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Smog ist einer der Fernsehfilme, die bei den Sendeanstalten wegen heftiger Zuschauerreaktionen und im Vorfeld als einer der ersten wegen Kritik aus Wirtschaft und Politik berüchtigt wurden. Nicht ohne Grund, hatte doch die Liaison zwischen Regisseur Wolfgang Petersen und Autor Wolfgang Menge in eine Kerbe geschlagen, die seinerzeit schlicht nicht thematisiert wurde. So griffen die Rädchen ineinander, nach dem Krieg. Man wollte nicht auffallen, wollte den Wohlstand aufbauen und genoß so den industriellen Aufschwung. Keine Rede von Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung. Wie sehr aber Menges Buch am Zahn der Zeit war, belegt allein der Ausstrahlungstermin am 15. April 1973. War die Umweltverschmutzung doch spürbar, so bedingte schließlich im Herbst dieses Jahres die erste Ölkrise Maßnahmen wie autofreie Sonntage. 1980 dann schlug sich die politische Situation endgültig in der Parteigründung der Grünen nieder.

Wolfgang Petersen inszeniert Smog als eine Art Pseudo-Dokumentation. Zwischen akribische und durchaus (tragisch) komische Sozialbeobachtungen mischen sich politische Konferenzen und Medienberichterstattungen. Die Fakten sind einfach wie schrecklich. Die Luft ist verpestet. Niemand tut etwas. Im Gegenteil, niemand will auf seinen Luxus verzichten. Alles läuft wie immer. Autofahren muß sein. Industrien siedelten sich an, obwohl die Lage ungünstig war. Die Politik reagiert träge. Die chemische Zusammensetzung der Luft verursacht die spontane Bildung von Löchern in Damenstrumpfhosen. Menschen sterben.

Smog ist die präzise Darstellung einer nur eine Nuance überzogenen Situation, die doch nahezu real, wie aus dem Leben gegriffen, scheint. Genau dies ist das Schreckliche daran. Es ist keine Dystopie, keine Science-Fiction, die wir als ferne Zukunft abtun können. Die Zeichen waren schon da, umgeben uns schließlich auch heute noch. Bissig führt uns Wolfgang Menge unsere Eigenheiten vor Augen. Es sind nicht bloß die Politiker, Industrielle, Fremde, auf die man eine Schuld abwälzen könnte. Umwelt betrifft uns alle und wir alle sind für sie verantwortlich. Dieses Spiegelbild tut weh, weil wir alle es lieber einfach und komfortabel hätten. Nun bleibt Smog in jedem Detail pessimistisch. Jene, welche noch gerade die Katastrophe überspielten, feiern nun ihre schwerfälligen Lösungsansätze als die Rettung aus der Not.

Das Leben geht weiter, unter Verlusten, aber es geht weiter. Kann der Zuschauer nun aber den Fernseher abschalten und einfach weiterleben wie zuvor? Der Film Smog predigt nicht und doch ist er die stille Hoffnung etwas ausgelöst zu haben. Wenn dies nur ein schlechtes Gewissen bei unserem Handeln ist, so ist doch etwas in unserem Bewußtsein hängen geblieben. Man sollte ihn öfter noch einmal schauen, diesen Smog.

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