Der japanische Filmemacher Shion Sono neigt gerne zu skurrilen Inszenierungen und liefert zumeist alles andere als Mainstream ab. Für seinen ersten englischsprachigen Film hat er bezeichnenderweise Nicholas Cage ins Boot geholt, der anschließend behauptete, es sei der verrückteste Film, in dem er je mitgespielt habe. Wahrscheinlich hat er noch keinen Film mit Nicholas Cage gesehen.
Japan, irgendwann in der Zukunft: Hero (Cage) wurde nach einem missglückten Raubüberfall eingebuchtet. Der Gouverneur von Samurai City (Bill Moseley) gibt ihm eine Chance auf Freiheit, wenn er binnen fünf Tagen dessen „Nichte“ Bernice (Sofia Boutella) aus dem benachbarten Ghostland befreit. Doch bislang kam noch nie jemand lebend aus Ghostland heraus…
Cage ist bekanntermaßen ein Riesenfan von Comics und an einen solchen dürfte er beim Überfliegen des wahrscheinlich nicht allzu umfangreichen Drehbuchs erinnert worden sein.
Die Grundzüge der dünnen Geschichte erinnern an „Die Klapperschlange“, dazu gesellt sich etwas „Mad Max“, wogegen Sets und Randgestalten eine Mischung aus Endzeit, Eastern und Western bilden, während im Hintergrund grüppchenweise japanisches Theater vollzogen wird.
Anfangs ergibt die Story zumindest noch ein wenig Sinn und die Ledermontur, die der buchstäbliche Held tragen muss, sorgt zumindest für kleine Schmunzler, denn bei Fehlverhalten lösen sich entsprechende Sprengsätze an Armen, Hoden und Hals.
Zwischenzeitlich gibt es mehrere Rückblicke zum Raubüberfall, was im Mittelteil einen minimalen Twist zutage fördert, doch dazwischen zieht sich die Chose oft wie Kaugummi.
Vor allem nerven die merkwürdig maskierten Gruppen, die im Chor unverständliches Zeug von sich geben, während der Held oftmals zur Passivität verdammt ist, wodurch sich minutenlang Stillstand ergibt. Zwar spielt Sono bisweilen mit interessanten Kameraperspektiven und, je nach Schauplatz, mit entsprechend effektvollen Farbgebungen, doch ein wenig Action kommt erst im letzten Drittel auf, als hier und da Schwerter gezückt und Schusswaffen gezogen werden. Die dazugehörigen Gewalteinlagen sind allerdings kaum der Rede wert, da sich ein Großteil von der Kamera abgewandt ereignet.
Derweil ist Cage mal wieder in seinem Element als coole Socke, wobei er sich mimisch eher zurückhält und etwas mehr Körpereinsatz zeigt. In Nebenrollen überzeugen Bill Moseley und Nick Cassavates und auch Sofia Boutella darf im letzten Drittel etwas mehr mitmischen, wobei ihre langjährige Erfahrung als Tänzerin durchaus anzumerken ist.
Dennoch will hier schlichtweg zu wenig Freude aufkommen, da sich der Stoff stets selbst ausbremst und mit zu vielen Nichtigkeiten die 102 Minuten Laufzeit voll stopft.
Zu wenig Action, zu wenig Endzeit, von spannenden Einlagen ganz zu schweigen.
Ein wenig verrückt und grotesk mutet die Mischung schon an, doch nur selten im positiven Sinne.
Knapp
4 von 10