Clint Eastwood liefert mit "Mystic River" ein vollkommen humorloses, düsteres und pessimistisches Vorstadt-Drama ab, in dessen Mittelpunkt drei Jugendfreunde stehen, von denen einer, Dave, einst tagelang mißbraucht wurde und schließlich seinen Peinigern entkommen konnte. Jetzt, viele Jahre später, wird die 19jährige Tochter Jimmys brutal ermordet und der Verdacht fällt bald auf seinen Freund Dave.
"Mystic River" ist kein Unterhaltungsfilm. Vielmehr ist er für den Zuschauer mindestens genauso schwer verdaulich und deprimierend wie die trostlosen Geschehnisse der Filmhandlung für unsere Charaktere. In farblosen, tristen Bildern erzählt Eastwood seine spannende Geschichte, führt den Zuschauer auf der Suche nach dem Mörder geschickt an der Nase herum, lässt ihn mitfühlen, mitleiden. Schöne, harmonische Szenen gibt es in "Mystic River" nicht, die Handlungs-Schauplätze beschränken sich auf dunkle Innenräume, triste Straßenzüge und Orte des Todes wie den Friedhof oder die Leichenhalle.
Allein durch diese Kulissenwahl wird bereits eine einzigartige Atmosphäre aufgebaut, die den Zuschauer nicht mehr loslässt und ihn die vielen tragischen Schicksalsschläge hautnah miterfühlen lässt.
Neben der hervorragenden Regieleistung Clint Eastwoods punktet der Film vor allem durch seine fantastischen Darstellerleistung. Sean Penn, Kevin Bacon, Tim Robbins - sie alle hat man nicht häufig in so brillanter Form gesehen. Insbesondere Tim Robbins will ich hervorheben, selten war ein zutiefst verstörter Charakter intensiver und glaubhafter dargestellt. Auch die so absolute Gegensätzlichkeit der drei Hauptcharaktere, alle auf ihre Weise mit dem Leben hadernd, ist eine gesonderte Erwähnung wird. Sicherlich eine der gelungensten Charakter-Konstellationen der letzten Jahre. Eine drehbuchseitige wie besetzungstechnische Meisterleistung!
Fazit:
Ein Film, verstörend und einvernehmend. Dabei vollkommen nüchtern in seiner Inszenierung ohne jeden Kitsch und aufgesetztes Pathos. So absolut pessimistisch, daß es einem fast schon die Angst in die Glieder fahren lässt - weil es eben doch realer ist, als man zunächst wahrhaben möchte. Definitiv kein Film für einen heiteren Videoabend mit Freunden, dafür sorgt allein schon die verblüffende Interpretation von Moral und Gesetz zum Filmausklang - vielmehr ein innovativer Leckerbissen jenseits ausgerittener Hollywood-Pfade, auch für anspruchsvolle Cineasten!