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Länger als gedacht dauerte es, bis Hideaki Anno mit dem vierten Film seinen Rebuild-Zyklus vollendete, stammte Teil drei doch von 2012. Die Ausgangssituation ist halbwegs klar. Nach dem wenig erfreulichen Ende des Vorgängers gilt es nun, Kräfte zu sammeln, um nochmal gegen NERV und den Plan von Gendo Ikari zu Felde zu ziehen. Das sorgt sowohl für ruhige Momente, als auch für wuchtige Action. Weiterhin lässt Anno hier auch mal Zeit für die Auseinandersetzung Shinjis mit seinem Vater, dessen Motivation auch genauer unter die Lupe genommen wird.
Dabei verabschiedet sich Shinji für einige Zeit aus der Geschichte und lässt ihn in die altbekannte Lethargie fallen. Anno lässt dafür mehr Raum für Rei und die Welt nach dem Near Third Impact. Zum Ende hin lässt Anno sich Shinji dann aber doch noch entwickeln und in mehrerlei Hinsicht wachsen; die letzten Szenen bieten einiges an Gesprächsstoff. Für die Rolle, die Mari letztlich hier und den Vorgängerfilmen einnimmt, bekommt sie insgesamt wenig Hintergrund. Den haben Asuka und Mitsuko bereits, was diese Charaktere fester in der Dramaturgie verankert.

Letztlich muss ich aber zugeben, so ganz schlau werde ich aus der Sache nicht. Das gehört bei NGE zwar irgendwie zum guten Ton, ein leicht unbefriedigendes Gefühl hinterlässt der finale Film der Neuinterpretation dann aber doch. Wobei die einmalige Sichtung auch nicht ausreichen dürfte, denn es prasselt schon Einiges auf das Publikum ein. Neue Gegnertypen, neue Artefakte und Mechaniken.
Viele interessante Ansätze finden sich unbestreitbar in der Inszenierung. Die neue Erzählung, die visuelle Wucht und das Spiel mit Realität / Fiktion, die auch die Welt des Zuschauers miteinbezieht. Mehr noch, mit dem „Showdown“ auf einer Bühnenkonstruktion präsentiert Anno dem Publikum die der Erzählung schon immer zugrundeliegende Auseinandersetzung mit seinen eigenen Dämonen. Und den Prozess, den er selbst seit seiner ersten Interpretation (Serie) durchlaufen hat. Eine sehr direkte, aber doch interessante Visualisierung.
Und doch gibt es am Ende, und eigentlich auch immer wieder zwischendurch, das ein oder andere Stirnrunzeln. Aber gut, das war's jetzt eben. Vermutlich.

Trotz des erneuten häufigen Einsatzes von CGI wirken diese hier nicht mehr so fremdkörperartig wie noch im Vorgänger. Die audiovisuelle Präsentation ist wieder durchaus gelungen, wuchtig und einfallsreich. Wobei mich dieser große, semi-fotorealistische Kopf einfach nur gruselt und einige Blickwinkel und nackte Tatsachen reiner Selbstzweck für den Hormonstau der Zielgruppe sind.
Der Abschluss erreicht in meinen Augen nicht die emotionale Wucht der Serie + EoE, ist aber auf seine Art eine interessante Alternative, da er andere Facetten der Geschichte beleuchtet – und dem Hinterlassen von Fragezeichen treu bleibt.

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