Review

„Sangre“ muss seinerzeit selbst im Herstellungsland Argentinien völlig untergegangen sein, denn im Netz finden sich weder zusätzliche Informationen noch auch nur eine Kritik.
Vielleicht hätte Regisseur Juan Schnitman mit seinen Erotikpassagen etwas mehr wagen müssen, um eventuell einige Moralapostel zu erzürnen, doch selbst als die Geschichte in die Eskalationsphase gerät, vermag er das Ruder nicht mehr herumzureißen.

Marineoffizier Fernando pendelt regelmäßig zwischen zwei Häfen und in beiden hat er eine sexuelle Anlaufstelle. Die verheiratete Gabriela, mit der er bereits zuvor eine Beziehung hatte und die deutlich jüngere Melissa, mit der er alsbald zusammenzieht. Doch dann werden beide Frauen fast zeitgleich schwanger…

Die Dreiecksgeschichte baut sich eher langsam auf und bietet abgesehen von einigen Softsexszenen nur wenig Bewegung. Fernando entpuppt sich nicht gerade als Sympathieträger, denn er fährt nicht nur zweigleisig, sondern ist darüber hinaus egoistisch und alles andere als aufrichtig gegenüber den Liebschaften. Nicht ganz klar wird bei dem Gefüge, ob es sich bei Gabriela tatsächlich um seine Schwester handelt oder ob dies nur Behauptungen sind, um sie ohne ersichtlichen Hintergedanken aufsuchen zu können. Im Zweifel sollte man von Inzest ausgehen, obgleich dies auf dramaturgischer Ebene wenig ändert.

Denn dafür wird zwischenzeitlich viel zu wenig geboten. Das Dönern nimmt phasenweise Überhand, minutenlang kebappen die aufeinander, während die eigentliche Handlung kaum vorankommt. Dezenterweise sind lediglich entblößte Oberkörper zu sehen, es wird schwer geatmet und es gibt Phasen expliziter, sexueller Beschreibungen, doch keine skandalträchtigen Anwandlungen. Die Dreiecksgeschichte erhält darüber hinaus kaum Einmischung von außen, wodurch das Geschehen nahezu eine Stunde ohne Spannung vor sich hin dümpelt.

Etwas griffiger wird der Stoff mit den beiden Schwangerschaften, doch auch hier benötigt es bis zur letzten Viertelstunde, bis die Gefilde eines Thriller erreicht werden. Endlich geht man auf Konfrontationskurs und es gibt eine moralisch betrachtet zufrieden stellende Pointe, doch der Weg dorthin gestaltet sich trotz kleiner, finaler Gewalteinlagen reichlich zäh.

Daran ändern auch die okay performenden Mimen nichts, während die sexuellen Akte zu unspektakulär ausgeführt und gefilmt sind, um auch nur einen Hauch von Erotik zu versprühen. Es gibt also gute Gründe, warum das Werk aufgrund seiner belanglosen Art komplett unterging.
4 von 10

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