Review

Joseph Mersault lebt zusammen mit seiner Ehefrau Anne und der gemeinsamen Tochter Renée fern aller Zivilisation irgendwo tief in den kanadischen Wäldern in einer Hütte und hält sich und seine Familie mal gerade eben so mit dem Verkauf von Tierfellen knapp über Wasser. Auf der Jagd nach einem Wolf, der ihm in letzter Zeit immer wieder die Beute-Tiere aus dem Fallen wegfrisst, stolpert er nun zufällig über die Leichen mehrerer ermordeter Frauen, doch anstatt die Behörden einzuschalten, beschließt Joseph, den Killer, von dem er vermutet, dass er immer noch in der Gegend umgeht, auf eigene Faust unschädlich zu machen... keine gute Idee, wie sich herausstellen soll... Wow, was für ein Film! Sorry für die kurz und knapp gehaltene Inhaltsangabe, die nicht wirklich akkurat wiedergibt, was in "Hunter Hunter" eigentlich an Handlung abläuft, aber es empfiehlt sich hier mal wieder, nicht zu viel zu verraten, denn Shawn Lindens Streifen ist ein Film von der Sorte, über die man im Vorfeld wirklich möglichst wenig wissen sollte, damit sie ihre maximale Wirkung entfalten... immerhin gibt es hier viele Möglichkeiten, in die sich die Story entwickeln könnte, sei es nun in Richtung generischer Backwoods- und Serienkiller-Streifen oder gar weit in den phantastischen Bereich zum Werwolf-Spektakel hin, und der Weg, den er dann tatsächlich einschlägt, ist auch für geübte Vielseher nicht unbedingt vorhersehbar. Nach der anfänglichen Schilderung des harschen Einsiedler- und Selbstversorger-Daseins (knapp umrissen, aber glaubwürdig) in der in teils beeindruckenden Natur-Aufnahmen eingefangenen kanadischen Wildnis wähnt man sich da fast noch in einem ähnlich kargen Problem-Streifen à la "Winter's Bone", bevor mit dem Auffinden der Leichen dann schließlich doch noch Thriller-Kapriolen geschlagen werden und "Hunter Hunter" in letzter Konsequenz in ein Finale mündet, das echt das Potential dazu hat, dem Publikum völlig den Boden unter den Füßen wegzuziehen... und im selben Atemzug mittels satter Schläge in die Magengrube auch noch einem überkandidelten Mumpitz wie "Martyrs" den Vogel zeigt. Eins ist mal sicher, die letzten paar Minuten werden sich garantiert im Gedächtnis festkrallen, zumal Shawn Linden auch ganz genau bei einem John Carpenter aufgepasst hat, wie man die finale Einstellung durch das absolut perfekt getimte Einsetzen des Abspanns noch lange nachwirken lässt. Getragen wird die Angelegenheit darüber hinaus durch einige herausragend gute Darsteller-Leistungen, wobei Devon Sawa den übrig gebliebenen Babyspeck aus "Idle Hands"- und "Final Destination"-Zeiten inzwischen verloren hat, aber dafür nun als markante Charakter-Visage 'ne gute Figur abgibt. Allgemein gewinnt man durch die typengerechte Besetzung und die entschleunigte Inszenierung, der der Sinn nicht nach vordergründiger Action steht und die dafür lieber latent die unterschwellige Spannung forciert, den Eindruck, dass Linden seinen "Hunter Hunter" bewusst als Gegenentwurf zum typischen Hollywood-Brimborium angelegt hat und es ihm letztendlich nicht darum gegangen ist, für genregerechtes Entertainment zu sorgen, sondern einem mittels einer allegorisch zu lesenden Geschichte auf 'ne recht ruppige Art und Weise zu verklickern, dass des Menschen Wolf halt immer noch der Mensch selbst ist. Also, nochmal abschließend: wow!

9/10

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