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Beim gängigen Backwood-Terror sollten die Hinterwäldler möglichst bedrohlich erscheinen und kompromisslos vorgehen. In der Sparte Rape & Revenge möge es den Peinigern knüppeldick heimgezahlt werden und beim Survival-Thriller in freier Wildbahn wird neben Temposzenen auch die Naturkulisse aktiv eingebunden. Aus diesen drei Sparten hat sich Autor und Regisseur Teddy Grennan die wesentlichen Aspekte herausgefiltert und damit seinen Erstling geschustert.

Naturfotografin Harper (Annabelle Dexter-Jones) geht ihrer Tätigkeit in einem abgelegenen Gebiet nach, als sie Zeugin der Folterung eines Mannes wird, was sie aus ihrem Versteck heraus fotografiert. Davon bekommen die Fieslinge Wind und setzten der jungen Frau zu, was diese wiederum nicht auf sich sitzen lässt…

Es ist nicht ungewöhnlich, der Chronologie ein wenig vorweg zu greifen, um die eigentliche Handlung als eine Art Rückblick zu verkaufen. So wird Harper im Hospital von einem Polizeibeamten zu den Vorgängen befragt, was bedeutet, dass sie die Odyssee überlebt hat, - bis hierher zumindest. Danach folgt die Aufarbeitung, welche angenehm straff und ohne große Schnörkel mit passablem Tempo vorangetrieben wird.

Die zumeist sonnendurchflutete Naturkulisse steht dabei im ständigen Kontrast mit den düsteren Ereignissen, welche oftmals nur angedeutet werden. So wird die Vergewaltigung nur vage angekündigt und die wenigen Gewalteinlagen werden keineswegs explizit ausgeschlachtet, wodurch hinsichtlich der deftigen Thematik von Selbstjustiz sogar die FSK16 drin war.

Über Harper erfährt man indes fast gar nichts, in nur einem Nebensatz äußert sich ihr Widersacher nach erfolgreicher Recherche über außergewöhnliche Fähigkeiten. Das erklärt zumindest das Talent, wie ein MacGyver mit nur wenigen Hilfsmitteln wirksame Fallen zu errichten und sich gleichermaßen recht geschmeidig durch die Natur zu bewegen. Draht, ein Messer, ein Seil und ein geschultes Auge für den Inhalt eines Rucksacks lassen die bösen Wichte in so manche Falle tappen, wobei wirklich hilfreiche Fluchtmöglichkeiten wie ein intaktes Motorrad völlig missachtet werden.

So verläuft die Chose weitgehend konventionell und erahnbar, nur in den finalen Minuten deutet sich eine kleine Überraschung an, die auch den bestimmten Zustand einer Person erklärt. Die Pointe dürfte derweil nicht jedem zusagen und tatsächlich wäre ein konsequenter Ausgang vielleicht die glücklichere Lösung gewesen.

Dexter-Jones müht sich redlich als Amazone, was man ihr physisch durchaus abnimmt, während der Blick manchmal etwas zu gelassen rüberkommt. Die übrigen Figuren sind weitgehend treffend besetzt, wobei Urgestein Bruce Dern einen Gastauftritt absolviert, dabei jedoch keine sonderlichen Akzente zu setzen vermag. Der Score ist recht sauber abgestimmt und setzt häufig Streicher in den Vordergrund, was der Atmosphäre durchaus dienlich ist.

Obgleich die Kamera etwas zu häufig wackelt und Splatterfreunde beinahe leer ausgehen, ist das Debüt von Grennan dennoch annehmbar ausgefallen. Tempo und Timing stimmen und trotz zahlreicher Konventionen ist der Rachefeldzug innerhalb der hübschen Naturkulisse kurzweilig ausgefallen. Erinnerungswürdig ist jedoch nur das Ende, der Rest ist rasch vergessen.
6 von 10

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