Review

kurz angerissen*

Schön, so eine Kutschfahrt. Es schaukelt wie einst bei Terence Fisher, das Laub längst verwelkter Kostümfilme der Ära Hammer / Amicus legt sich nieder und verbirgt zumindest stellenweise, dass man es bei „A Werewolf in England“ mit einer sehr kostengünstigen Filmproduktion aus der Gegenwart zu tun hat.

Gerade Tim Cartwright entlarvt sich selbst als Not-So-Gentle-Man aus der ordinären Zukunft, indem er auf die damals noch üblichen Manieren pfeift und sich eher wie eine ungeschliffene Figur aus dem Post-Tarantino-Fahrwasser verhält. Daher vielleicht auch die zarten „From Dusk Till Dawn“-Vibes, als im späteren Verlauf eine Gaststätte zwar nicht von Vampiren, aber doch von einem Rudel Werwölfen überrannt wird.

Zunächst halten sich unsere Pelzfreunde aber vornehm zurück und überlassen den Gaststättenbetreibern die Bühe, bestehend aus einem psychopathischen Killerpärchen, das nur allzu gerne in das Kasperltheater des Constable und seines Gefangenen mit einsteigt. Schon hier fällt der seltsame Schnitt auf, der fortan zum treuen Filmbegleiter wird. Fluchtversuche und Schleicheinlagen ziehen sich dermaßen mit Verzögerungen aller Art in die Länge, dass man selbst in Gedanken schon über alle Berge ist, während die Hausgäste es noch nicht mal aus ihrem Zimmer in den Flur geschafft haben.

Der bis dahin blutarme, lediglich aus Grimassen in rot-grün-blauer Dauerbeleuchtung bestehende Film droht regelrecht in der Bewegung zu erstarren, als es dann wider Erwarten doch noch ziemlich haarig wird. Aus zunächst drei Werwolfexemplaren ergibt sich eine ganze Kette aus Vollmondanbetern, wann immer jemand dahingerafft wird und sich ebenfalls verwandelt. Da zeitgleich auch so mancher Werwolf das Atmen verlernt, können die wenigen Kostüme bequem von einem Statisten zum nächsten weitergereicht werden. Dieses Recycling führt zwar nicht zu so einer verblüffenden Illusion einer ganzen Monsterarmee wie zum Beispiel bei „Das Grauen aus der Tiefe“, der eine ähnliche Taktik anwandte, es kaschiert aber doch geschickt die nicht vorhandenen Mittel, die letztlich allesamt in die durchaus passablen Pelzmäntel und eine Handvoll netter Gore-Effekte investiert wurden.

Dennoch; dieser Schnitt! Noch selten sah man einen Werwolf so lange beschäftigungslos auf der gleichen Stelle von einem Bein auf das andere hüpfen, noch selten hatte man das Gefühl, in einer Beat-em-Up-Verfilmung zu stecken, ohne dass der Ansager jemals über das „Get Ready“ hinaus zum „Fight!“ gelangen würde. Ein Nichtangriffspakt nahezu, der immerhin die Story vom berühmten Bierdeckel auf Filmlänge aufzublasen weiß.

*weitere Informationen: siehe Profil

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