Die Ukraine im Jahr 2036: von den Russen vereinnahmt zur Eingliederung in eine neue Sowjetunion wird das Land von skrupellosen Warlords regiert, während an den Grenzen US-Truppen stationiert sind, die dabei ständigen Angriffen pro-russischer Milizen ausgesetzt sind. Gerade versucht sich ein Bataillon US-Marines zurückzuziehen, als ein gepanzerter Raketenwerfer in Stellung geht. Drohnenpilot Harp (Damson Idris) am Bildschirm in der Basis erkennt die Gefahr sofort, wird aber zunächst von seinem Vorgesetzten zurückgepfiffen, da sich noch 2 verletzte Marines unmittelbar in der Explosionszone befinden. Der 19-jährige Harp jedoch ignoriert vorsätzlich den Befehl und läßt die Drohne ihre Rakete auf das Fahrzeug abschießen - mit der Konsequenz, daß beide Marines sterben, die anderen 38 jedoch überleben.
In der Folge wird Harp zur Strafe in ein berüchtigtes Ausbildungslager versetzt, wo ihn jedoch gleich nach der Ankunft ein ranghöherer Spezialist namens Leo (Anthony Mackie) rekrutiert: Harp soll diesen auf einer Spezialmission Outside the Wire, also außerhalb des Stacheldrahts (sprich: im ukrainischen Grenzgebiet) begleiten. Dass der junge Drohnenpilot, der bisher stets am Computer todbringende Raketen abgefeuert hatte, nun selbst in eine unmittelbare Kampfzone vorrücken muß, macht ihm weniger Kopfzerbrechen als jener Leo, bei dem es sich jedoch um einen Androiden handelt, wie Harp staunend feststellt. Leo, der eine bestimmte, geheime Mission zu erfüllen hat (er soll Abschusscodes für Atomraketen sichern, bevor diese dem Warlord Koval in die Hände fallen) verwickelt Harp in ungewöhnliche Gespräche über Gehorsam und Entscheidungsfähigkeit - ausdrücklich befürwortet er Harps verhängnisvollen Entschluß, lieber 2 Marines zu opfern und die anderen 38 sicher zu retten, statt auf eine waghalsige Rettung der beiden zu hoffen, mit der Option, alle 40 Soldaten zu verlieren. Aus diesem Grund hatte Leo Harp auch ausgewählt, ihn zu begleiten. Doch das von Leo eingeforderte absolute Vertrauen zu ihm bekommt bald Risse, als der Drohnenpilot einige merkwürdige Verhaltensweisen bei diesem feststellt...
Das fiktive Szenario des Anfang 2021 herausgebrachten Films Outside the Wire sollte mit dem Ukraine-Überfall nur ein Jahr später traurige Wirklichkeit werden, doch damit konnten die beiden Drehbuchautoren Rob Yescombe und Rowan Athale nicht wirklich rechnen. Vielmehr dient ihr sich vermutlich an den Tschetschenien-Kriegen orientierender dystopischer Schauplatz der Etablierung zweier vollkommen ungleicher Charaktäre, die allerdings aufeinander angewiesen sind und somit zusammenarbeiten müssen: der wortgewandte Leo, eine unbesiegbare Kampfmaschine und der Rookie Harp, der dessen Verhalten oft staunend beobachtet und kommentiert.
Während des mit zahlreichen Actionsequenzen gespickten Streifens kristallisieren sich langsam aber sicher zwei gegensätzliche soldatische Einstellungen heraus, wobei immer stärker der Einsatz künstlicher Intelligenz auf dem Schlachtfeld in den Fokus rückt. So arbeiten auf beiden Seiten dutzende Gumps genannte Kampfroboter, die MG-Salven locker aushalten und ihrerseits präzise mit automatischen Waffen umgehen können. Das ein wenig an Star Wars erinnernde Design dieser Gumps vermittelt dem Publikum durchaus den Eindruck, daß Armeen dieser Blechsoldaten - neben den schon existierenden Kampfdrohnen - vielleicht tatsächlich in ein paar Jahrzehnten auf den Schlachtfeldern der Erde auftreten könnten. Auf eine technische Entwicklungsgeschichte oder sonstige Details dazu verzichtet der Streifen jedoch weitgehend.
Ein weiteres Thema von Outside the Wire ist die besonders zum Schluß zutage tretende Lernfähigkeit des Menschen, was diesen von den Maschinen unterscheidet. Dabei werden, auch graphisch, einige Assoziationen zu Terminator 2 – Tag der Abrechnung geweckt (Stichwort: Selbstzerstörung) und mit diesen Gedanken kann sich der geneigte Zuseher dann auch über das Filmende hinaus beschäftigen.
Damit enden dann allerdings die positiven Aspekte des Films, der außer im Übermaß eingesetzten, dafür wenigstens ordentlich inszeniertem Geballer nicht mehr viel zu bieten hat. Sämtliche Nebendarsteller sind holzschnittartige Klischeefiguren, angefangen vom bösen Warlord, der auf ukrainische Zivilisten schießen läßt, über eine doppelzüngige rothaarige Flinten-Uschi bis zum US-Kommandeur Eckhart (Michael Kelly), einem fiesen Schleifer mit entsprechender Physiognomie.
Diverse Logiklöcher wie nach 50 Jahren immer noch einsatzbereite (ähm?) Atomraketen aus Sowjetzeiten, ein 19-jähriger Drohnenpilot mit angeblich über 50.000 Flugstunden Erfahrung (wie geht das?) sowie eine völlig chaotische Befehlsstruktur bei den US-Streitkräften sind nur einige wenige Punkte einer langen Liste von Unzulänglichkeiten im Drehbuch. Die überaus flache Handlung, deren Ende trotz kleinem Schluß-Plot Twist in einer jederzeit vorhersehbaren Erfüllung der Mission liegt, läßt Spannung erst gar nicht aufkommen - erst recht nicht, wenn sich Hauptdarsteller Harp teilweise wie ein Teenager benimmt.
So bleibt von Outside the Wire kaum etwas im Gedächtnis hängen - am ehesten noch die Robo-Soldaten, doch verabsäumt die Regie, das Thema KI auf dem Schlachtfeld näher zu beleuchten. Und da sich die Handlung, wenn man sie einmal kennt, auch keineswegs für eine Zweitsichtung empfiehlt, ist diese Netflix-Produktion bestenfalls als 08/15-Durchschnittsware zu betrachten: 4,51 Punkte.