Da schau her! Hat sich im vorweihnachtlichen Film-Stumpfsinnsschlachtfest doch glatt eine kleine Perle in die Lichtspieltheater gemogelt und sagt nichts.
Ich gestehe, Clint Eastwood ein wenig aus den Augen verloren zu haben, obwohl seine Filme, inszenierte wie "beschauspielerte", eigentlich immer einen recht hohen Qualitätsstandard aufwiesen. Mystic River ragt nun aber doch speziell heraus.
Zum einen ist die Story durchaus spannend, man ahnt zwar irgendwann, wer der Mörder gewesen sein könnte, doch die reine Krimi-Handlung ist nicht der Focus von Eastwoods Interesse. Es geht um eine durchaus typische Jugendfreundschaft, die sich allerdings im Laufe des Erwachsenwerdens abgekühlt hat - "man grüßt sich, wenn man sich sieht" -, was nicht zuletzt an den Dingen liegt, die einem der drei anhand zweier Perverser widerfahren - der Charakter wird übrigens großartig "dauergeprügelt" dargestellt von Softie Tim Robbins. Aber auch die anderen zwei haben sich ziemlich gegensätzlich entwickelt: der eine ist ein Krimineller, der versucht eine kleinbürgerliche Existenz mit einem Kioskladen aufrecht zu erhalten, während es der andere "geschafft" hat und bei der Kriminalpolizei ist. Trotzdem haben alle drei ihre schwarzen Flecken und die Klasse des Films zeigt sich nun darin, wie schicksalhaft die Fäden seit jenem Nachmittag als einer von ihnen von den Pädophilen entführt wird sich winden und letztendlich alle drei erwürgen, auch wenn sie es selbst noch nicht merken.
Grundsätzlich ein sehr religiöser Film über Schuld und Sühne und auch der komplexen Idee der Erbsünde ohne natürlich die Handlung mit derartigen Reflexionen zu überfrachten.
Hoch anzurechnen ist es dem alt und desillusioniert gewordenen Eastwood, dass er die Zuschauer nicht in ein weihnachtliches Happy End entlässt, sondern seine Geschichte bis zur letzten Konsequenz erzählt. Das wird einige ärgerlich oder schockiert zurücklassen (wie übrigens auch mich), regt aber die Diskussion extrem an und nach welchem Film in diesen Zeiten kann man schon diskutieren? Nämlich über die Frage hinaus, warum der entsprechende Streifen gerade eigentlich Mist war.
Die zum Schluss von der Frau des Kriminellen (dargestellt von Sean Penn, wie immer prollig tätowiert und latent prügelbereit - er musste sich also nicht allzu sehr hineinschauspielern) postulierte Stärkephilosophie, die darauf abzielt, den Mord an seinem ehemaligen Freund, den er fälschlicherweise der Tötung seiner Tochter verdächtigt, zu rechtfertigen, ist so unheimlich und ekelerregend, weil man genau weiß, wie viele "Menschen" in der Welt genau dieser kranken Einstellung folgen ohne es aber so ausdrücken zu können. Eastwood kommentiert diese Ungeheuerlichkeiten nicht, sondern lässt sie mit allen Leichen und Lieben in der Schlusseinstellung den Mystic River hinab treiben.
Mutig und sehr empfehlenswert!