*** SPOILERWARNUNG ***
Einst lebten in Kumandra, einem Land mit fünf Stämmen, viele Drachen. Doch im Kampf gegen eine mysteriöse Macht namens Druun wurden diese versteinert. Zuvor konnten die Drachen ihre Kraft in einem Stein einschließen, der seitdem beim Stamm „Herz“ aufbewahrt wird. Doch die anderen Völker trachten nach dieser Macht und wollen sie für sich nutzen. Bei einem Überfall zerbricht der Stein, die Druun kehren zurück und aus „Herz“ macht sich Raya auf die Suche nach den Fragmenten.
Pflichtschuldig klappert die Heldin also nun die verschiedenen Ländereien nach den fehlenden Steinen ab und sammelt dabei auch noch diverse Sidekicks ein. Das ist weder spannend, noch dramaturgisch herausfordernd, da alles in recht vorhersehbaren Bahnen verläuft. Und dafür haben acht Leute an der Story rumgeschrieben. Dabei erfährt man über die Welt insgesamt auch nicht viel, obwohl sie groß angelegt ist. Hinzu kommt, dass der Humor durchgehend auf die jüngere Zielgruppe zugeschnitten ist. Immerhin ein richtiger Lacher hat mich dann doch erwischt (Sisus Schlachtplan betreffend Namaari). Alles recht harmlos also. Zentrales Thema ist hier das gegenseitige Vertrauen, was zwar oft genug enttäuscht wird, am Ende aber alles ins Lot bringt. Wie im richtigen Leben. Nicht.
Hinzu kommen diverse Löcher in der Geschichte, die so groß sind, dass ich nicht darüber hinwegsehen kann. In „Herz“ wird der Stein einfach mal nicht bewacht. Wozu auch? Und wenn man sich nur auf die Fallen verlassen sollte – warum rennt Benja als Einziger dorthin, als er die Gefahr bemerkt – ohne eine einzige weitere Wache? Vom irrlichternden „Plan“ Viranas ganz zu schweigen. Wie gesagt, acht Schreiberlinge. Nach fest kommt ab.
Was die Charaktere selbst angeht, kommen diese nicht über das ausreichende Schema hinaus, inklusive der ambivalenten Figur, die zum Ende die Seite wechselt und doch nie so böse war. Allerdings brauchte man die, weil die eigentliche Bedrohung (Druun) zu abstrakt für das junge Publikum ist.
Wo Disneys Film allerdings wirklich punkten kann, ist in Sachen Präsentation. Die Umwelt, Hintergründe und generell alle leblosen Bestandteile sehen mitunter fotorealistisch aus und sind eine Augenweide. „Raya“ ist ein wunderschön anzusehender Film, das Figurendesign ist grundsätzlich auch gelungen, wenn auch inhaltlich formelhaft. Flotte Sequenzen, die auch schön dynamisch inszeniert sind, wechseln sich mit ruhigeren Passagen ab, die einzelnen Schauplätze sind stilistisch klar voneinander abgegrenzt, sodass dem Ganzen ein episodenhafter Charakter innewohnt.
Und so interessant es auch ist, dass man sich hier einer exotischeren Umgebung hingibt, bleibt, wenn man Vertriebsprozedere in den letzten Jahren verfolgt, ein Beigeschmack von Anbiederung an den Markt. Aber sei's drum, immerhin sieht das mal anders aus.
„Raya und der letzte Drache“ ist ein optischer Leckerbissen, dessen Bilder detailliert und lebendig wirken. In Sachen Spannung und Drama unterentwickelt, bietet er trotz seiner Vorhersehbarkeit insbesondere für das jüngere Publikum einen gewissen Unterhaltungswert.