Kriminalhauptkommissar Sörensen wechselt von Hamburg ins ländliche Katenbüll, wo er die Leitung der Polizeidienststelle übernimmt. Es ist eine Rückkehr in den Beruf, denn Sörensen leidet unter einer Angststörung und erhofft sich in dem kleinen Ort eine Art Neuanfang. Doch mit der erhofften Ruhe ist es schnell vorbei, muss er sich doch gleich nach seiner Ankunft mit der Leiche des Bürgermeisters auseinandersetzen.
Das Regiedebüt von Bjarne Mädel, der auch die Hauptrolle übernimmt, beginnt laut. Mit dem Dröhnen, der Geräuschkulisse greift die Tonspur über die Szenen, lärmt und klingt ins nächste Bild. Das tonale Einfangen von Sörensens Zustand zieht sich durch den Film und ist fester Bestandteil. Was in Kopf und Seele passiert wird ab und an auch mal Thema, wenn das Skript eine Annäherung zulässt. Dies in Gestalt von Kollegin Jennifer (Katrin Wichmann), die auch mit ihren Problemen zu kämpfen hat.
Aber das gilt hier für alle. Denn der Krimi selbst läuft erst mehr so nebenbei, man fokussiert sich auf das Panoptikum aus schrulligen Figuren und ihren Zuständen. Wobei das selten liebenswürdig ist, den Film durchzieht ein bisweilen unangenehmes Gefühl. Dieses verstärkt sich noch und schlägt zu, wenn sich die Geschichte später doch noch auf den aufzuklärenden Fall konzentriert. Da offenbaren sich Abgründe vor der ländlichen Kulisse, die hier nie idyllisch oder hübsch eingefangen wird. Da mag man auch zwischen Erschütterung und Wut pendeln, dazu kommt die sich von Anfang an aufbauende Sogwirkung. Der stellenweise eingesetzte trockene Humor ist da eine Bereicherung.
Das Ensemble ist top, angefangen bei Mädel als Sörensen. Sein Kommissar mit Angststörung bleibt gleichsam auf Distanz und dennoch scheint man ihm nahezukommen, was die Figur trotz der eigentlich wenig ausufernden Charakterisierung gut anfüllt. Das gilt auch für die anderen Beteiligten, in kleinen Szenen und wenigen Sätzen formt das Skript diese und hier wirkt das dennoch reicher als in manchen mit Exposition beladenen Werken. Auch Wichmann, Peter Kurth, Matthias Brandt und Leo Schuster machen ihre Sache gut. Die Präsentation ist neben dem auffälligen Sounddesign auch visuell gelungen. Die Kamera lässt Räume gezielt größer oder enger wirken, oft kommt der Blick von oben oder unten.
„Ich bin 35, ich hab ein Recht auf Labskaus.“
Irgendwie spröde und geht doch nahe. Das Thema, das Bjarne Mädels Film hier aufmacht, ist nicht ohne und vermischt das in guter Balance mit der titelgebenden Angst seiner Hauptfigur. Diese kann sich nicht hinter sich lassen, dazu bekommt sie auch keine Gelegenheit. Das Sounddesign ist elementar und ein starker Teil der Inszenierung. Als ausgewiesener nicht-Krimifan hat mich „Sörensen hat Angst“ dennoch gepackt, was auch an der gelungenen Besetzung liegt. Trockener Humor lockert hier und da auf, dennoch ist das unterm Strich ein Stück Land ohne Sonnenschein.