla vs. Spacegodzilla war Miki mit ihrer dortigen Begleiterin ebenfalls mitten im Finale auf dem Schlachtfeld unterwegs). Die effektive Monster-Screentime ist also bei Weitem nicht so groß, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. Dafür sind die Kämpfe jedoch sehr intensiv und wuchtig – wenn sich die Monster gegenseitig in Tokios Hochhäuser wuchten, dann hat das in Teilen schlichtweg Ewigkeitswert. Wie schön übrigens, dass die Stadt rechtzeitig evakuiert wurde ... bei einem Godzilla-Auftritt pro Jahr sollte sie eigentlich auch gleich dringend evakuiert bleiben (abgesehen davon, dass es mit der verfügbaren Wohnsubstanz ohnehin mau aussieht – fairerweise wechseln sich die Städte aber auch einmal ab). Für die Bewohner der Monsterkampfschauplätze interessiert sich der Kaijū Eiga freilich traditionell nicht – von zivilen Opfern ist nur im Ur-Godzilla und in Yoshimitsu Bannos „Außenseiter“ Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster die Rede, ansonsten scheint immer alles glimpflich abzulaufen. Im vorliegenden Fall denkt das Skript immerhin an so etwas: G-Force-General Aso ruft ungefähr drei Minuten vor der fettesten Monsterklopperei irgendwo an und bittet kurz darum, dass Tokio im Umkreis von 200 Meilen (!!) evakuiert wird ... Ein Glück, dass Tokio so ein winziges Nest ist. Andererseits möchte man meinen, dass angesichts einer zu erwartenden Erdatmosphärenexplosion mit vollständiger Materieverdampfung oder der bevorstehenden erdvernichtenden Kernschmelze gar nicht mehr umständlich evakuiert werden muss ...

Damit sind wir auch gleich wieder beim Thema: Verglichen mit der an Tragweite nicht mehr zu überbietenden Bedrohung durch den Nuklear-Saurier Godzilla bleibt Destoroyah in all seinen Inkarnationen eine Randfigur – wie er Godzillas Kernschmelze verhindern soll, hat uns Superhirn Kenichi nämlich nicht einmal im Ansatz erklären können, und ob beispielsweise im östlichen Industriegebiet von Tokio ein paar Drei-Meter-Krabben herumstolpern, ist nun wirklich schnuppe, wenn unser Sonnensystem in Kürze einen Planeten weniger hat. Aus dieser Sicht erscheint Destoroyah, so eindrucksvoll er auch sein mag, etwas beliebig (wie übrigens auch sein enttäuschend uninspiriertes Ende). Tatsächlich hat er auf mich auch so gewirkt, als würde er hier nur Dienst nach Vorschrift machen. Na ja ... wenn die Vorschrift so aussieht wie hier, will man aber nicht meckern.

Optisch hält sich Godzilla vs. Destoroyah recht wacker – verglichen mit seinem Vorgänger sieht der im üblichen Heisei-Format von 1.85:1 vorliegende Streifen sogar regelrecht gut aus. Im Idealfall (also bei guten Aufnahmebedingungen) sind seine Bilder klar und scharf, während es bei den Innen- und Studioaufnahmen zwar deutlich grieselt, die Qualität aber nie so weit in den dunkelgelben Bereich rutscht wie zuletzt bei Godzilla vs. Spacegodzilla. Auch die etwas weniger rege als in den vergangenen Filmen eingesetzten Rückprojektionen bewegen sich auf einem höheren Niveau als dort – wirklich gut sehen sie noch lange nicht aus, aber man möchte sich nicht bei jeder zweiten entsetzt an den Kopf fassen. Dass die benötigten Modellbaulandschaften wieder mit viel Liebe gestaltet wurden, versteht sich derweil von selbst (obgleich die Flughafenbauten doch auffallend detailarm sind), wie auch der Einsatz von allerlei Miniaturmilitärgerät aus dem Modellbaukasten. Hierunter fällt auch das Kampfflugzeug (oder besser Kernkraftwerksunfallfolgenbekämpfungsflugzeug) SX III, das in der Regel überdeutlich nach Spielzeug riecht – in einer Szene hat es mich sogar an die „Raumschiffe“ in der Buck Rogers-Serie von 1939 erinnert. Immerhin wurde in dieser Sache Wert auf Kontinuität gelegt: Im Heisei-Start Godzilla – Die Rückkehr des Monsters wurde der „Super X“-Flieger eingeführt, und im Nachfolger Godzilla – Der Urgigant kam ein Luftfahrzeug namens „Super X II“ zum Einsatz. Als das Militär zum Kampf gegen die Drei-Meter-Krebse anrückt, sind übrigens auch knapp tausend echte Soldaten mit von der Partie – ich denke mal, dass es sich dabei weitgehend um Stock Footage von irgendeinem Manöver handelt. Wunderbar anzusehen sind schließlich auch wieder die meisten pyrotechnisch definierten Effekte. Vor allem zahlreiche Explosionen mit zum Teil gigantischen Feuerbällen können begeistern.

Bei den Monstern gibt es mehr Licht als Schatten. Godzilla selbst ist hier mit seinem neuen und sehr gelungenen Desugoji-Kostüm unterwegs, eine Modifikation des Anzugs aus dem Vorgängerstreifen Godzilla vs. Spacegodzilla, die durch eine ausnehmend grimmige Gesichtspartie (mit sehr weit aufreißbarem Maul) und mehr noch durch die glaubwürdige Umsetzung des Glühens gefällt – damit ist Godzilla echt eine Wucht. Hinsichtlich der thermonuklearen Herzerkrankung seines Frontmonsters ist mir Godzilla vs. Destoroyah allerdings etwas zu poltrig mit der Tür ins Haus gefallen – man hätte Godzilla ruhig ein wenig Zeit einräumen können, um sich aus dem Normalzustand heraus zu erwärmen und dann erst mit dem Herumglühen zu beginnen. Darüber hinaus ist die tricktechnische Umsetzung seines finalen Schmelzens, ähm ... eher unglücklich geraten. Absolut tadellos wurde hingegen bei Godzilla junior gearbeitet. Er ist hier zwar das bei Weitem unspektakulärste, aber auch das eindeutig am glaubwürdigsten wirkende Monster. Aus dem infantil designten Gummitubbie des Vorgängerfilms ist eine fast schon ausgewachsene Riesenechse geworden, die auch wirklich bis hin zur Haut wie eine Riesenechse aussieht. Ich denke, echter hat bis zu seinem hiesigen Auftritt noch kein Tōhō-Monster gewirkt. Vom Pflegevater (ich bleibe dabei, dass er nicht Godzillas leiblicher Sohn ist) unterscheidet er sich übrigens durch eine grünere Farbe (der Große Grüne ist bekanntlich gar nicht besonders grün) und einen stark nach vorn gebeugten Gang.

Sehr viel weniger glaubwürdig ist indes der Gaststar Destoroyah, im Speziellen abhängig von seiner jeweiligen Erscheinungsform. Besonders problematisch sind die garstigen kleinen Drei-Meter-Krebse, die natürlich nicht wirklich wie Krebse aussehen, aber durch ihre Farbe, ihre „Krustigkeit“ und ihre acht Beine an solche erinnern. Diese acht Beine sind dann auch schon der tricktechnische Knackpunkt: Sie vollführen zwar ungefähre Laufbewegungen, aber natürlich laufen die Modelle nicht mit ihnen, weshalb sie überwiegend sinnlos in der Luft herumwursteln, während die Krebse durch die Gegend rollen. Das sieht bisweilen extrem lächerlich aus und raubt den Krustenmonstern viel von ihrer Bedrohlichkeit. Der mittelgroße „Zwischen“-Destoroyah wirkt da schon überzeugender, aber er wächst (vermittelst zweier Explosionen ...) relativ schnell aus und hat in seiner ebenso gigantischen wie wüst designten finalen Inkarnation (mit Teufels-Kakerlaken-Dino-Fledermaus-Einhorn-Elefanten-Skorpion ist sie noch immer nicht ausreichend beschrieben) ein paar frische Mängel am Hals – zuvorderst den, dass er beim Fliegen (das alte Tōhō-Problem) ziemlich peinlich wirkt, weil er dabei die riesigen Flügel nicht bewegt. Am beklopptesten sieht das aus, wenn er sie nur zur Seite gestreckt hält, um dann senkrecht aus dem aufrechten Stand loszuschweben. Ich persönlich habe darüber hinaus auch noch meine Sorgen mit seinen arg überdimensionierten Klumpfüßen – aber gut, vielleicht sind die bei seinem Gewicht auch nötig. Nehmen wir sie ihm also nicht allzu übel und schauen zu den menschlichen Mitwirkenden.

Ihre Liste wird von Takurô Tatsumi angeführt, der als Dr. Kensaku Ijuin eine routinierte, aber letztlich blasse Vorstellung abliefert – wobei freilich nicht nur bei ihm in Betracht gezogen werden muss, dass die Möglichkeiten der Darsteller, in diesem Film über das Prädikat „blass“ hinauszuwachsen, stark gegen null tendieren. Tatsumi hatte hier seinen einzigen Auftritt im Kaijū Eiga, wie auch Yôko Ishino, die als TV-Reporterin Yukari Yamane zu sehen ist und auch in unseren Tagen noch fleißig schauspielert. Sie hat zumindest auf mich sehr glatt und austauschbar gewirkt – und damit sogar noch blasser als Takurô Tatsumi. Ebenso wenig hat mir Yasufumi Hayashi als Kenichi oder Kenkichi Yamane gefallen, den ich nicht nur blass, sondern auch noch relativ unsympathisch fand. Daran mag seine Rolle eine Mitschuld tragen, aber das ändert nichts an meinem Eindruck. Yasufumi Hayashi hat bis heute in über hundert weiteren Filmen mitgewirkt, was mich schon wundert: Ich habe hier nichts, aber auch gar nichts gesehen, was ihn für eine Karriere im Filmgeschäft qualifizieren könnte.

Tatsächlich keine Karriere im Filmgeschäft gab’s für Megumi Odaka, die in Godzilla vs. Destoroyah ihren nunmehr fünften und letzten Auftritt als Telepathin Miki Saegusa absolviert. Natürlich ist auch der blass, und darüber hinaus haftet ihm etwas milde Resignatives an – so wie ihre Figur Miki hier langsam, aber sicher in den Hintergrund gerät, scheint auch die Darstellerin Megumi Odaka schon in Abschiedsstimmung zu sein. Sie hatte später nur noch eine Minirolle in einer TV-Serie und ein paar kleine Jobs als Sprecherin. So war sie vor zwei Jahren als einleitende Off-Erzählerin im (gar nicht so üblen!) Godzilla-Zeichentrick-Kurzfilm Godzilla vs. Gigan Rex zu hören, was natürlich nicht mehr als ein Insider-Späßchen ist. Aber ein nettes. Bis zum Ende der Achtziger, also in sehr jungen Jahren, war Megumi Odaka übrigens als Sängerin aktiv und hat sogar zwei Alben herausgebracht! Ich bin auch in Godzilla vs. Destoroyah wieder gut mit ihr zurechtgekommen – der alte Groll, der freilich ohnehin primär ihrer Rolle galt, ist verflogen. Werde ich sie und ihre Miki vielleicht sogar vermissen? Eher nein, aber dass ich diese Frage überhaupt stelle, sagt auch schon einiges aus. Ja, ich denke, am Ende habe ich Megumi Odaka und ihre Segelohren sogar gemocht.

Kommen wir zu einigen weiteren Mitwirkenden, die bereits im Kaijū Eiga unterwegs waren – zur Feier des Heisei-Abschlusses sollen auch diejenigen in den ganz kleinen Rollen einmal genannt werden. Sehr interessant ist zunächst Sayaka Osawa, die als toughe Meru Ozawa zu sehen ist und von allen Akteuren vermutlich den am wenigsten blassen Eindruck macht (was freilich noch nicht viel zu sagen hat). Sayaka Osawa hat bereits als Mikis Assistentin in Godzilla vs. Mechagodzilla II mitgewirkt, vor allem aber war sie in Godzilla – Kampf der Saurier-Mutanten sowie Godzilla vs. Spacegodzilla eine der beiden Cosmos respektive Mini-Zwillingsfeen respektive Shobijin! Ich muss zugeben, dass ich sie in fünfhundert Jahren nicht erkannt hätte, allein weil ihre Figur sowohl charakterlich als auch äußerlich (mit Barett und Minirock) eine komplett andere ist (überdies ist sie gut zehnmal größer ...). Seinen zweiten Auftritt in der Godzilla-Reihe hat Masahiro Takashima, der bereits die Hauptrolle des „Garuda“-Piloten Kazuma Aoki in Godzilla vs. Mechagodzilla II gespielt hat, hier als G-Force-Major Kuroki aber nur unter den Nebendarstellern tätig ist. Er hat darüber hinaus übrigens auch in Takao Okawaras ein Jahr zuvor entstandener Fantasy-Kaijū-Eiga-Parallelarbeit Madra – Das achtköpfige Drachenmonster mitgewirkt. Ein weiterer zum zweiten Mal in den Godzilla-Streifen eingesetzter Darsteller ist Saburô Shinoda, der seine filmübergreifende Rolle des G-Force-Wissenschaftlers Professor Fukazawa bereits in Godzilla – Kampf der Saurier-Mutanten verkörpert hat und ebenfalls in Okawaras Madra – Das achtköpfige Drachenmonster mit von der Partie war. Eine noch zentralere filmübergreifende Rolle ist die des G-Force-Commanders Takaki Aso, derer sich hier zum dritten Mal nach Godzilla vs. Mechagodzilla II und Godzilla vs. Spacegodzilla der ruppig synchronisierte Akira Nakao annimmt und dabei wie schon in den Vorgängern in einer Generalsuniform herumsteht, regelmäßig über die jeweiligen Entwicklungen sowohl staunt als auch jammert und ein paar unvermeidliche Befehle gibt. Nein, das ist nicht gerade anspruchsvoll. Ein guter alter Bekannter (wenn man ihn denn wahrgenommen hat) ist zudem Kôichi Ueda, der schon in Godzilla – der Urgigant, Godzilla – Duell der Megasaurier, Godzilla – Kampf der Saurier-Mutanten und Godzilla vs. Spacegodzilla irgendwo im Hintergrund herumgeturnt ist und hier als Wachmann des von der entfleuchten „Lebensform aus dem Präkambrium“ überfallenen Aquariums einen etwas einprägsameren Auftritt hat, weil er sich ein extrem albernes Overacting leistet, als die Fische dahinscheiden. Weiterhin ist auch noch Shelley Sweeney zu erwähnen, die als „G-Force Technician“ allerdings nur einmal im Bild ist. Etwas häufiger war sie das in Godzilla vs. Mechagodzilla II, wo sie die Mecha-Kopilotin „Catherine Berger“ (nicht, dass man sie uns namentlich vorgestellt hätte) mimt. Die offenbar in Japan lebende Kanadierin hat seither immer wieder einmal einen kleinen Filmauftritt und wird uns auch in der Millennium-Serie wiederbegegnen. Deutlich interessanter ist bis dahin, dass wir hier noch einmal Momoko Kôchi in der Rolle der Emiko Yamane sehen, die sie schon im Ur-Godzilla von 1954 verkörpert hat! Inzwischen ist sie also Yukaris und Kenichis Tante geworden. Essenziell sind darüber hinaus natürlich wieder die Herren in den Monsterkostümen, an deren Spitze sich wie in allen Heisei-Filmen Kenpachirô Satsuma als Godzilla in den Modellbauten und im Wasserbecken herumtreibt. Zum zweiten Mal ist Ryo Hariya dabei, der im Vorgängerfilm den Spacegodzilla verkörpert hat und hier im fetten Destoroyah-Suit steckt, während Godzilla junior von „Hurricane Ryu“ Hariken gespielt wird, der sich bereits als King Ghidorah in Godzilla – Duell der Megasaurier, als Battra-Larve in Godzilla – Kampf der Sauriermutanten und als Babygodzilla in Godzilla vs. Mechagodzilla II bewähren durfte. Bereits seit Dekaden bewährt hatte sich schließlich Kultkomponist Akira Ifukube, der hier seine letzte Arbeit für Film und Kino abgeliefert hat, um sich hernach zumindest in dieser Sache zur Ruhe zu setzen. Natürlich hören wir im Wesentlichen wieder seine bekannten und unsterblichen Motive, und das ist auch in Ordnung – sie gehören nun mal in jeden Godzilla-Film, der etwas auf sich hält.

Und der hier hält so einiges auf sich – in der berechtigten Überzeugung, kein einfacher Wald-und-Wiesen-Kaijū-Eiga zu sein: Godzilla vs. Destoroyah beendet nicht nur die Heisei-Ära des prominentesten Monsters der Filmgeschichte, sondern schickt es sogar mit heiligem Ernst und großem thermonuklearen Tamtam in den ewigen Ruhestand. Ewig? Aber nein. Der Heisei-Serie sollte bereits nach lediglich vier Jahren Pause die „Millennium“-Serie folgen und den Großen Grünen zurück auf die Leinwand bringen. Godzilla wird sich nie im ewigen Ruhestand befinden (selbst Hollywood hat längst eine erfolgreiche Blockbuster-Reihe mit ihm und seinen Kumpels etabliert). Unabhängig von vermeintlichen Abschieden und tatsächlichen Zäsuren ist Godzilla vs. Destoroyah indes eine Sternstunde des durchgeknallten Nippon-Kinos – die Kühnheit, mit der Takao Okawara und sein Autor Kazuki Ômori hier über die Naturgesetze und alle Maßgaben der Vernunft hinausdenken, ist fürwahr beeindruckend, vielleicht sogar einzigartig (das wäre noch zu klären). Anders: Viel mehr Blödsinn als die Verdampfung der ganzen Erde durch einen explodierenden Saurier kann es eigentlich kaum noch geben. Von daher sind natürlich all jene, die Godzilla vs. Destoroyah mit ausreichender Trash-Erfahrung angehen, ganz klar im Vorteil. Ich für meinen Teil gehöre zu ihnen und hatte selbstredend eine Menge Freude mit diesem Kaijū-Spektakel – zum ganz großen Wurf ist es für mich aber nicht geworden. Ausschlaggebend dafür, es wurde bereits angesprochen, ist in allererster Linie der Umstand, dass ich hier etwas zu viel Zeit mit etwas zu wenig sympathischen Leuten verbringen musste. Ich habe gerade darüber nachgedacht, welche menschlichen Figuren mir hier am liebsten waren, und da ist mir erst einmal recht lange überhaupt keine eingefallen ... und dann kamen ungefähr gleichauf Meru Ozawa, der immer etwas hilflose General Aso und Miki Saegusa! So weit ist’s gekommen. Da weiß man die Monster gleich noch etwas mehr zu schätzen – wie schön, dass man sich auf sie verlassen kann.

Damit ist die Heisei-Reihe vorüber, und ich bin sehr zufrieden mit ihr – immerhin hatte ich ein paar Bedenken, dass ihren Filmen der Charme fehlt, mit dem die Arbeiten der Shōwa-Ära zuverlässig punkten konnten, so infantil sie in Einzelfällen auch sein mochten. Tatsächlich haben die Heisei-Streifen weniger Charme, aber sie gleichen das durch eine wuchtigere und intensivere Inszenierung ihrer Monsterszenen aus, mit der sie mitunter schon sehr deutlich auf eine mögliche Zukunft des Kaijū Eiga verweisen. Grundsätzlich trampeln aber auch hier noch Männer in Gummianzügen durch Miniaturkulissen und müssen sich mit Spielzeugpanzern und haarsträubenden Drehbüchern herumplagen ... kein Grund zur Aufregung also.

Glatte 8 von 10 Punkten aus der Sicht des Kaijū-Eiga-Liebhabers, ansonsten ... schwer zu sagen. „Ungeübte“ Filmfreunde sollten sehr vorsichtig sein, weil hier die Kernschmelze schnell zur Hirnschmelze führen könnte ... Wohlwollende 6 von 10.

(06/24)





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