Review
von Leimbacher-Mario
Boom Boom Bay!!!
„Bad Boys II“ hat die höchsten Höhen und die tiefsten Tiefen der Reihe um die zwei lässigen Miami Cops und Freunde. Auf jede wahnsinnige Verfolgungsjagd folgt ein Fremdschämoment, auf jeden geilen handgemachten Shoot Out folgt ein musikvideoartiges Schnittgewitter mit Sonnenblenden und Migränealarm, auf ein fliegendes Boot (!) folgen fliegende Leichen (?). „Bad Boys II“ schafft es mittlerweile mich gleichzeitig vollkommen zu begeistern, anzuwidern und zwischendurch sogar zu langweilen. Was für eine Kunst... Ein sehr schräger, krachender, aufdringlicher Action-Blockbuster, der nur Vollgas kann. Egal ob ihn das in den Schmerz- und Grenzbereich führt... In „Bad Boys II“ bekommt es unser coolstes Duo des Miami Polizeireviers mit einem verrückten Drogenschmuggler aus Kuba zu tun, der seine Ware am liebsten in Leichen und Särgen transportiert - und Marcus' „kleine“ Schwester arbeitet undercover für die DEA und ist in das explosive Chaos auch noch verwickelt...
„Bad Boys II“ zerlegt Highways und ganze Favela-Viertel, Luxusvillen und KKK-Versammlungen, Hintern und Ratten, Leichentransporter und Sportboote - und das meist handgemacht und ohne allzu viel Pixel und Bytes! Das ist maximal beeindruckend, ein später Auswuchs und Schlusspunkt der 90er, Bay definitiv auf dem vorläufigen Zenit was Explosionen und Action angeht. Das muss man erstmal schaffen, erreichen, nachmachen, allein das Budget wird (außerhalb von Netflix) heutzutage für diese Art von Krachern einfach nicht mehr vergeben. Nicht mal ansatzweise! Und dennoch kann einen das Spektakel auch aufregen und frustrieren mit miesen Dialogen, Figuren und cringy Szenen en masse. Da ist der erste Teil definitiv homogener, härter, authentischer und der dritte Teil runder, geerdeter, emotionaler. Ein cooles Duo bleiben diese zwei schwarzen, scheinbar unkaputtbaren Aufräumer dennoch. Selbst in diesem aufgeblähten Overkill. „Bad Boys II“ ist aber mittlerweile eine Hassliebe. Früher war ich diesem Wahnsinn wesentlich wohlgesonnener...
Fazit: früher mein liebster „Bad Boys“, heute für mich leider knapp der schwächste Teil der Reihe - die Action bleibt krass, die Chemie stimmt noch, Miami und Frau Union bleiben heiss, die Autoverfolgungsjagden sind zum Teil das Nonplusultra, hängen jeden „Fast & Furious“ ab. Dennoch verkackt und überzieht es Bay hier nach meinem Geschmack leider zwischendurch. Sei es durch comichafte Bösewichte, überzogene Drogentrips oder poppende Ratten - oft verdreht man einfach nur die Augen... Nur dann ist meist der nächste geile WTF?!-Moment auch nicht mehr weit.