Tempted hätte durchaus das Zeug gehabt, mehr zu werden als das übliche 08/15-Erotikthriller-Allerlei, was es im Endeffekt nun mal ist. Neben ein paar bekannten Gesichtern, passabler Optik und einer soliden Regie, hätte der Film auch inhaltlich ein paar innovative Möglichkeit gehabt, die hier jedoch nur ansatzweise genutzt werden.
Erfolg, Geld, auf Du und Du mit Promis wie Tom Cruise und dem Papst, ein schönes Ex-Model als Frau - all das macht Charlie (Burt Reynolds) nicht glücklich: Der Millionär ist todkrank. Zuvor will er allerdings wissen, ob Gattin Lilly (Saffron Burrows) ihn wirklich liebt und das Erbe verdient hat. Student und Teilzeit-Bauarbeiter Jimmy (Peter Facinelli) soll Lilliys Treue testen. Bei Erfolg winken 50.000 Dollar. Jedoch bekommt Lilly Wind von Charlies Plan...
Burt Reynolds (Spiel ohne Regeln) versucht noch das beste aus seinem Part zu machen, und mimt zufrieden stellend den alternden Geldsack und gehörnten Gatten. Peter Facinelli (The Scorpion King) geht auch in Ordnung in seiner Rolle des bezahlten Verführers. Eine recht brauchbare Leistung kann auch Saffron Burrows (Troja) über die Bühne ziehen, und das sowohl als verführte Gattin als auch hinterhältiges Miststück, was sie gegen Schluss raushängen lässt. Auch die Nebendarsteller Eric Mabius (Resident Evil) als Jimmys Kumpel und Mike Starr (Spiel auf Zeit) als Charlies Handlanger mit bissigen Dialogen machen ihre Darstellungen gut.
Der Film besticht vor allem durch seine prima Optik, und Regisseur Bill Bennett (Backlash) taucht vieles in helle Gelbtöne ein, um das schwüle Flair von New Orleans einzufangen. Dies gelingt ihm einigermaßen, und auch die Locations passen gut zum Gesamtbild. Eine wichtige Rolle spielen dabei natürlich die Sümpfe, die als Metapher zu der Handlung fungieren. Und da wären wir dann auch bei der Handlung. Bennett muss man als Skriptautor immerhin zugutehalten, dass er wenigstens versucht hat, hier etwas Innovation ins Spiel zu bringen. Die Geschichte über den eifersüchtigen Ehemann, der seine Frau prüfen will, was natürlich nicht gut ausgeht, dürfte zwar bekannt sein, aber durch ein paar Nebenplots gestaltet sich das Unterfangen immerhin etwas spannend. Nachdem Charlies Kumpel stirbt, spielt jedoch die Nebenhandlung um dessen Mord an einem homosexuellen Gouverneurssohn keine wichtige Rolle mehr. Für Überraschungen sorgt hingegen die fatale Friedhofsszene, nach der sich die Verhältnisse einiger Protagonisten gegeneinander rabide verändern. Das sorgt dann schließlich zu weiteren, jedoch weniger überraschenden, Plotwendungen (zB Jimmys Konfrontation mit Lillys Anwalt), die auf einen leicht vorausschaubaren, aber blutigen Showdown hinausführen. Akustisch soll hin und wieder ein leichtes Stöhnen im Hintergrund scheinbar das erotische Feeling steigern, was allerdings eher nervt. Bezüglich der Erotik bekommt man nur belangloses Gerangel geboten. Sommersnachtsphantasien stell ich mir jedenfalls anders vor. Das führt dann auch neben den halt ungenutzten Storymöglichkeiten dazu, dass das Geschehen zwar nett anzusehen ist, auch einigermaßen unterhaltsam ist, aber schlussendlich dann doch nicht mehr ist als ein 90-minütiger Thriller mit gut gemeinten Ansätzen.
Unterm Strich ist Tempted nur leicht innovativer als seine Genrekollegen und versinkt daher rasch im Sumpf derselbigen. Für Zwischendurch reichts und auch wer einmal bei einem durchschnittlichen 08/15-Thriller mit Pseudo-Erotik ein paar kleine Überraschungen erleben will, dem sei Tempted empfohlen. Sehenswert sind auch noch die schicke Optik und die soliden Darsteller, die den Karren einigermaßen wieder aus besagtem Sumpf ziehen können - aber eben auch nicht ganz.