Dass die Pubertät zuweilen kuriose Blüten treibt, weiß jeder, der sie bereits durchgemacht hat oder Nachwuchs im entsprechenden Alter hat. Das Langfilmdebüt des spanischen Regisseurs Pascual Sisto steigt mit einer verheißungsvollen Ausgangssituation ein, doch statt Hochspannung gibt es ein auf artsy-fartsy getrimmtes Coming-of-Age-Drama.
Dem 13jährigen John (Charlie Shotwell) mangelt es an nichts: Die Eltern sind verhältnismäßig wohlhabend, es gibt Tennisstunden, Videospiele und von Dad (Michael C. Hall) eine neue Drohne mit bester Technik, mit der John im angrenzenden Wald einen offenen Betonbunker entdeckt. Während einer Nacht - und Nebelaktion setzt er die Familie unter Drogen und schafft sie in den Bunker, die ohne Nahrung oder sonstige Hilfsmittel im Loch ausharren muss…
Stellt sich natürlich die Frage, wie so ein 13jähriger Lauch drei Familienmitglieder metertief in die Grube hinab lässt und anbei den mindestens 75kg schweren Dad in eine Schubkarre hievt. Oder welche Schlafmittel eine so betäubende Wirkung vollziehen, dass niemand von dieser Aktion wach wird. Als die Häschen in der Grube erwachen, könnte man vom Beginn eines Überlebenskampfes ausgehen, doch weit gefehlt. Abgesehen von der latenten Langeweile scheint es den dreien an nichts zu mangeln, zumal sie in unregelmäßigen Abständen mit Nahrung und warmen Klamotten versorgt werden.
Derweil ist John allein im Haus und niemand scheint die drei anderen wirklich zu vermissen oder macht sich gar ernste Sorgen um deren Verbleib. Entsprechend genießt der Junge alle Freiheiten, auch die eines fahrbaren Untersatzes und einer funktionierenden Kreditkarte, doch selbst bei seinen Freizeitaktivitäten schlägt der Bengel nur selten über die Stränge.
Das mündet rasch in Langeweile, da es kaum Reibereien gibt, schon gar nicht mit den Gefangenen, die trotz der prekären Situation noch zu Scherzen aufgelegt sind.
Auch die Distanz zum 13jährigen wird zu keiner Zeit überbrückt, er steht halt stellvertretend für einen weitgehend klug handelnden, bodenständig agierenden Jungen, der das Erwachsensein vorzeitig ausprobieren möchte. Als Neben – oder gar Rahmenhandlung verwirren derweil die Gespräche zwischen einem Mädchen und seiner Mutter, was auf den ersten Blick rein gar nichts mit dem Haupterzählstrang zu tun hat. Bei einem geht es darum, loslassen zu wollen, beim anderen, es zu müssen.
Die oftmals statische Kamera und der fast meditativ wirkende Score verstärken den Eindruck eines betont ruhig erzählten Dramas, welches komplett auf Temposzenen oder gar Action verzichtet. Hauptdarsteller Shotwell glänzt zwar mit einer recht tauglichen Präsenz und solidem Spiel, doch er kaschiert nicht die Eintönigkeit des Geschehens, welches sich wie eine emotionslose Zusammenfassung diverser Momentaufnahmen anfühlt. Eine Pointe ist da nur schwerlich auszumachen.
4 von 10