Gerade einem Regisseur wie Ringo Lam, der seit 20 Jahren nur im Action / Drama Bereich arbeitet, sollte man zugestehen, einen etwas anderen, aus dem Genre ausbrechenden Film drehen zu dürfen. Eine Romantische Komödie liegt als erste Wahl zwar ganz weit ausserhalb der sich von Lam selbst gesetzten Erwartungen, aber warum nicht, könnte es doch untypischer nicht sein.
Das man dabei ein filmisches Leichtgewicht ohne Tiefgang bekommt, kann man noch verdauen; dass der Film aber so dünn, so nichts sagend und nichts bewegend wird, hätte man dann aber doch nicht erwartet.
Die HK Polizistin Grace [ Shu Qi ] braucht nach einer tödlichen Festnahme erstmal Urlaub; da passt es ganz gut, dass ihre beste Freundin Joey [ Isabel Chan ] gerade als Fotomodell in Malaysia gebucht wird. Man macht einen gemeinsamen Urlaub draus, nichts ahnend, dass man auf den Gauner Poon [ Simon Yam ] nebst Freundin [ Ruby Wong ] stösst, der hinter einem Missile Tracking System her ist.
Nicht nur die Aufhänger der bunten Erzählung sind McGuffins, die gesamte Rahmenhandlung entpuppt sich schnell als gestellt, nicht besonders wichtig und seiner eigenen Realität verbunden. Die Guten tragen weiss, die Bösen sind nicht wirklich böse und am Ende hin finden sich mehrere Liebespaare, die sich nicht mal geküsst, geschweige denn eine richtig räudige Nummer geschoben haben. Funktioniert dann schon wieder adäquat analog; alles komplett oberflächlich also, schön weitab von dem dunklen Horizont, mit dem sich Lam sonst beschäftigt.
Sicherlich ist das nur ein Film, rein zur Unterhaltung und zum Abschalten gedreht worden; wobei hierbei allerdings die Frage berechtigt ist, ob das Filmteam nicht mehr Spass hatte als letztlich der Zuschauer.
So lustig und amüsant ist das Ganze nämlich nicht, die meisten Witze sind zwar erkennbar, aber zünden mässig bis wenig. Grossartige Lacher gibt’s trotz Slapstick ganz in der Tradition des Stummfilms eigentlich nicht; man hat eher oftmals das Gefühl, die Darsteller agieren ihre Jokes ins regungslose Publikum. Das verzweifelt Antike eines Winner takes All [ 2000 ] oder das Laute, Nervige eines Fat Choi Spirit [ 2002 ] wird allerdings vermieden, auch ein Gefühlsüberschwang nie angestrebt. Sowieso ist die Liebe hier nur ein ständiger, aber nonpräsenter Nebenfaktor, kein Gefühl oder Empfinden, sondern eine blanke Tatsache. Man zieht aber keine Kraft daraus; der Film ist nicht romantisch.
Der sonstige Unterhaltungsfaktor liegt auf dem Bereich „milde“, was allein dem Überschwang an eingeführten Personen zu verdanken ist; es passiert zumindest häufig was, wenns schon nicht besonders gut ist.
So sind an dem sonnig einladenden Urlaubsort nicht nur Graces zwei nervige Verehrer Vincent [ Raymond Wong Ho Yin ] und Ken vertreten, sondern auch der ihr bereits aus HK bekannte Kleinkriminelle Crap [ Chapman To ], der ihr ständig auf den Keks geht. Den Richtigen wird sie unter den 3 Männern, die bevorzugt durch ihr Leben wuseln, nicht finden; aber Grace sucht sowieso nur nach jemand Bestimmten, looking for Mr. Perfect. Dieser ist ihr schon mehrmals im Traum erschienen, sie hat also gewisse Vorstellungen an ihn, die allerdings kaum mehr wage sein können.
Trotzdem hat sie bereits bei der Ankunft im Hotel ein gewisses Deja Vu Gefühl, was durch den Fremden Alex [ Andy On ] noch verstärkt wird. Dies könnte der Richtige sein; als vermeintlichen Heiratstest schickt sie die kabbelnden Ken und Vincent für 48 Stunden weg und lässt sich von Alex mit Limousine, Hubschrauber und Champagner protzen, wobei sie sich am Ziel fühlt.
Als seine Tarnung auffliegt, sich das Ganze nur als Beschattung eines Agenten entpuppt und ihre Freunde von Poon entführt werden, wird dann auch etwas Bewegung eingeworfen, die dann schnell auf den Showdown einer Hochzeit zustösst.
Das unwahrscheinliche Geschehen wird also durch Schabernack, Versteckspielchen und etwas Action in eine geschlossene Systematik inszeniert, wobei Dramatik, Spannung und sonstiges Relevantes aussen verbleibt.
Gehalt verliert sich in der Installiertheit der Narration, abseits davon fehlen eine Erzählweise, eine Charakterisierung der Personen, eine ganze Inszenierung eigentlich; alles wird dem Motto „The Show must go on“ unterworfen.
Dafür ist sowohl Produktionsvolumen als auch die Starbesetzung in seiner Präsenz erquicklich, das kinematographische Nichts schaut nicht nur in der fotogenen Landschaft sehr gut aus, die Darsteller passen sich an.
Die wenige Action ist von Nicky Li abseits der künstlichen Harmlosigkeit relativ fesch inszeniert, besonders die mehrminütige querfeldein Motorrad – Auto – Verfolgungsjagd gegen Ende sorgt mit seinen Raketenwerfern und den meterhohen Sprüngen für einen wunderbar sympathischen Aspekt.
Das reicht zwar nicht aus, um den Film aus dem Durchschnitt hinaus zu heben, dafür hätte viel mehr Derartiges passieren müssen [ die House of Fury Methode ]. Man soll Lam einfach seine Leichtigkeit gönnen, mehr Filme in die Richtung müssen aber nicht sein; und wenn, dann trotzdem etwas bissiger. Bezeichnenderweise war sein Nachfolgefilm In Hell – Rage Unleashed dann schon wieder hypertroph trostlos; ein ausgereifter Mittelweg wäre wohl vielen lieber.