Review

"Hm, ein Film dieses (dieser) Genres, dessen Plot im Kirchen-Milieu angesiedelt ist. Das hört sich interessant an." Das waren meine ersten Gedanken, als ich den Film als den neuesten in der Videothek sah. Es stellte sich zwar nicht unbedingt das Gegenteil heraus, aber meine Erwartungen hat der Film nicht erfüllt.

Die Story in Worte zu fassen ist schwerer, als man glauben mag, aber ich versuche es, sie mit meinen eigenen Worten auszudrücken:
Alex Bernier (Heath Ledger) ist ein junger Priester und einer von den zwei letzten Karolingern, irgendeine besondere Art von Priester. Der dritte Karolinger und gleichzeitig Alex' Mentor und Ordensführer ist vor kurzem verstorben, ob es Selbstmord oder Mord war, ist nicht sicher, was die Aufmerksamkeit Alex' erweckt. Er untersucht den Fall und gerät dadurch immer tiefer eine Kirchen-interne, wenn man so will, "Verschwörung", bei der es um einen so genannten Sin Eater geht, der die Macht hat, Sünden zu vergeben. Alex stoßt auf verschiedenste Indizien, die ihn zu der Vermutung bringen, dass der Ordensführer ebenfalls ein solcher Sin Eater war. Der Andere (Benno Fürmann), wie der zweite Sin Eater auch genannt wird, beobachtet inzwischen Alex und kommt zu dem Schluss, dass er ein würdiger Nachfolger für ihn wäre. Als er ihm den "Job" jedoch anbietet und Alex ablehnt, was für den Anderen inakzeptabel ist, sieht er nur noch einen Schlüssel, der die Tür zu Alex aufschließen kann, seine Freundin Mara (Shannyn Sossamon), für die er kürzlich sogar sein Priester-Dasein aufgegeben hat, um die Liebe zu ihr leben zu können, und nicht verweigern zu müssen.

Das klingt ebenfalls noch alles recht interessant, doch die erste Stunde von insgesamt 98 Minuten dermaßen verwirrend und langweilig und häuft beim Zuschauer nur ein überdurchschnittlich großes Maß an Fragen an, dass man sich wirklich überwinden muss, nicht abzuschalten. Viele der Fragen werden zwar dann in den letzten 30 Minuten beantwortet, aber großteils auch nur im Hinterkopf, denn, wie gesagt, die Fragen türmen sich. Gleichzeitig schafft es die erste Stunde auch überhaupt nicht auch nur einen Funken Spannung aufzubauen oder den Zuschauer in das Geschehen miteinzubeziehen. Im letzten Drittel sind davon zwar schon Ansätze vorhanden, aber leider auch nicht mehr...

Die Besetzung ist meiner Wenigkeit sehr unbekannt. Heath Ledger habe ich bisher nur in "Der Patriot" gesehen, und an den kann ich mich nicht mehr erinnern. Was ich damit sagen will, ich habe keinen Vergleich mit seiner schauspielerischen Leistung in anderen Filmen, aber das soll meine objektive Beurteilung hoffentlich nicht trüben. Er spielt den jungen Mann, der Probleme mit der Entscheidung zwischen einem Leben als Priester und einem mit einer Frau hat, gar nicht so schlecht und ist in meinen Augen auch gar nicht so schlecht für diese Rolle geeignet. Die Verkörperung seines Charakters zeigt zwar Schwächen, die vermutlich auch Heath Ledger's grundsätzliche darstellerische Schwächen sind, am ehesten zu bemerken in den emotionalen Szenen, wo Tränen fließen, aber an sich habe ich an ihm nichts auszusetzen. Benno Fürmann's Charakter hingegen ist ein emotional eiskalter leerer Typ, was die Ansprüche an den Darsteller erheblich verringert, aber das soll kein Vorwurf Fürmann gegenüber sein, denn auch von ihm habe ich noch keinen anderen Film gesehen und habe somit ebenfalls keinen Vergleich. Doch, wie gesagt, bei dieser Rolle kann man nur bedingt etwas falsch machen. Shannyn Sossamon kenne ich schon aus "40 Tage 40 Nächte" und "Die Regeln des Spiels". Sie spielt hier nicht anders, als sonst. Solide Leistung, die den Ansprüchen ihres darzustellenden Charakters gerecht wird.

"Sin Eater" fehlt auf eine gewisse Art und Weise das gewisse Etwas, das ihn zum Zuschauer vordringen lässt, ihn fesselt, ihn in das Geschehen hineinversetzt und nicht auf halber Strecke schlapp macht. Ich kann nicht sagen, woran das liegt, aber das ist es, was mich "Sin Eater" neben den vielen Fragen am meisten stört.

Fazit:
Eine Stunde Langeweile und eine halbe Stunde annehmbare Unterhaltung reichen nicht aus, um den Film über Durchschnitt zu heben. Da nützen auch ein paar ganz nette CGI-Effekte mit den Körper verlassenden Sünden nicht mehr, darum

4/10 Punkte

Details
Ähnliche Filme