Ganz so „Exploited“ ist der Thriller unter der Regie von Jon Abrahams nun auch nicht ausgefallen, obgleich sich der Stoff bemüht, hin und wieder für leicht anrüchige Szenen zu sorgen. Leider vergaloppiert sich das Drehbuch zusehends, so dass ein potenzielles Whodunit letztlich zur Farce wird.
Brian ist Erstsemester an der Uni und teilt sich ein Zimmer mit Jeremy, der seinerseits mit Lexi liiert ist. Als er den USB-Stick für den Zugang zum Laptop vertauscht und einen Ordner mit ominösen Webcam-Videos entdeckt, ist er alarmiert: Wurde der vorherige Bewohner tatsächlich während einer Session abgemurkst?...
Zunächst geht es einige Zeit um nicht gefestigte Beziehungskisten und das Antesten sexueller Ausrichtungen. Brian entwickelt rasch ein Faible für männliche Körper und scheint damit kurz vorm Coming-out zu stehen, während es eine vermeintliche Bitch auf Lexi abgesehen hat, welche ihre Fühler wiederum nach dem Nerd auf dem Campus ausstreckt. Man erforscht und lebt seine Vorlieben aus, was sich vornehmlich bei einigen Clips ausdrückt, die teils ins Satirische übergehen, wenn ein Clown mit Penissen jongliert oder eine ganze Gruppe mit Fellkostümierung übereinander herfällt.
Die Bedrohung in Form eines Lederburschen mit Maske kommt dabei ebenfalls nicht zu kurz und nachfolgend geht es um Manipulation, Intrigen und Heimlichkeiten. Bei alledem kristallisiert sich nur schwerlich ein Sympathieträger heraus, zumal nach einiger Zeit ohnehin jeder mindestens einmal ins Fadenkreuz der Verdächtigen rückt. Allerdings verpennt das Drehbuch darüber hinaus die Dezimierung einiger Beteiligter, was im Falle eines Slashers nur konsequent gewesen wäre. Somit kommt man nicht über peinliche Situationen mancher Figuren hinaus und das Ratespiel um den Urheber erlahmt merklich.
Das Finale versucht indes zu kompensieren, was zuvor an Blut und Konfrontationen fehlte und wickelt die finalen Minuten beinahe schon hektisch ab, wonach eine etwas besser inszenierte Szene mit einem Nachschlag folgt. In Sachen Gewalt und Gore ist hier nicht viel mitzunehmen und auch die Anzahl nackter Tatsachen hält sich in Grenzen, wobei die Kamera das voyeuristische Element nie über Gebühr strapaziert und sich auch mal dezent zurückhalten kann.
Während der Synthie-Score immerhin ein wenig antreibt, fehlt den meisten Mimen der Antrieb. Die oftmals nicht allzu realistisch anmutenden Dialoge tragen nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei, während innerhalb des Showdowns ein kollektives Overacting auffällt.
Im weitesten Sinne präsentiert Abrahams mit seiner dritten Regiearbeit einen Online-Thriller, der zu wenig aus seinem Potenzial macht und sich zu sehr auf die Wirkung einiger Clips verlässt, anstatt Taten sprechen zu lassen. Das Ergebnis fällt allenfalls in Ansätzen spannend aus und kann im Vergleich zu zahllosen Campus-Slashern aufgrund seiner Seichtheit ausgelassen werden.
3,5 von 10