Kaum eine Person hat in der Geschichte des Films den Begriff des „Popcorn-Kinos“ so geprägt wie Hollywoods Über-Produzent Jerry Bruckheimer – vor allem wenn er seiner Entdeckung Michael Bay auch noch den Regie-Stuhl überlässt.
Hits wie „Bad Boys“, „the Rock“, „Armageddon“ und „Pearl Harbor“ gehen auf ihr Konto, und nun folgt die längst überfällige Fortsetzung ihres ersten Projekts, welches nicht nur seinen Regisseur, sondern auch seine beiden Hauptdarsteller Will Smith und Martin Laurence zu Stars machte (weshalb es aus Kosten- und Termingründen so lange gedauert hat, alle wieder für den zweiten Teil zusammen zu führen)...
„Bad Boys 2“ ist Popcorn-Kino in Reinkultur, und da das von Anfang an dem Zuschauer klar sein müsste (da man weiß, dass es sich um ein Bay-/Bruckheimer-Werk handelt), würde man sich selbst disqualifizieren, wenn man nach dem Sichten des Ergebnisses Logikmängel, Übertreibungen und fehlende Handlung anprangern würde!
Alles an diesem Film ist nicht nur „groß“, sondern wahrlich „übergroß“: Es gibt einige gigantische Actionszenen, die (jede für sich genommen) für andere Filme knallige Showdowns hätten sein können – hier kommen sie jedoch im 30-Minuten-Takt vor, und das mit maximalen Aufwand ... es werden Autos von einem fahrenden Transporter auf einen stark befahrenen Freeway geworfen, ein Speed-Boat wird von drei Helikoptern verfolgt, ein Hummer rast einen Berghang hinab durch eine explodierende Hüttensiedlung hindurch, eine 39-(!!!)-Millionen Dollar teuere Villa wird zuerst zerschossen, dann fast komplett gesprengt ... und das sind nur die Höhepunkte!!!
Zwischendurch gibt es noch diverse Schießereien und andere Action-Elemente – das alles gepaart mit viel Komik, welche aus dem ungleichen Cop-Duo Smith und Laurence hervorgeht (die klassische Grundvoraussetzung eines guten Buddy-Movies).
Die Story bleibt Nebensache: Ein Dogendealer erwartet eine riesige Lieferung, um die Kontrolle über den Markt in Miami vollkommen an sich zu reißen, doch die Cops Smith und Laurence durchkreuzen seine Pläne. Zusätzlich ist die „DEA“ auch an dem Fall dran – vertreten durch die Schwester von Laurence´ Figur, die auch noch eine (geheim gehaltene) Beziehung zu Smith unterhält (was natürlich zu Spannungen führt) ... als die Undercover-Aktion jedoch auffliegt, verschleppt der Dealer die Schwester nach Kuba – ab da wird alles „persönlich“ ...
Auf die Handlung kommt es hier wahrlich nicht an, sondern auf die Action und die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern – und diese Punkte werden vollkommen zufrieden stellend erfüllt:
Smith und Laurence agieren köstlich zusammen, und ihre Wortgefechte wirken (jedenfalls im Original) niemals platt. Die anderen Darsteller sind ebenfalls sehr gut – angefangen bei Gabrielle Union („Cradle 2 the Grave“), über Joe Pantoliano („Matrix“) als Chef am Rande des Nervenszusammenbruchs und Peter Stormare („8mm“) als überdrehter Kopf der örtlichen Russen-Mafia, bis hin zu einem coolen kleinen Gastauftritt von Rock-Poet Henry Rollins („Lost Highway“) als „T.N.T.“-Teamleader ... nur die Figur des Bösewichts (Jordi Molla) ist völlig verschenkt worden, denn die Rolle an sich (Kubaner, 5-Tage-Bart, lange, fettig wirkende Haare, in prunkvollem Luxus wohnend, und das mit dicker kleiner Tochter und schräger Mutter) ist „Klischee pur“ und einziger richtiger Schwachpunkt des Gesamtbildes.
Was den Film ebenfalls auszeichnet, ist die Wucht der Actionszenen, denn diese sind hart, laut und konsequent in Szene gesetzt worden – allein die Verfolgungsjagden und die große Straßenschießerei auf der Kreuzung kommen einfach sehr kraftvoll rüber (schon deswegen sollte man sich den Film in einem Kino mit großer Leinwand und dröhnender Soundanlage ansehen!) und sind vor allem „echt“, da man diese Szenen alle in Wirklichkeit so arrangiert hat und kaum auf CGI zurückgreifen wollte ... so muss Action sein!
Mich persönlich hat die Brutalität in diesem Film überrascht, denn derart heftige Szenen sieht man äußerst selten in Mainstream-Produktionen – neben unzähligen Einschüssen gibt es viele explizite Kopfschüsse, Leichen werden von Autos überrollt und zerteilt, sowie als Drogenversteck missbraucht, überflüssige Geschäftspartner werden in Stücke geschnitten und ihre Gliedmaßen in Behälter gestopft, Menschen werden von Explosionen und Landmienen zerrissen und so weiter und so fort ... die „FSK-18“-Freigabe ist hier mal absolut gerechtfertigt, stört aber nicht weiter, denn es muss ja nicht immer die klinisch-saubere „James Bond“-Action sein...
Insgesamt (also neben dem hohen Bodycount etc.) präsentiert sich „Bad Boys 2“ nicht unbedingt als „pädagogisch wertvoll“ – wenn Smith und Laurence beispielsweise den neuen Freund von Laurence´ Tochter an der Tür ausfragen, einschüchtern und gar mit einer Waffe bedrohen, ist das zwar witzig, doch lässt einen gleichzeitig auch etwas stutzen.
Optisch fügt sich der Film genau in den Stil von Michael Bay ein – alles sieht einfach klasse gefilmt aus (Clip-Optik, Farbfilter), es gibt diverse Kameraspielchen (Projektile in Zeitlupe) und bestimmte Szenen sehen wie direkt aus einem Video-Clip entnommen (wie die Einstellungen in Peter Stormare´s Club) aus ... und dazu hämmert ein schmissiger Soundtrack von momentan angesagten Künstlern wie P.Diddy oder Nelly.
Jerry Bruckheimer hat es mal wieder geschafft und einen starkes Werk produziert, welches gar nicht erst den Kopf des Zuschauers ansprechen soll und mit einer fast altmodisch (also nicht am PC) geschaffenen Actionorgie überzeugt (weitaus mehr als der zeitnah gestartete „Terminator 3“, der im Vergleich etwa so rasant wie eine Folge „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ daherkommt...).
Fazit: Ein rasanter, brutaler, spektakulärer, witziger und toll inszenierter Film = kurzum ein (fast) perfekter Action-Thriller, daher 9 von 10.