iHaveCNit: Come On Come On (2022) – Mike Mills – DCM / A24
Deutscher Kinostart: 24.03.2022
gesehen am 09.03.2022 in OmU in der Spotlight-Sneak
Arthouse-Kinos Frakfurt – Große Harmonie – Parkett - Reihe 4, Sitz 9 – 21:00 Uhr
gesehen am 26.03.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Lumiere – Reihe 5, Platz 12 – 20:30 Uhr
Für mich sind sowohl Joaquin Phoenix als auch A24 immer eine sichere Bank. Nach seinem persönlichen Oscartriumph für seine Rolle in „Joker“ hat es jedoch etwas gedauert bis Phoenix wieder auf der großen Leinwand zu sehen ist und wieder einmal hat er dafür einen großartigen Film und eine großartige Rolle bekommen, die seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt und sich wieder signifikant von dem unterscheidet, was er in seinen vorigen Rollen spielen durfte. Dafür arbeitet er hier mit Regisseur und Drehbuchautor Mike Mills zusammen, dessen letzter Film „Jahrhundertfrauen“ mit Anette Benning und Lucas Jade Zumann mir in seiner Mischung aus Coming-Of-Age und Gesellschafts- sowie Generationenporträt bereits sehr gut gefallen hat. Doch mit „Come On Come On“ hat er für mich noch ein Schippe mehr drauf gelegt und ein kleines, feines Highlight meines Kinojahres 2022 geschaffen.
Johnny ist Radioreporter und derzeit mit einem Projekt beschäftigt, an dem er Kinder und Jugendlicher in verschiedenen amerikanischen Großstädten und Regionen nach deren Ängsten, Hoffnungen, Zukunftsvorstellungen und deren Sicht auf Welt und Gesellschaft interviewt. Bis er eines Tages einen Anruf seiner Schwester Viv bekommt, die für einige Tage ihren kranken Ex-Mann unterstützen muss und jemanden braucht, der auf ihren Sohn Jesse aufpasst. In den darauffolgenden Tagen und Wochen nähern sich der alleinstehende Johnny und der aufgeweckte Jesse an und finden allmählich den Zugang zu den eigenen Gefühlen.
Wie auch „Jahrhundertfrauen“ ist „Come On Come On“ in gewisser Art und Weise eine Mischung aus Coming-Of-Age und Gesellschafts- und Generationenporträt geworden, dass sehr reduziert in großartigen Schwarz-Weiß-Bildern inszeniert worden ist. Das Dou aus Joaquin Phoenix und dem jungen Woody Norman versprüht eine großartige Chemie und eine Leichtigkeit, die den Film locker trägt. Der Film ist nachdenklich, reichhaltig, warmherzig und hoffnungsvoll. Mit scheinbar spielender Leichtigkeit werden in dem dargestellten Familiendrama Themen wie Demenz und psychische Erkrankungen aber auch die Wichtigkeit von Vater- und Mutterrollen verhandelt. Die im Film fast teil-dokumentarisch anmutenden Radiointerviews mit den Kindern und Jugendlichen bieten einen gleichermaßen zeitlosen als auch dem Zeitgeist entsprechenden Blick auf die Gesellschaft und die Welt, verkommen dabei meiner Meinung nach nie zum Selbstzweck. Sie sind auch in ihrer Art und Weise eine spiegelnde Reflektionsfläche für Johnny durchaus ein Verständnis für die zwischenmenschlichen Interaktionen mit Jesse zu entwickeln, dass durchaus für beide in der Verarbeitung unverarbeiteter Konflikte und unterdrückten Gefühlen hilft. Insgesamt ist „Come On Come On“ ein kleines Highlight meines Kinojahres 2022 und auch ein Film, der mich sowohl spielend leicht zum Lachen als auch zum Weinen gebracht hat.
„Come On Come On“ - My Second Look – 10/10 Punkte.