Zuweilen ist es angemessen, aus der Not eine Tugend zu machen und einen Werwolffilm zu drehen, der sich schon aufgrund seiner Ausstattung nicht sonderlich ernst nimmt. Der britische Regisseur Charlie Steeds ist zwar keine Ikone wie John Landis, an dessen Klassiker die vorliegende Komödie angelehnt ist, doch durch ein ordentliches Tempo lassen sich diverse Defizite einigermaßen kaschieren.
England im 19. Jahrhundert: Wegen eines Unwetters muss der Gemeinderat Horace mit dem Gefangenen Archie im Gasthaus „Three Claws“ absteigen, wo die Wirtsleute ein düsteres Geheimnis hegen: Es ist Blutmond und Werwölfe warten nur darauf, sich über die Gäste herzumachen…
Unübersehbar fährt Seeds die Retroschiene, was bereits die Credits in Gelb und der überbordende Score andeuten. Den größten Inszenierungsaufwand stellte wahrscheinlich eine Kutschfahrt zu Beginn dar, denn der Rest spielt sich in dem nachgebauten Landgasthaus ab, in dem die Wände bei etwas stärkerer Belastung auch mal wackeln.
Die wesentlichen Figuren sind rasch etabliert, das kollektive Overacting Richtung Possenspiel sticht sogleich ins Auge und noch bevor die Werwölfe zur Mitte in Erscheinung treten, fällt eine witzig gemeinte Szene mit einem Nachttopf auf, der eine Steigerung erwarten lässt. Stimmt. Denn einen kotenden Werwolf gab es in der Genrehistorie wohl noch nicht.
Die leicht überstrapazierten Rotfilter verhehlen nicht, dass die Werwolfkostüme deutlich als solche auszumachen sind, zumal die aufgesetzten Köpfe kaum eine flüssige Mimik zulassen. Zudem hampeln die Biester zuweilen von einem Bein zum anderen und wandeln stets mit ausgebreiteten Armen, was schlichtweg dämlich und keineswegs furchterregend anmutet.
Immerhin schlagen sie einige Male etwas brachialer zu, indem zweimal enthauptet und einmal ein Augapfel herausgetrennt wird. Überdies fließt regelmäßig relativ viel Blut und die wenigen Überlebenden sehen gegen Ende alles andere als appetitlich aus.
Gleiches gilt für das Inventar, von dem einiges zweckentfremdet wird, während die Belagerung und einige Bisse für Nachschub in Sachen Bedrohung sorgen. Das nahezu konstant flotte Tempo, der stets polternde Score und insgesamt recht viel Bewegung sorgen dafür, dass Trashfreunde stets neues Futter vorfinden und sei es nur eine abgetrennte Werwolfkralle mit Eigenleben.
Insofern taugt der Streifen locker als Partyfilm, jedoch weniger als Gänsehautbeitrag zur Mitternachtsstunde. Zwar fallen viele Gags recht platt aus, doch Unzulänglichkeiten am Rande sorgen regelmäßig für leichte Heiterkeit, wenn etwa der Kutscher vom immer schlimmer werdenden Sturm warnt, während nicht einmal ein laues Lüftchen wahrzunehmen ist. Handgemachte Effekte, leicht übermotivierte Mimen und eine angemessen knackige Laufzeit von 85 Minuten sorgen indes für genügend Kurzweil.
6,5 von 10