Daß Michael Bay inzwischen Hollywoodfilme für seine ganz private Spielwiese hält, auf der er veranstalten kann, was er will, dürfte gar nicht mal so übertrieben angenommen sein.
„Bad Boys 2“ ist jedenfalls selbstzweckhaftes Actionkino aus einer Zeit, wo man mit dicken Karren, vielen Wummen und lockeren Sprüchen noch jeden Saal voll bekam.
Warum also nicht nach dem vielfach niedergemachten „Pearl Harbor“ (immerhin, Kasse hat er ja gemacht) auf sicheres Actionterrain zurückkehren und eine Fortsetzung des eigenen Debuterfolgs „Bad Boys“ machen. Martin Lawrence brauchte dringend einen Hit, um seinen Status zu halten, Will Smith war und ist immer für einen dicken Popcornfilm zu haben.
Was dabei rauskommt, ist ein Zitatepotpourri der 80er und 90er mit viel Drive, noch mehr Kugeln und diversen Leichen. Was der Film nicht hat, ist ein brauchbarer Plot, der dann vielleicht auch noch weniger umständlich erzählt worden wäre.
Aber auch hier wird’s so richtig schön gemütlich altmodisch: das alte Buddy-Prinzip von den beiden verschiedenen Cops, die sich gegenseitig auf den Geist gehen. Dazu ein Latino-Drogenbaron aus der untersten Klischeeschublade, ein paar persönliche Verstrickungen wie das Verhältnis von Smith zu Lawrence Schwester, die auch noch undercover arbeitet und in die Sache hineingerät. Kennen wir alles, gehört einfach dazu.
Ach ja, die Jungs machen natürlich jede Menge Bruch, hinterlassen haufenweise Leichen und richten Millionenschäden an, was ihren Chef den letzten Nerv kostet.
Es ist nichts neu an diesem zweiten Teil, was ihn jedoch ungemein simpel konsumierbar macht, auch wenn der Film mit zweieinhalb Stunden Laufzeit deutlich zu lang ist, was an den ausufernd inszenierten Actionsequenzen und der umständlichen Erzählweise (das extra angehängte Finale auf Kuba ist komplett überflüssig) liegt. Die Action ist vom Feinsten, zu breit ausgewalzt vielleicht und auch nicht gerade vor Realismus und Menschenfreundlichkeit triefend (die überfahrenen Leichen auf der Straße), edel und schick. Und laut!
Bay plant also mal wieder den Overkill und das gelingt ihm recht gut, die Figuren fließen recht schnittig durch die Szenerie, es gibt einiges an Sprüchen und das übliche Maß filmischen Humorrassismus, ansonsten herrscht Dauerattacke auf alle Sinne.
Was danach kommen wird für den Actionfilm bleibt offen und ist fraglich. Wenn man zum Schluß mitansieht, wie eine Verfolgungsjagd den direkten Weg durch einen kubanischen Blechhüttenslum nimmt und die Einzelteile nur so in alle Richtungen spritzen, weiß man, daß hier alle Grenzen offen sind, die Frage nach ev. Menschenleben stellt sich nicht mal mehr für Bay. Genauso reaktionär der Umgang mit der (kleinen) Invasion in Kuba, wo es die Amerikaner im eigenen Interesse mal wieder richten können und dürfen. Helau!
Aufregen muß man sich aber nicht darüber, dazu ist Bay zu dumm und desinteressiert an seinem Publikum, er will es nur bedienen, egal wie. Das tut er wieder höchst effektiv, nur leider hat man den Film am nächsten Tag schon in groben Zügen wieder aus dem Gedächtnis verloren. Fressen und vergessen, aber das auf höchstem Niveau. (7/10)